Last Night in Soho
Thomasin McKenzie und Michael Ajao in dem Horrorthriller "Last Night in Soho" (© Universal Pictures)

Michael Ajao [Interview]

Michael Ajao ist ein britisch-nigerianischer Schauspieler, der 2011 seinen ersten Auftritt in dem Science-Fiction/Horror-Film Attack the Block von Regisseur Joe Cornish in der Rolle des Mayhem hatte. Danach hatte er Rollen in mehreren Serien wie Coming Up, Code of a Killer, Cuffs, The Idris Takeover und Silent Witness. Zuletzt war in Edgar Wrights Last Night in Soho in der Rolle des John zu sehen, des Freundes von Eloise, gespielt von Thomasin McKenzie. Neben seiner Rollen fürs Fernsehen und das Kino, begann Ajao 2014 Angebote am Theater anzunehmen, wobei er für seine Darstellungen in Produktionen wie Liberian Girl, Lord of the Flies und The Convert gefeiert wurde. Darüber hinaus ist Michael Ajao als Stimmkünstler und Radiomoderator tätig, wobei er für Programme wie Bottled, Life Lines oder The Fishermen auf BBC Radio 3 und 4 bekannt ist. Zudem wirkte er bisher bei drei Audiobooks mit. Auch als Model hatte Ajao bereits erste Auftritte.

Im Interview anlässlich des Heimkinostarts von Last Night in Soho am 27. Januar 2022 auf DVD, Blu-ray und digital unterhalten wir uns mit Michael Ajao über die Dreharbeiten mit Edgar Wright und Schauspielerin Diana Rigg, wie es ist, ein Modestudent zu werden und über Soho als Setting für einen Film.

Für deine Rolle in Last Night in Soho musstest du das Handwerk eines Modestudenten lernen, beispielsweise die Bedienung einer Nähmaschine und viele andere Dinge. Was war dabei der Aspekt, der dich am meisten frustriert hat?

Was mich frustrierte, war, dass ich keine Ahnung hatte, ob das, was ich tat, Sinn ergab oder gut im Film aussah. Wenn man etwas an einem Mannequin anpinnt, einen Stoff beispielsweise, und beginnt etwas zu entwerfen, ist man immer etwas in der Luft und weiß nicht, was am Ende dabei rauskommt. Am Set hatten wir glücklicherweise mit C.B. English eine Fachfrau, die mir und den anderen Schauspielern immer mit Rat beiseite stand und uns erklärte, wie man mit den Werkzeugen umgeht. Das gab uns allen sehr viel Sicherheit.

Gibt es eigentlich ein Kostüm oder eine Requisite von Last Night in Soho, das du gerne behalten hättest?

Die Jacke, die John trägt, wenn er sich bei Eloise dafür entschuldigt, dass er ihre Coladose am Abend zuvor einfach ausgetrunken hat, hat mir sehr gefallen. Darüber hinaus hat John, wenn man gegen Ende einmal genau hinsieht, an einem Blazer gearbeitet, der sehr viele traditionelle, afrikanische Muster aufweist. Hier hätte ich gerne einmal das Endprodukt gesehen, denn er sah verdammt gut aus.

In Last Night in Soho geht es um eine junge Frau, die, von einem Traum angetrieben, nach London zieht, um sich dort einen Namen zu machen, aber ziemlich schnell sehr desillusioniert ist. Inwiefern spiegelt diese Erfahrung deine innerhalb des Filmgeschäfts wider?

Ich kam nach London und damit zum Schauspiel, ohne jemals eine Schauspielschule von innen gesehen zu haben. Meine Perspektive war zugegeben sehr naiv und unvoreingenommen, weil ich mir einfach dachte, dass ich das Fremde und Ungewohnte einfach akzeptieren muss, wenn ich es zu etwas bringen will. Das hat mir eigentlich sehr geholfen, weil ich einfach meinem Instinkt getraut habe und über viele Dinge einfach nicht viel nachgedacht habe. Dieses Talent ist Figuren wie Eloise und John im Film zu eigen, wenn sie ihren Weg in der Modelindustrie beschreiten oder einander vertrauen. Sie vertrauen darauf, dass das, woran sie gerade arbeiten und was sie dafür in Kauf nehmen, sich am Ende auszahlen wird.

Edgar Wright gab dir sehr viel Material, von Büchern über Filme, über Soho und generell London in den 1960er Jahren. Was hat dich bei deiner Recherche am meisten fasziniert oder erstaunt?

Mich hat erstaunt, wie viele Clubs es gab, bei denen man Mitglied sein musste, um überhaupt Einlass zu erhalten. Unter der Oberfläche von Stadtteilen wie Soho brodelte es, da wurden rauschende Feste gefeiert, aber es zeigte sich auch eine sehr düstere, zynische Seite, als ich in den Dokumentationen beispielsweise davon hörte, wie man mit den Callgirls und Tänzerinnen umsprang. Für die Vorbereitung auf Last Night in Soho hat mir dies sehr geholfen. Außerdem war es eine große Freude Filmklassiker wie Shining oder Das Haus der Lady Alquist zu sehen, die mir Edgar mitgab.

Ohne zu viel zu spoilern, aber aus reiner Neugierde würde ich einmal fragen, wie ihr die Szenen, in denen Spiegel vorkommen, gefilmt habt. War das CGI oder war der Spiegel in Wirklichkeit eine Glasfläche?

Dazu gibt es auf der DVD oder der Blu-ray noch ein Extra, aber ich kann verraten, dass es in einigen Szenen gar keinen Spiegel gab, auch wenn es für das Publikum so aussieht, als wäre dort einer. Wenn beispielsweise Eloise und Sandie sich im Spiegel sehen, hatten Anya Taylor-Joy und Thomasin McKenzie vorher geprobt und ihre Bewegungen, Gestik und Mimik aufeinander so abgestimmt, dass es aussieht, als wäre dort ein Spiegel. In den Szenen in Eloises Zimmer habe ich zuerst meinen Teil gespielt und später wurde dann mittels CGI eine andere Person mit ins Bild eingefügt.

Last Night in Soho zeigt Schauspielerin Diana Rigg in ihrer letzten Rolle vor ihrem Tod im September 2020. Wie war es, mit ihr zu arbeiten?

Es war einfach interessant, jemanden wie Diana, die aus einer ganz anderen Generation kommt, bei der Arbeit zu sehen und mit welcher Sicherheit sie spielte. Sie wusste nach einer Szene einfach, dass diese wohl gelungen war und ging sogleich in die nächste über. Wenn man sie dann fragte, ob man die Szene noch einmal machen könne, fragte sie manchmal, ob das denn unbedingt sein müsse. Beim Schnitt stellte sich dann heraus, dass sie recht hatte und dieser eine Take mehr als ausreichte, weil ihr Spiel so sicher und auf den Punkt genau war. Ich weiß, dass ich manchmal etwas nervös und unsicher bin, und gerade deswegen, war es eine Bereicherung jemanden zu sehen, der mit einer solchen Erfahrung und Routine an ein solches Projekt herangeht.

Du bist ja nicht nur Schauspieler beim Film, sondern hast auch schon bei Audiobooks mitgemacht, auf der Bühne gestanden und bist als Stimmkünstler in deiner Heimat bekannt. Welches Medium, welche Geschichten oder Genre würdest du gerne für sich entdecken?

Ich bin ein großer Fan historischer Fiktion. Wenn eine Geschichte, ob als Film oder als Bühnenstück, auf einer wahren Begebenheit beruht, aber noch ein anderes Element mit dazukommt, mag ich das sehr und würde gerne bei einem solchen Projekt mitwirken. Darüber hinaus würde ich sehr gerne einmal einen schwarzen Sportler spielen, denn gerade Großbritannien hatte sehr viele solcher Helden und ihre Geschichten sind sehr bewegend. Außerdem würde ich gerne in einem Science-Fiction-Film mitspielen, denn ich mag es, wie das Genre unsere Horizonte erweitern kann und mit unserer Vorstellungskraft spielt. Abseits von der Schauspielerei würde ich den Bereich Mode für mich entdecken und generell die Erfahrung machen wollen, was es heißt, in diesem Bereich kreativ zu arbeiten.

Wenn wir jetzt in Soho wären, welche Orte würdest du mir empfehlen, die ich unbedingt besuchen muss?

In einem Teil der German Street findest du eine ganze Reihe von interessanten Bars und Kneipen, die ich empfehlen würde. Dort findet das Nachtleben statt und man trifft sehr viele interessante Menschen. Wenn wir einen Happen Essen wollen, würde ich sagen, dass wir zum Haymarket oder nach Chinatown gehen, alleine wegen der vielen verschiedenen Facetten und Kulturen, die uns dort begegnen. Dort kommt man der Atmosphäre, die Soho ausmacht, am nächsten und vielleicht passiert etwas, dass man so nicht jeden Tag erlebt.

Vielen Dank für das sehr anregende Gespräch.



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