Inhalt / Kritik

Vicious Fun

„Vicious Fun“ // Deutschland-Start: 4. November 2021 (Kino)

Durch seinen Job als Journalist für ein kleines Horrormagazin hat Joel (Evan Marsh) schon viele der Größen der Independentszene kennengelernt. Dabei träumt er davon, selbst einmal Regie zu führen. Damit käme für ihn nicht nur der erhoffte Ruhm, sondern zudem die Anerkennung seiner Mitbewohnerin Sarah (Alexa Rose Steele), die ihn zwar nett findet, aber nicht viel mit ihm anfangen kann. Nach einem besonders frustrierenden Interview folgt er deswegen Sarahs neuem Freund Bob (Ari Millen) zu einer Bar, um mehr über ihn herauszufinden. Doch der scheint zu ahnen, was Joel vorhat, und macht diesen nach und nach betrunken. Als er wieder zu sich kommt, torkelt Joel noch immer völlig benebelt in einen Raum, in dem sich noch Menschen befinden, eine Art Selbsthilfegruppe. Geleitet von einem Mann namens Zachary (David Koechner) erzählen die Mitglieder der Gruppe davon, wie sie Menschen auflauern und diese dann umbringen, was Joel zunächst für einen schlechten Scherz hält, bis er dann merkt, dass er tatsächlich in einer Gruppe von Serienmördern gelandet ist.

Von Serienmördern und Filmproduzenten

Schon seit einiger Zeit hat sich die von Regisseur und Produzent Chad Archibald mitbegründete Produktionsfirma Black Fawn Films zu einer kreativen Talentschmiede für Genrefilme, besonders aus dem Bereich Horror und Thriller gemausert. Neben den eigenen Filmen arbeitet Archibald immer wieder mit Filmemacher Cody Calahan, mit dem er bereits an Werken wie Antisocial, Let Her Out und The Oak Room arbeitete, und das mit einigem Erfolg, was man alleine an den zahlreichen Auszeichnungen für The Oak Room sieht, der unter anderem auf dem Grimmfest 2020 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde wie auch auf dem Fantasia Film Festival 2020. Mit Vicious Fun, der fast zeitgleich mit The Oak Room entstand, betreten Archibald wie auch Calahan Neuland, denn zum ersten Mal mischen sie Horrorfilm mit Komödie.

Den im Titel angesprochenen Heidenspaß werden sicherlich jene Filmfans haben, die sich für eben jene Streifen begeistern können, welche besonders intertextuell angelegt und nicht gerade geizig mit Verweisen auf die Filmgeschichte sind. Ein Hinweis auf die Handlungszeit hätte man eigentlich gar nicht gebraucht, deutet die Omnipräsenz von Neon, die VHS-Cover in Joels Zimmer sowie seine an Marty McFly erinnernde rote Weste doch auf jenes Jahrzehnt hin, welches bereits seit vielen Jahren ein Comeback (gerade in Genrefilmen) feiert. Dies sind nur einige wenige Beispiele für eben jene Art von Verweise, mit denen Vicious Fun bis zum Schluss gespickt ist. Doch es wäre unfair zu behaupten, Calahans Film wäre nur ein Flickenteppich aus Filmzitaten, denn eben jene Welt zwischen Wirklichkeit und Traum ist letztlich auch jene, in die sich der Hauptcharakter immer wieder flüchtet. Und in der er sich auf fatale Weise auch immer wieder verläuft, was zu einigen, teils sehr lustigen Momenten der Selbstüberschätzung führt, wenn sich Joel für einen jener toughen Actionhelden der 1980er hält, während dies viel eher von einer Figur wie der von Amber Goldfarb gespielten Carrie eingelöst wird.

Das Einmaleins des Mordens

Wie schon in The Oak Room liegt Calahans Talent in der Inszenierung eines Raums. Auch wenn Vicious Fun durchaus mehr Sets hat als sein vorheriger Film, der meist im Interieur einer Bar spielte, ist der Raum, der Joel und Carrie bleibt, doch immer eng, drängt sie zum Handeln und vor allem Joel dazu, endlich über sich hinauszuwachsen und nicht mehr länger Realität mit seiner Filmwelt zu verwechseln. Evan Marsh spielt dabei eine durchaus sympathische Mischung zwischen Slacker und Träumer, der sich in der Wirklichkeit nur selten zurechtfindet, was man an seiner halbgaren Filmidee schon merkt. Vielleicht gehört gerade deswegen eben jene Szene zu den besten des Filmes, wenn ausgerechnet die Serienkiller ihn auf die Lücken in seiner Handlung und seinem Helden hinweisen, während sie selbst doch eine Collage an jenen Mörderfiguren darstellen, wie man sie aus dem Genre schon zur Genüge kennt.

Bei all dem Lob und der gelungenen Optik, die viel Retro-Charme versprüht, schon alleine wegen des Synthie-lastigen Scores von Steph Copeland, weiß man aber spätestens in der zweiten Hälfte, warum so viele der zitierten 1980er Jahre B-Movies vielleicht Kult sind für viele, aber auch ihre Schwächen haben. Trotz der relativ kurzen Laufzeit hat Vicious Fun nämlich auch seine Längen, was in erster Linie daran liegt, dass er auch all die Stereotypen und Fallstricke jener Produktionen bedient.

Credits

OT: „Vicious Fun“
Land: Kanada
Jahr: 2020
Regie: Cody Calahan
Drehbuch: James Villeneuve
Musik: Steph Copeland
Kamera: Jeff Maher
Besetzung: Evan Marsh, Amber Goldfarb, Ari Millen, Julian Richings, Robert Maillet, David Koechner, Alexa Rose Steele

Bilder

Trailer

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Vicious Fun
„Vicious Fun“ ist ein solider, unterhaltsamer Mix aus Horror und Komödie. Auch wenn Cody Calahans Film nicht ganz an „The Oak Room“ heranreicht, so ist es vor allem der Retro-Charme, der „Vicious Fun“ über seine Laufzeit hinweg mehr als einmal rettet.
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