Kolleginnen: Das böse Kind ZDF TV Fernsehen
© ZDF/Julia Terjung

Kolleginnen: Das böse Kind

Inhalt / Kritik

Kolleginnen: Das böse Kind ZDF TV Fernsehen
„Kolleginnen: Das böse Kind“ // Deutschland-Start: 29. Januar 2022 (ZDF)

Als die Leiche eines 18-jährigen Mannes gefunden wird, wird das für die erfahrene Kommissarin Irene Gaup (Caroline Peters) zu einer doppelten Prüfung. Zum einen muss sie sich mit ihrer neuen Kollegin Julia Jungklausen (Natalia Belitski) arrangieren. Die ist nicht nur deutlich jünger und sehr willensstark. Es handelt sich auch noch um die neue Freundin ihres Mannes Hans (Götz Schubert), von dem sie sich inzwischen getrennt hat. Aber auch der Fall an sich geht Gaup sehr nahe, scheint er doch in einem Zusammenhang mit einem früheren zu stehen. Damals war die Jugendliche Emma Lennartz (Emilie Neumeister) spurlos verschwunden, bis heute macht sich die Polizistin schwere Vorwürfe. Ihre Ermittlungen führen die beiden zu einem abgelegenen Selbstversorgungshof. Doch dort steht man der Polizei grundsätzlich skeptisch gegenüber …

Ein Auftakt mit Schwierigkeiten

Kann es genügend Krimis im deutschen Fernsehen geben? Offensichtlich nicht, wenn es nach den Verantwortlichen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern geht. Jede Woche laufen im Rotationsverfahren fünf bis zehn konkurrierende Reihen und Krimis, von den zahlreichen Wiederholungen ganz zu schweigen. Allein vom Tatort werden auf den dritten Programmen pro Woche ein Dutzend alter Titel ausgestrahlt. Ob die neue Reihe Kolleginnen das Zeug dazu hat, einer dieser Dauerbrenner hat, das bleibt abzuwarten. Offensichtlich hatte man beim ZDF aber zumindest so hohe Erwartungen, dass man ihr den besten Samstagabend-Platz bietet. Warum, das wird zumindest nach Das böse Kind nicht wirklich klar. Wenn der Auftakt Lust auf weitere Teile machen sollte, dann hat er diese Aufgabe kräftig vermasselt.

Dabei greift man hier auf ein immer wieder beliebtes Motiv solcher Filme zurück. Mal wieder wird eine Reihe damit gestartet, dass zwei Leute zusammen an einem Fall ermitteln, die kaum miteinander kompatibel sind. Die Toten vom Bodensee oder Jenseits der Spree sind zwei der vielen Beispiele, bei denen die Hauptfiguren anfangs gar nicht miteinander können und sich während der Suche nach einem Mörder erst noch zusammenraufen müssen. Bei Kolleginnen: Das böse Kind handelt es sich ausnahmsweise mal um zwei Frauen, die ein Team bilden – der Titel verrät es bereits. Weniger konfliktreich ist das aber nicht. Tatsächlich gibt es von Anfang an große Spannungen, die sich zum einen aus der Persönlichkeit der beiden Frauen ergeben. Dass die eine mit dem Mann der anderen schläft, trägt aber natürlich ebenfalls nicht so wirklich zu einem Gefühl der Kollegialität bei.

Figuren für die Tonne

Dass diese Konstellation sehr konstruiert ist, dürfte auch Drehbuchautorin Anette Simon bewusst gewesen sein. Da wird schon sehr mit einem „Zufall“ gearbeitet, der ebenso sehr nach Seifenoper riecht wie die tragische Vorgeschichte von Gaup, die als Kind von der Mutter verlassen wurde. Wie so oft wird eine tatsächliche Figurenzeichnung durch besonders dick aufgetragene Lebensumstände ersetzt. Das erfordert schließlich weniger Arbeit. Noch schlimmer ist aber, was Kolleginnen: Das böse Kind aus Jungklausen gemacht hat. Die ist nicht nur so nervtötend, dass man schon nach wenigen Minuten abschalten will. Sie ist auch noch ohne Sinn und Verstand angelegt. Anfangs zeigt sie betont uninteressiert die zwischenmenschliche Kompetenz eines Backsteins, nur um dann Hans in dieser Hinsicht Vorwürfe zu machen. Sie ist gleichzeitig überkorrekt und eine Chaotin, wenn es nach dem Zustand des Autos geht. Widersprüchliche, ambivalente Figuren sind das eine. Inkonsequente Willkürlichkeit das andere.

Wenn wenigstens der Fall an sich irgendwie interessant wäre. Aber auch in der Hinsicht taugt Kolleginnen: Das böse Kind nicht viel. Simon verlässt sich so sehr auf das persönliche Drama, dass die Ermittlungen oft zur Nebensache werden. Die Szenen auf dem Hof oder bei der Zeugenbefragung werden ebenfalls überwiegend dazu genutzt, irgendwelche Konflikte zu provozieren. Nicht einmal die Auflösung gibt wirklich viel her: Wer Krimis in erster Linie schaut, weil er gerne selbst ein wenig rätselt, steht am Ende mit leeren Händen da. Am ehesten kann man sich das noch für Caroline Peters (Der Vorname) anschauen, die wie immer überzeugend auftritt. Aber auch ihr Talent reicht nicht aus, um den grauenvollen Rest ausgleichen zu können. Dass tatsächlich schon an einem zweiten Film gearbeitet wird, ist daher alles andere als eine gute Nachricht.

Credits

OT: „Kolleginnen: Das böse Kind“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Vanessa Jopp
Drehbuch: Anette Simon
Musik: Alex Komlew
Kamera: Hans Fromm
Besetzung: Caroline Peters, Natalia Belitski, Götz Schubert, Petra Hartung, Karsten Mielke, Cino Djavid, Karoline Eichhorn, Marek Harloff, Emilie Neumeister

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Bei „Kolleginnen: Das böse Kind“ müssen zwei ungleiche Polizistinnen einen Mordfall lösen, ihre persönlichen Konflikte überwinden und sich dabei gleichzeitig einem alten Trauma stellen. Das klingt nach viel und hat doch wenig zu bieten. Die Figurenzeichnung ist eine Katastrophe, der Film nervtötend bis langweilig. Nicht einmal der Krimipart taugt etwas.
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