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Lucia – Engel des Todes?

Lucia Engel des Todes
„Lucia – Engel des Todes?“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2016 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Als ein kleiner Junge in einem Krankenhaus in Den Haag stirbt, ist das Entsetzen groß. Wie konnte dies nur geschehen? Schon bald richten sich die Augen auf die Krankenschwester Lucia de Berk (Ariane Schluter), die während der Zeit auf der Säuglingsstation gearbeitet hat. Schließlich hat die eine zweifelhafte Vorgeschichte und ist den anderen im Krankenhaus schon länger suspekt. Und tatsächlich: Bei den Untersuchungen stellt sich heraus, dass schon früher Patienten und Patientinnen in ihrem Umfeld gestorben sind, was sie zu einer naheliegenden Täterin machen. Relativ schnell fällt dann auch das Urteil, dass sie sich des mehrfachen Mordes schuldig gemacht hat, selbst wenn die Beweislage recht dünn ist. So dünn, dass der Nachwuchs-Staatsanwältin Judith Jansen (Sallie Harmsen) irgendwann Zweifel kommen, ob die ganze Sache so stimmt oder sie nicht einen schrecklichen Fehler gemacht haben …

Hauptsache schuldig

Jeder ist unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist? Das mag in der Theorie so sein. In der Praxis sieht das oft aber anders aus. In der Zivilbevölkerung ist es nicht eben unüblich, voreilige Schlüsse zu ziehen, was aus den unterschiedlichsten Gründen geschehen kann. Aber auch juristisch darf man sich nicht darauf verlassen, dass da wirklich immer bis zum letzten Moment und der absoluten Gewissheit gewartet wird, um ein Urteil zu fällen. Ein Beispiel hierfür ist das niederländische Drama Lucia – Engel des Todes?, welches die wahre Geschichte einer Krankenschwester erzählt, die des mehrfachen Mordes beschuldigt wurde. Erst später stellte sich heraus, dass es sich um einen Irrtum handelte. Oder sogar einen der größten Justizirrtümer, wie in den Marketingtexten zu dem Film die Rede ist.

Dass Lucia unschuldig ist, fällt daher nicht wirklich unter Spoiler. Daran wird beim Bewerben von Lucia – Engel des Todes? kein Zweifel gelassen. Man tut während des Films auch nicht so, als wäre da ein längerer Wahrheitsfindungsprozess: Nach wenigen Minuten ist die Titelfigur bereits verurteilt, von der Öffentlichkeit ebenso wie von der Justiz. Ein Publikum, das gerne rätseln und grübeln mag, was da genau vorgefallen ist, hat deshalb wenig zu tun. Eigentlich wird sehr früh schon verraten, was Sache ist. Die restliche Laufzeit ist vielmehr dem Kampf gewidmet, die unschuldig Verurteilte wieder irgendwie aus dem Gefängnis zu bringen. Schließlich mag niemand zugeben, dass er sich geirrt hat. Das gilt für Privatpersonen, das gilt für eine Staatsanwaltschaft, die ganz froh ist, dem Volk eine Schuldige präsentieren zu können.

Zwischen Gesellschaftsporträt und Charakterdrama

Auch wenn der Film zuweilen als Thriller verkauft wird, hat Regisseurin Paula van der Oest (Bay of Silence – Am Ende des Schweigens) doch vielmehr eine recht ruhige Mischung aus Gesellschaftsporträt und Charakterdrama gedreht. Der erste Bestandteil ist dabei leider recht dünn. Wohl auch wegen der vergleichsweise kurzen Laufzeit von etwas mehr als anderthalb Stunden wurde so manche Abkürzung genommen. Nicht nur die Verurteilung als solche wird etwas schnell abgehandelt, obwohl man als Zuschauer und Zuschauerin nicht genau weiß warum. Der Aspekt der Medienhetze wird ebenfalls kaum ausgearbeitet. Dass es diese gab, wird zwischendurch zwar erwähnt. Man merkt davon aber nichts. Auch zum Schluss von Lucia – Engel des Todes?, wenn erneut von der öffentlichen Meinung die Rede ist, geht das ziemlich schnell. Die allgemeine Stimmung bleibt eine bloße Behauptung, ohne dass davon viel gezeigt würde.

Etwas besser sieht es im Hinblick auf das Charakterdrama aus. Das ist jedoch mehr Hauptdarstellerin Ariane Schluter (Instinct – Gefährliche Begierde) zu verdanken, die immer mal wieder gute Momente hat. Dass es nicht mehr sind, liegt auch am Drehbuch, das sich nicht ganz entscheiden kann, ob die Krankenschwester nun ein distanziertes Mysterium oder ein armes Opfer sein soll. Beides zusammen funktioniert nicht so recht. Außerdem muss sie sich die Laufzeit mit der jungen Staatsanwältin teilen, die zwischenzeitlich immer mal wieder zur Protagonistin aufsteigt. Sonderlich interessant ist die Figur dabei jedoch nicht, da Lucia – Engel des Todes? sich darauf beschränkt, sie als gleichermaßen ehrgeizige wie rechtschaffene junge Frau zu zeigen. Mehr als ein Stereotyp springt dabei nicht heraus. Den stärksten Eindruck hinterlässt der Film deshalb noch als Beispiel eines Justizskandals, über den man sich wundern oder ärgern darf – vielleicht auch beides zusammen. Es wird aber nicht viel mehr daraus als ein Wikipedia-Artikeln in bewegten Bildern.

Credits

OT: „Lucia de B.“
IT: „Accused“
Land: 2014
Regie: Paula van der Oest
Drehbuch: Monique Kramer, Tijs van Marle
Musik: Adam Nordén
Kamera: Guido van Gennep
Besetzung: Ariane Schluter, Marwan Kenzari, Barry Atsma, Sallie Harmsen, Fedja van Huêt, Amanda Ooms

Bilder

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Lucia – Engel des Todes?
Fazit
„Lucia – Engel des Todes?“ erzählt die Geschichte einer niederländischen Krankenschwester, die irrtümlich des mehrfachen Mordes beschuldigt wird. Der Film wird dabei gerne mal als Thriller verkauft, ist aber vielmehr eine recht ruhige Mischung aus Gesellschaftsporträt und Charakterdrama. Das ist gut gespielt, bekommt aber auch aufgrund der kurzen Laufzeit nie die Tiefe, welche Figur und Thema verdienen würden.
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