Inhalt / Kritik

Breisgau - Bullenstall

„Breisgau: Bullenstall“ // Deutschland-Start: 20. Oktober 2021 (ZDF)

Auch wenn die aus Rostock stammende Kommissarin Tanja Wilken (Katharina Nesytowa) bei ihrer neuen Stelle in Freiburg herzlich willkommen geheißen wird, so richtig warm wird sie mit den Leuten dort nicht. So irritiert es sie, dass irgendwie jeder mit jedem verwandt zu sein scheint: Ihr neuer Partner Dennis Danzeisen (Joscha Kiefer) ist der Neffe von Revierleiterin Dorothea Danzeisen (Johanna Gastdorf), auch andere Positionen dort sind mit Familienangehörigen besetzt. Vor allem aber nimmt man es dort mit Regeln und Gesetzen nicht ganz so genau, womit Wilken nichts anfangen kann und was recht schnell zu Diskussionen führt. Dabei muss das Team die eigenen Differenzen möglichst bald überwinden, um den Mord an einer jungen Journalistin aufzuklären …

Viel Verwandtschaft auf engem Raum

Eigentlich sollte man ja meinen, dass bei den zahlreichen TV-Krimis, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen jede Woche gezeigt werden, irgendwann alle Orte Deutschlands abgeklappert wurden. Gerade erst ging es beispielsweise in den fortlaufenden Reihen Erzgebirgskrimi und Nord Nord Mord in die entsprechenden Gegenden, idyllische Aufnahmen hiesiger Naturlandschaften inklusive. Nun soll mit der frisch startenden ZDF-Reihe Breisgau ein weiteres Fleckchen hübsch aufbereitet werden. Schließlich braucht die Zielgruppe der Krimifans Nachschub, gleichzeitig aber auch Abwechslung. Wenn man sich schon jede Woche mehrfach dieselben Geschichten anschaut, dann sollen die wenigstens irgendwie anders aussehen.

Wobei Breisgau: Bullenstall, der Auftakt der neuen Reihe, nur wenig aus dem Setting herausholt. Oder herausholen will. So richtig viel bekommt man von der Gegend nicht zu sehen. Über die lokale Bevölkerung hat das Drehbuch letztendlich auch nur zu sagen, dass irgendwie alle miteinander verwandt sind. Das soll wohl gerade am Anfang irgendwie komisch sein, wenn Wilken auf ein halbes Dutzend Danzeisens trifft. Eine Art Running Gag also. Tatsächlich lustig ist das aber nicht, zumal das Thema auch recht bald fallen gelassen wird. Während anfangs der Eindruck überwiegt, dass der Film mehr Provinzposse als Krimi ist, verlagert sich der Schwerpunkt später auf die klassische Suche nach dem Täter oder die Täterin. Irgendwann ist dann doch mal Schluss mit lustig, selbst wenn das vorher nicht lustig war.

Kein schlüssiges Konzept

Als Konzept ist das ein bisschen dünn, zumal es nicht einmal konsequent beibehalten wird. Man merkt bei Breisgau: Bullenstall schon, dass es der erste Film einer Reihe ist und man deshalb noch auf der Suche nach einer eigenen Identität ist. Da fehlt einfach eine Entscheidung, was das hier genau sein soll. Das zeigt sich auch beim Kriminalfall. Vor dem anfangs angeschnittenen Reizthema Korruption in der Polizei zieht man sich schnell zurück, da fehlte dann doch der Mut. Stattdessen wird eine ziemlich absurde Geschichte erzählt, die nicht wirklich in das Ländchenschema passt. Hätte man an der Stelle Humor gezeigt, vielleicht wäre die Mischung aufgegangen. Doch ausgerechnet dieser Part wird tatsächlich ernst genommen.

Bleiben noch die Figuren, allen voran das neue Duo natürlich, welches auch in Zukunft gemeinsam Fälle lösen soll. Dabei wird eine Mischung aus Anziehung und Konflikt versucht, wenn er eindeutig Interesse an mehr hat – bis sie seinen besten Freund des Mordes verdächtigt. Denn das geht nicht. Prinzipiell kann ein derart ambivalentes und schwieriges Verhältnis spannend sein. Bei Breisgau: Bullenstall stehen die Zeichen aber bereits nach anderthalb Stunden – wie erwartet – derart stark auf Annäherung, dass davon für weitere Teile kaum etwas bleiben wird. Dass diese kommen werden, ist übrigens bereits beschlossene Sache, die Dreharbeiten am zweiten Teil laufen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Verantwortlichen dann eine bessere Idee haben, was sie mit der Reihe erreichen wollen.

Credits

OT: „Breisgau: Bullenstall“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Thomas Jauch
Drehbuch: Heckmann & Vershinin
Musik: Andreas Weidinger
Kamera: Rodja Kükenthal
Besetzung: Katharina Nesytowa, Joscha Kiefer, Johanna Gastdorf, Daniel Friedl, Vita Tepel, Julika Jenkins, Valentin Erb, Rüdiger Klink

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Breisgau: Bullenstall
Eine Rostocker Polizistin tritt eine neue Stelle in Freiburg an und hat dabei so ihre Probleme mit den dortigen Verhältnissen. „Breisgau: Bullenstall“ versucht, Komik rund um fragwürdige Familienzusammengehörigkeit mit einem Krimi zu verbinden. Das Ergebnis ist aber nicht sonderlich überzeugend. Der Film ist weder lustig noch spannend, es fehlt ein wirkliches Konzept.
4von 10
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3.3

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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