Emergency Declaration Bisang seoneon
© Leonine

Emergency Declaration

„Emergency Declaration“ // Deutschland-Start: 10. November 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Endlich Urlaub! Was hatten sich die Leute nicht darauf gefreut, als sie an Bord des Flugzeugs gingen. Nach Honolulu soll die Reise gehen, wo die Passagiere einen schönen Urlaub verbringen wollen. Ein Mann hat jedoch einen anderen Plan: Jin-Seok Ryu (Si-wan Im) will alle Menschen an Bord töten, Besatzung und Fluggäste gleichermaßen. Ein gefährliches Virus soll dafür sorgen, dass die Maschine zu einer Todesfalle wird, aus der es kein Entkommen gibt. Davon ahnt zunächst niemand etwas. Als jedoch der erste Passagier stirbt, geht die Angst um. Gleichzeitig setzt der Polizist In-Ho Koo (Kang-ho Song) alles daran, um vom Boden aus die Situation unter Kontrolle zu bringen. Doch die Zeit drängt, zumal niemand das verseuchte Flugzeug landen lassen will, aus Angst, das Virus würde weitergetragen …

Der Tod reist mit

Auch wenn das Fliegen eigentlich als eine der sichersten Möglichkeiten des Reisens bezeichnet wird, so dürfte keine mit vergleichbar großen Ängsten verbunden sein. Aus gutem Grund: Man ist als Passagier und Passagierin völlig ausgeliefert. Aussteigen und in Sicherheit bringen? Das ist keine Option. Und so finden sich immer wieder Thriller, die ein Flugzeug zum Schauplatz machen. Dabei kann die Bedrohung die unterschiedlichsten Formen annehmen. Ob herkömmliche Terroristen (7500), geldgierige Erpresser (Non-Stop), Schlangen (Snakes on a Plane) oder Vampire (Blood Red Sky), der Fantasie der Drehbuchautoren und Drehbuchautorinnen sind keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was gefährlich ist.

In Emergency Declaration darf mal wieder ein Terrorist ran. Dabei ist er dieses Mal ganz modern und aktuell unterwegs. Statt so langweiliger Waffen wie einer Bombe kommt ein tödliches Virus zum Einsatz. Geplant war der Film bereits vor der Corona-Pandemie, auch wenn der Dreh erst währenddessen losging. Dennoch werden sich die einen oder anderen fragen, ob ein solches Szenario angesichts der Ereignisse in der realen Welt eine wirklich so gute Idee ist. Vergleichbar geschmacklos wie so manch anderer Virus-Film, der seit März 2020 veröffentlicht wurde, ist das hier aber nicht. Regisseur und Drehbuchautor Jae-Rim Han verzichtet darauf, zu große Parallelen zu den alltäglichen Erfahrungen aufzubauen und damit die Katastrophe reißerisch für sich nutzen zu wollen.

Klaustrophobische Spannung über den Wolken

Wobei ein Thema aus dieser Zeit durchaus vorkommt: der Wechselstreit von Solidarität und Überlebenswillen. Dieser zeigt sich in Emergency Declaration an vielfachen Stellen. Ob nun an Bord des Flugzeugs, wo sich mal wieder einige selbst am nächsten sind, oder die Reaktionen der Menschen am Boden, die das verseuchte Flugzeug lieber abschießen, als es landen zu lassen: Da werden sämtliche schlechte Eigenschaften bestätigt. Größere Erkenntnisse oder Einblicke in die menschliche sollte man hingegen nicht erwarten. Dafür sind die Figuren zu schwach gezeichnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir nun Zeit mit dem Terroristen verbringen, den Menschen an Bord oder in den Einsatzzentralen: Für tatsächliche Persönlichkeiten hatte Han keine Verwendung.

Dabei hätte die Zeit dafür eigentlich reichen müssen. 140 Minuten ist schon recht üppig angesetzt für die Geschichte. Der Thriller, der 2021 in Cannes Weltpremiere hatte, verwendet diese zum Teil, um – wie in Katastrophenfilmen üblich – eine Reihe von Personen einzuführen, deren Wege sich kreuzen werden. Da diese aber die besagten Mängel im Hinblick auf die Persönlichkeit haben und im besten Fall ein Mittel zum Zweck sind, hätte man diese Zeit vielleicht doch besser anderweitig genutzt. Doch auch wenn es dadurch immer mal wieder zu Längen kommt und gegen Ende hin einiges unnötig und unsinnig ausgedehnt wurde, da sind schon immer wieder spannende Szenen dabei. Das begrenzte, teils klaustrophobische Setting führt zusammen mit dem hohen Zeitdruck und dem Gefühl der Hilflosigkeit dazu, dass der Virusanschlag fesselt und das eigene Nervenkostüm angreift.

Credits

OT: „Bisang seoneon“
Land: Südkorea
Jahr: 2021
Regie: Jae-Rim Han
Drehbuch: Jae-Rim Han
Musik: Byung-woo Lee
Kamera: Mo-gae Lee, Jong-chul Park
Besetzung: Kang-ho Song, Byung-hun Lee, Do-yeon Jeon, Nam-gil Kim, Si-wan Im, So-jin Kim, Hae-joon Park

Bilder

Trailer

Filmfeste

Cannes 2021
Fantasy Filmfest 2022
Sitges 2022

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Emergency Declaration
fazit
„Emergency Declaration“ hat ein schön fieses Szenario, wenn ein Terrorist an Bord eines Flugzeugs ein Virus freisetzt, während dieses nirgends landen kann. Das ist phasenweise spannend, hat aber aufgrund der zu großzügigen Laufzeit so ihre Längen. Dafür hätte bei der Figurenzeichnung mehr passieren müssen.
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