Urban Legends: Final Cut Düstere Legenden 2
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Düstere Legenden 2

Inhalt / Kritik

Urban Legends: Final Cut Düstere Legenden 2
„Düstere Legenden 2“ // Deutschland-Start: 4. Januar 2001 (Kino) // 12. März 2020 (DVD/Blu-ray)

Wie jedes Jahr stehen für die Filmstudenten der Alpine Universität die Abschlussprojekte an, die nicht nur über ihren Verbleib an der Hochschule entscheiden, sondern ihnen zudem einen Weg nach Hollywood ebnen könne – vorausgesetzt ihr Projekt kann den prestigeträchtigen Hitchcock Award gewinnen, der bereits vielen aufstrebenden Filmemachern den weg in die Traumfabrik geebnet hat. Für die Studentin Amy Mayfield (Jennifer Morrison), Tochter eines Dokumentarfilmers, ist dies jedoch mehr ein Traum, denn sie hat noch nicht einmal eine Idee für ihr Projekt, während ihre Kommilitonen, wie ihr bester Freund Travis (Matthew Davis), bereits mit den Dreharbeiten begonnen haben. Durch Zufall hört Amy dann von einer Geschichte, die sich vor ein paar Jahren an einer Nachbaruniversität ereignet haben soll: ein Serienkiller soll, inspiriert von „düsteren Legenden“, Studenten auf grausame Weise umgebracht haben. Amy ist hellauf begeistert und bekommt schließlich von ihren Professoren grünes Licht, sodass sie schon bald mit der Produktion und dem Dreh beginnen kann.

Als sich Travis schließlich das Leben nimmt, sitzt der Schock tief bei der Belegschaft wie auch den Studenten der Universität, galt er doch als ein hoffnungsvolles Talent und als sicherer Anwärter auf den Hitchcock Award. Trevor (ebenfalls Matthew Davis), Travis’ Zwillingsbruder, besucht daraufhin Amy und verkündet ihr, er wisse genau, dass sein Bruder niemals Selbstmord begangen hätte. Kurz darauf ereignen sich noch mehr seltsame Ereignisse, denn viele von Amys Crewmitgliedern und Schauspielern werden vermisst. Die Sichtung eines Überwachungsbandes gibt ihr Gewissheit: Es befindet sich ein maskierter Mörder an der Universität, der es aus irgendwelchen Gründen besonders auf ihren Film abgesehen hat und alle daran Beteiligten umbringen will.

Über das Genre hinaus

Hatte das Slashergenre in der zweiten Hälfte der 1990er noch durch Filme wie Scream – Schrei! Oder Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast hast einen zweiten Frühling erlebt, war der schon wenige Jahre danach am Abflauen, sodass sich Regisseure wie Produzenten etwas Neues einfallen lassen mussten, wollten die mit dem Genre weiterhin das Publikum begeistern und Geld machen. So wollte der besonders als Komponist von Filmmusik erfolgreiche Regisseur Scott Ottman für die Fortsetzung des Überraschungshits Düstere Legenden einen anderen Ton, der selbstironischer und unterhaltsamer sein sollte. Mit Düstere Legenden 2 entstand dann eine interessante Fortsetzung, die zwar in Sachen Ironie und Referenzen durchaus punkten kann, aber deutlich weniger spannend ausfällt als der erste Teil.

Das essenzielle Problem vieler Fortsetzungen, gerade im Horrorgenre, ist nicht zuletzt die Berechenbarkeit und die Bekanntheit einer Formel oder bestimmter Informationen. Während die Fortsetzungen zu Scream – Schrei! zumindest die Identität des Killers wechselten sowie die Problematik eines weiteren teil selbstreferentiell thematisierten, konnte Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast dieses Manko nicht überspielen und wurde damit noch belangloser als der ohnehin schon etwas dürftige erste Teil. Das vom späteren Erfolgsregisseur Scott Derrickson (Sinister, Doctor Strange) mitgeschrieben Drehbuch bezieht sich zwar auf die Ereignisse des ersten Teils, versucht sich aber erzählerisch wie auch atmosphärisch von diesem zu emanzipieren. Andererseits bleibt die Geschichte den Verweisen auf die „düsteren Legenden“, jenen modernen Ammenmärchen, meist treu und vermischt diese mit den mittlerweile mehr als geläufigen Mustern des Slashers.

Film im Film

Darüber hinaus ist der Handlungsort nicht bloß Dekor, sondern verweist bereits früh auf das breite Spektrum popkultureller Verweise, welche besonders auf das Kino der 1990er Bezug nehmen. Eine Sequenz wirkt durch ihre Handkameraperspektive wie eine Anspielung auf The Blair Witch Project, während eine andere eine mehr als deutliche auf das Kino eines Quentin Tarantino zu sein scheint. Auch der nun mehr als deutliche schwarze Humor scheint ein Verweis auf die Filme Alfred Hitchcocks zu sein, der selbst in seinen bekanntesten Werken wie Psycho oder Die Vögel es sich nicht nehmen ließ, sarkastisch oder bisweilen zynisch das Geschehen oder die Aktionen einer Figur zu kommentieren. Für Fans solcher Anspielungen mag dies interessant und unterhaltsam sein, bleibt jedoch in der Folge ohne Konsequenz und eben nur ein Verweis.

Wirklich interessant wird Ottmans Film, wenn er die Unterscheidung zwischen der Fiktion eines Filmsets mit der Wirklichkeit der Figuren aufhebt, sodass beispielsweise die Falle des Killers zunächst für einen Teil der Illusion gehalten wird. Die Filmmusik, für die auch Ottman zuständig war, tut ihren Teil dazu bei, dass gerade solche Sequenzen angenehm spannend und gruselig sind, auch wenn diese leider viel zu selten stattfinden.

Credits

OT: „Urban Legends: Final Cut“
Land: Kanada, USA
Jahr: 2000
Regie: John Ottman
Drehbuch: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson
Musik: John Ottman
Kamera: Brian Pearson
Besetzung: Jennifer Morrison, Matthew Davis, Hart Bochner, Joseph Lawrence, Anthony Anderson, Loretta Devine

Bilder

Trailer

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"Düstere Legenden 2" ist eine leidlich gelungene Fortsetzung des ersten Teils von 1998. Überzeugen einige Sequenzen durch ihre Spannungsdramaturgie und ihre Technik, ist die wirre Collage an Anspielungen auf andere (teils bessere) Filme wenig zielführend und leider nicht wirklich originell.
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