Inhalt / Kritik

„Elise und das vergessene Weihnachtsfest“ // Deutschland-Start: 11. November 2021 (Kino) // 16. Dezember 2021 (DVD/Blu-ray)

Jeder Ort hat etwas ganz Besonderes. So auch das abgelegene norwegische Dorf, in dem die kleine Elise (Miriam Kolstad Strand) lebt. Denn dort fallen die Menschen durch ein Gedächtnis auf, das besonders … schlecht ist. Eigentlich erinnern sich die Leute an fast nichts, vergessen ihre Namen, vergessen ihre Einkäufe oder auch ihr Zuhause. Eines weiß Elise aber ganz genau, als sie am 24. Dezember morgens aufwacht: Dieser Tag ist anders. Nur wie? Ihr Vater Tor (Christian Skolmen) kennt ebenso wenig die Antwort wie die anderen Einwohner und Einwohnerinnen. Auch dieses seltsame Objekt mit den 24 Türchen, welches das Mädchen auf dem Dachboden findet, sagt niemandem etwas. Fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden, macht sich Elise auf die Suche und begegnet dabei dem Tischler Andersen (Trond Espen Seim) und dem Weihnachtsmann (Anders Baasmo Christiansen) …

Märchenhaft-entrückte Atmosphäre

Ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass mit Plötzlich Santa ein schöner weihnachtlicher Geheimtipp in unsere Kinos kam. Der norwegische Film erzählte davon, wie der Weihnachtsmann und Tischler Andersen für einen Tag die Rollen tauschen wollen, was zu diversen komischen Momenten führt. Nun gibt es ein Wiedersehen mit den beiden Figuren, die erneut von den damaligen Schauspielern verkörpert werden. Um eine direkte Fortsetzung handelt es sich bei Elise und das vergessene Weihnachtsfest aber nicht. Zwar dürfte bei manchen im Publikum die Frage aufkommen, warum ausgerechnet ein Tischler dem Weihnachtsmann so nahe ist. Aber im Fokus stehen ohnehin Elise und die anderen im Dorf.

Dieses wird gerade zu Beginn sehr humorvoll dargestellt. Mit Freude an skurrilen Charakteren und sonderlichen Situationen beschreibt Elise und das vergessene Weihnachtsfest ein Dorf, das so vergesslich ist, dass selbst der gewöhnlichste Alltag kaum mehr funktioniert. Noch bevor wir zum Weihnachtsmann und dessen Fest kommen, entsteht dabei eine märchenhaft-entrückte Atmosphäre, wenn alles irgendwie schräg und verschroben ist. Das erinnert ein bisschen an Die fabelhafte Welt der Amélie, nur dass das hier an ein jüngeres Publikum ausgerichtet ist. Die Gefahren, die ein Leben ohne Erinnerung bedeutet, werden ebenso heruntergespielt wie die tragischen Aspekte. Die Zuschauer und Zuschauerinnen sollen in erster Linie schmunzeln.

Familienfilm zwischen Ironie und Tradition

Das klappt auch ziemlich gut, Elise und das vergessene Weihnachtsfest ist ein unterhaltsamer Weihnachtsfilm, der durch sein eigenwilliges Szenario aus dem Gros der festlichen Produktionen hervorsticht. Der Humor ist sicherlich nicht übermäßig raffiniert oder tiefsinnig. Aber einige der Situationen sind schon erheiternd, zudem charmant dargestellt. Außerdem ist die Vorstellung, dass jemand ausgerechnet Weihnachten vergessen könnte, erfrischend absurd. Schließlich gibt es hierzulande drei Monate lang kein Entkommen, schon im Spätsommer stapeln sich in Supermärkten entsprechende Süßwaren. Die Reaktionen der Bevölkerung auf die sonderbaren Bräuche, die Elise plötzlich erwähnt, zeigen zudem einen netten Sinn für Ironie, der bei Weihnachtsfilmen oft fehlt.

Ganz auf das Traditionelle will man bei Elise und das vergessene Weihnachtsfest dann aber doch nicht verzichten. Klar läuft es am Ende darauf hinaus, dass der uns allen bekannte Status Quo wieder hergestellt wird. Auch wenn zwischendurch das eine oder andere Hindernis wartet, das Ergebnis steht bereits fest. Das ist weder spannend noch originell, angesichts des ungewöhnlichen Szenarios hätte man sich da mehr erhoffen dürfen. Aber es ist ein doch süßer Familienfilm, der im Gegensatz zu vielen anderen Weihnachtsprodukten auf den großen Kitsch verzichtet und stärker die Freude in den Mittelpunkt rückt. Diese überträgt sich dann auch, sofern man für diese Art Film empfänglich ist, auf das Publikum. Wer also für den Nachwuchs noch was Passendes sucht, ist bei den Norwegern an einer guten Adresse, zumal bei nur 70 Minuten Laufzeit kaum Gelegenheit für Langeweile bleibt.

Credits

OT: „Snekker Andersen og den vesle bygda som glømte at det var jul“
Land: Norwegen
Jahr: 2019
Regie: Andrea Eckerbom
Drehbuch: John Kåre Raake, Harald Rosenløw-Eeg, Lars Gudmestad
Musik: Stein Johan Grieg Halvorsen, Eyvind Andreas Skeie
Kamera: Nico Poulsson
Besetzung: Miriam Kolstad Strand, Christian Skolmen, Trond Espen Seim, Anders Baasmo Christiansen

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Elise und das vergessene Weihnachtsfest
„Elise und das vergessene Weihnachtsfest“ nimmt uns mit in ein kleines norwegisches Dorf, wo sie Weihnachten vergessen haben. Die Situation ist absurd, am Anfang gibt es viel skurrilen Witz. Später wird es dann doch traditioneller, das Ende steht vorab fest. Dennoch, der norwegische Familienfilm ist ein schöner Geheimtipp abseits des üblichen Kitsches.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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