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Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen

Der Amsterdam Krimi Das Maedchen ohne Namen Der Tote aus dem Eis
„Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen“ // Deutschland-Start: 17. März 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Die Hoffnungen waren groß bei der Weißrussin Laila (Carina de Vroome), als sie nach Amsterdam kam. Schließlich wartete dort eine ganz neue Zukunft auf sie, als Saisonkellnerin in der Gastronomie wollte sie richtig viel Geld für die Familie daheim verdienen. Stattdessen zwingt sie der Nachtclubbesitzer Jos Zwolsman (Mike Reus) zur Prostitution. Umkehren ist ebenfalls keine Option, da er ihr zuvor den Pass abgenommen hat und dazu zwingen will, ihre „Schulden“ abzubezahlen. Dafür erhält sie Hilfe von unerwarteter Seite: Der niederländische Kommissar Bram de Groot (Fedja van Huêt) und sein deutscher Kollege Alex Pollack (Hannes Jaenicke) sind schon länger hinter dem Etablissement her und haben es dabei vor allem auf die Hintermänner abgesehen …

Zwei neue Fälle

Es gibt ja so Krimireihen im deutschen Fernsehen, da kommt gefühlt ständig ein neuer Teil heraus – nicht zuletzt weil sie gern etwas austauschbarer sind. Bei Der Amsterdam-Krimi gibt man sich hingegen recht genügsam, was die Versorgung mit Nachschub angeht. Die ersten beiden Filme erschienen im November 2018. Teil 3 und 4 folgten anderthalb Jahre später im Juni 2020. Die Wartezeit zu den anschließenden zwei Filmen war noch einmal ein wenig länger. So lange, dass man zwischendurch völlig vergessen durfte, dass es diese Reihe ja auch noch gibt. Aber die Wartezeit ist nun vorbei, rund 21 Monate nach dem letzten Ausflug gibt es in Das Mädchen ohne Namen ein Wiedersehen mit de Groot und Pollack, bevor es die Woche drauf mit Der Tote aus dem Eis weitergeht.

Das Prinzip ist bekannt. Wie so manch andere ARD-Krimireihe, die am Donnerstagabend ausgestrahlt wird – zum Beispiel Der Kroatien-Krimi oder Der Bozen-Krimi –, versucht man hier heimische Krimikost mit einem kleinen Auslandsurlaub zu verbringen. Die Idee: Man erzählt dieselben Geschichten, die man auch sonst immer erzählt, aber in einer reizvollen neuen Kulisse. Zugegeben, hier ist die Entfernung zum Ermittlungsort relativ kurz, weshalb das Reisegefühl um einiges geringer ausfällt als bei den internen Kollegen und Kolleginnen. Aber es reicht immerhin für ein paar schöne Bilder. Man holt bei Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen schon einiges aus dem Setting heraus, selbst wenn das Rotlichtmilieu vielleicht nicht ganz dem touristischen Bedürfnis entspricht.

Ohne Atmosphäre und Spannung

Dafür hapert es wie bei vielen dieser Auslandseinsätze am Inhalt. Ärgerlich ist zum einen mal wieder, dass man bei der Sprache so tut, als wäre man gar nicht aus Deutschland weg. Niederländische Dialoge, womöglich mit Untertiteln? Das will man niemandem zumuten, fordern ist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen selten angesagt. Das Gefühl im Ausland zu sein, welches die Filme vermitteln wollen, entsteht auf diese Weise natürlich nicht. Richtig bizarr wird es aber, wenn die Niederländerin Carina de Vroome eine Weißrussin spielt, während sie mit einem erkennbar heimischen Akzent Deutsch spricht. Wie so oft heißt es bei Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen: Das reicht schon, mehr braucht es nicht. Braucht es aber schon, zumindest wenn man Wert darauf legt, eine Atmosphäre zu erzeugen. Eine Illusion zu erzeugen, sich außerhalb des ARD-Studios zu bewegen.

Wenn wenigstens die Geschichte interessant wäre. Prostituierte, die von ihren Freiern brutal behandelt werden, ist nun nicht der originellste Einfall, den man haben kann. Das wurde schon in zahlreichen anderen und deutlich besseren Filmen und Serien aufgegriffen. Die belgische Serie Red Light bietet sich da etwa an, bei der wir mehreren Frauen folgen, deren Wege sich in einem Bordell kreuzen. Während es dort noch einigermaßen ausgearbeitete Figuren gibt und die Verknüpfung mehrerer Stränge für Spannung sorgt, ist das hier sehr geradlinig und eintönig. Mehr als Klischees und Stereotype werden nicht angeboten, auf allen Seiten des Gesetzes. Auch wenn das Thema des Menschenhandels mit Osteuropa durchaus Potenzial hat, in einen derart langweiligen bis anstrengenden Film verpackt kommt es nicht zur Geltung.

Credits

OT: „Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Ismail Sahin
Drehbuch: Peter Koller
Musik: Andreas Helmle
Kamera: Aljoscha Hennig
Besetzung: Hannes Jaenicke, Fedja van Huêt, Peter Post, Birgit Welink, Arent Jan Linde, Carina de Vroome, Mike Reus, Dries Alkemade

Bilder

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Fazit
„Der Amsterdam-Krimi: Das Mädchen ohne Namen“ erzählt von einer Weißrussin, die von einem niederländischen Zuhälter gefangen gehalten wird. Das Thema Menschenhandel ist relevant, der Film selbst ist es nicht. Die Atmosphäre ist missglückt, Geschichte und Figuren geben nichts her. Wo ganz viel Spannung entstehen sollte, existiert nur Langeweile.
Leserwertung35 Bewertungen
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von 10