Inhalt / Kritik

Seance

„Seance“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2021 (DVD/Blu-ray)

Die angesehene Fairfield Academy gehört in den Vereinigten Staaten zu einer der besten Schulen für junge Mädchen. Jedoch ist das Image der Institution nach dem Selbstmord einer Schülerin, welchen die Leitung als „Unfall“ bezeichnet, arg angeschlagen. Das stellt auch die neue Schülerin Camille (Suki Waterhouse) fest denn nicht nur wird jedes Gespräch über den Vorfall seitens der Direktorin unterbunden, die anderen Schülerinnen sind alles andere als erfreut darüber, dass so kurz nach der Tragödie ein neues Mädchen den Platz ihrer Freundin besetzten will. Einzig und allein Helina (Ella-Rae Smith), eine Freundin der verstorbenen Schülerin, heißt Camille willkommen und macht diese mit den Cliquen sowie der Hierarchie in der Schule bekannt. Die Feindseligkeit der anderen Mädchen bekommt Camille jedoch schnell zu spüren, als es zu einem Streit zwischen ihr und Alice (Inanna Sarkis) kommt, der bald in einer Schlägerei mündet, welche nur von der Schulleitung aufgelöst werden kann.

Trotz ihres Rufes als Außenseiterin wird Camille jedoch Zugang zur Clique um Alice gewährt, die ihr erklärt, dass die verstorbene Schülerin vor ihrem Selbstmord einer Seance bewohnte. In Fairfield soll nämlich der Geist einer Schülerin umgehen, die vor Jahren ein ähnliches Schicksal ereilt haben soll. Als Camille und Helina dem Vorfall damals auf den Grund gehen wollen, kommt es zu einem weiteren Vorfall, denn eine Schülerin wird auf einmal vermisst. Die Clique beschließt abermals eine Seance durchzuführen, da vor allem Alice meint, der Geist könnte ihnen Antworten geben oder gar selbst für den Mord verantwortlich sein.

Eine neue Aufgabe

Nicht nur für Schauspieler kann es frustrierend sein, immer dieselben Rollen zu spielen, auch die Mitwirkenden hinter der Kamera wünschen sich bisweilen, einmal andere Aufgaben zu übernehmen. So ging es zumindest Drehbuchautor Simon Barrett, der während der Dreharbeiten zu The Guest, sich auf einmal überflüssig vorkam, war seine Aufgabe als Autor doch längst getan, sodass er sich am Set wie ein Zuschauer fühlte, der keinerlei Einfluss mehr hatte. Nach einigen Kurzfilmen, unter anderem der Mitwirkung an dem Episodenfilm S-V/H/S, für den er den Beitrag Tape 49 drehte, legt Barrett nun mit Seance sein Langfilmdebüt vor, welches in Deutschland Ende Oktober 2021 seinen Heimkinostart erfährt und auf dem Sitges Film Festival 2021 in der Kategorie Bester Film nominiert ist.

Ähnlich wie schon in seiner Arbeit als Drehbuchautor vermischt Barrett klassische Themen des Genres, in diesem Falle des Horrorfilms, mit einer modernen Herangehensweise, welche sich bei Seance in erster Linie visuell bemerkbar macht. Wie die Gemeinschaft der Tanzschülerinnen in Suspiria wirken die Schülerinnen der Fairfield Academy, deren Zusammenhalt so stark ist, dass sie gar versuchen, durch Beschwörungsformeln, Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Das übernatürliche Element dient als recht durchschaubarer Verweis auf eine Form der Rebellion gegen das rigide Regime der Schule, welches ihnen die Wahrheit nicht nur verstellt, sondern ihnen diese aus Prestigegründen auch nicht zumuten will. Dementsprechend klaustrophobisch wirken so manche Innenaufnahmen in Seance oder die Sequenzen, welche die Unterrichtsstunden zeigen und andeuten, in welch klassisches Rollenbild die jungen Schülerinnen gesteckt werden sollen.

Das Spiel mit einer höheren Macht

Nicht nur die Darsteller, allen voran die aus Assassination Nation bekannte Suki Waterhouse, geben Seance einen jugendlichen Anstrich, auch Elemente wie die Filmmusik von Tobias Vethake, besser bekannt unter dem Künstlernamen „Sicker Man“, verbinden klassische Aspekte mit der Gegenwart. Durch solche Aspekte betont Barrett, wie langsam aber sicher die Maske der Normalität und der Exklusivität der Schule abfällt und durch die Beschwörung eben jener Geister die sprichwörtlichen Leichen im Keller zum Vorschein kommen. Die Schülerinnen werden damit zu so etwas wie Rebellen stilisiert, auch wenn ihren Charakteren bisweilen das Aufmüpfige und der Humor von Figuren wie jenen aus Assassination Nation fehlt.

Generell werden bei Seance viele Chancen links liegen gelassen, sich aus dem Gros der Genrefilmen hervorzutun, wobei vielen, beispielsweise der Umgang mit Homosexualität und Rebellentum, wie Make-Up wirkt und daher wenig Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Letztlich ist Seance in erster Linie ein Slasher-Film, der mittels solcher Aspekte wie den Beschwörungsformeln ein anderer Anstrich gegeben werden soll, doch der schließlich so gut wie alle Stereotypen dieser Art von Film bedient, angefangen bei den flackernden Lichtern, den schummrigen Räumen und natürlich den Beschwörungen an sich.

Credits

OT: „Seance“
Land: USA, UK
Jahr: 2021
Regie: Simon Barrett
Drehbuch: Simon Barrett
Musik: Sicker Man
Kamera: Karim Hussain
Besetzung: Suki Waterhouse, Madisen Beaty, Ella-Rae Smith, Inanna Sarkis, Seamus Patterson, Marina Stephenson-Kerr

Bilder

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Seance
"Seance" ist ein solider, aber überraschungsarmer Mix aus Horror und Mystery. Auch wenn es an Ideen sowie darstellerischen Impulsen nicht mangelt, fehlt es Simon Barretts Langfilmdebüt am nötigen Etwas, um sich von der Vielzahl an Genreproduktionen abzusetzen.
5von 10
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6.0

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