Inhalt / Kritik

Düstere Legenden Urban Legend

„Düstere Legenden“ // Deutschland-Start: 4. Februar 1999 (Kino) // 2. August 1999 (DVD)

An der Pendelton Universität ist ein grausiger Mord an der Studentin geschehen. Doch auch wenn sich die Leitung große Mühe gibt, die Gerüchte klein zu halten, machen erste Details  die Runde. Selbst die beiden Freundinnen Natalie (Alicia Witt) und Brenda (Rebecca Gayheart) haben von dem Vorfall gehört, der sie und andere sehr an eine jener düsteren Legenden erinnert. Dabei handelt es sich um eine Art modernes Schauermärchen, in dem eine junge Frau nicht bemerkt, dass sich ein Mörder auf der Rückbank ihres Autos befindet, der sie während der Fahrt umbringt. Während sich vieler ihrer Mitstudenten über die Nähe zu diesen Ammenmärchen lustig machen, sind diese für Professor William Wexler (Robert Englund), welcher ein Seminar zu diesen leitet, und Paul Gardener (Jared Leto), einen Reporter der Universitätszeitung, alles andere als Gerüchte.

Natalie kann weder für die Scherze der anderen Studenten lachen noch Verständnis für Pauls Ego aufbringen, doch der Killer hat sie ganz besonders im Visier, was die junge Frau schon bald erfahren soll, als in ihrer Nähe zwei ihrer Freunde umgebracht werden. Die Tatsache, dass auch diese Morde der Logik von düsteren Legenden folgen, treibt die Gerüchte auf dem Campus nur weiter an, genauso wie die Angst vor dem Killer. Gemeinsam mit Paul will Natalie den Hintergründen der Morde auf die Spur kommen, was die beiden nicht nur zu potenziellen Verdächtigen bringt, sondern auch zu einem blutigen Vorfall, den die Universitätsleitung gerne verschweigt. Allerdings birgt nicht nur die Historie des Campus einige dunkle Schatten, denn auch in Natalies Biografie gibt es ein Geheimnis, welches sie noch niemandem mitgeteilt hat, das aber irgendwie mit den Morden in Verbindung steht.

Moderne Schauermärchen

Als 1996 mit Scream – Schrei! Regisseur Wes Craven nicht nur ein neues, sehr lukratives Kapitel in seiner Karriere begründete, trat er damit auch eine Reihe von Nachahmern los, die sich, der Logik von Cravens Films folgend, von dem Erfolg ein Stück abhaben wollten. Zu dieser neuen Ära des Slasherfilms darf man wohl auch Jamie Blanks’ Düstere Legenden zählen, der sich als erster Film dem Thema der modernen Schauer- oder Ammenmärchen annähert, wobei eine Vielzahl von ihnen sich in der Handlung verstecken, manche weniger offensichtlich als andere. Der Ansatz ist durchaus ein besonders Merkmal dieses Films, der sich ansonsten nicht weiter von der Flut ähnlich erzählter Filme Ende der 90er abhebt und darüber hinaus vor allem an seiner Formelhaftigkeit leidet.

Es ist wohl eine sehr müßige Aufgabe, sich den einzelnen Szenen, wobei nicht nur die Morde gemeint sind, anzunähern, welche in irgendeiner Form eine jener düsteren Legenden aufgreifen. Besonders an dieser durchaus originellen Idee von Drehbuchautor Silvio Horta ist in erster Linie ihre Verbindung von Märchenelementen und unserer modernen Welt, was interessanterweise eben jene Kombination ist, die sich Blanks in seiner Inszenierung zu eigen macht. Vom Kostüm des Killers angefangen bis hin zu vielen Details in einzelnen Szenen lässt sich diese Verbindung verschiedener Ebenen feststellen. In diesem Sinne geht ein Film wie Düstere Legenden vielleicht etwas bewusster mit seinen Vorlagen oder Inspirationen um als beispielsweise Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997) oder andere Slasherfilme zu der Zeit.

Die Logik eines Slasherfilms

Allerdings sind die düsteren Legenden nicht nur Mittel zu Zweck, sondern scheinen noch eine andere Funktion zu haben, wenn es um die Charakter als solche geht. Wie die durch Horrorfilme sozialisierten Teenager in Cravens Film sind die Figuren in Düstere Legenden bis zu einem gewissen Grade desensibilisiert, was sich beispielsweise an den Dialogen bemerken lässt, aber auch an ihrer zeitweiligen Isolation. So ist die von Tara Reid gespielte Sasha vielleicht das beste Beispiel einer Mentalität, die nur auf das eigene Überleben und die Karriere aus ist, und dabei bereit ist, jegliche moralische Grenze zu überschreiten. Auch der von Jared Leto gespielte Reporter wirkt ambivalent in seiner Bereitschaft, Natalie helfen zu wollen, wittert er doch gleichzeitig einen großen Clou für die Schlagzeile der Campuszeitung.

Damit wäre die Logik eines Slasherfilms aber noch lange nicht vollendet. Was in Scream noch eine Art Meta-Ebene erreichte, als man sich über die goldenen Regeln dieser Art Filme lustig machte, ist in den Folgejahren zu einer Art Modell geworden, wie man leider auch an Düstere Legenden sehen kann, der in seine Figuren durch eine Whodunit-Handlung führt, welche über die üblichen Verdächtigen hin zu noch mehr Offenbarungen über die Vergangenheit einer der Charaktere führt. Das ist solide, aber nicht besonders originell und erfährt im Finale noch einmal eine ganz andere Wendung, wenn sich die Enthüllung des Täters und dessen Gebaren einem Cartoon annähert.

Credits

OT: „Urban Legend“
Land: USA
Jahr: 1998
Regie: Jamie Blanks
Drehbuch: Silvio Horta
Musik: Christopher Young
Kamera: James Chressanthis
Besetzung: Alicia Witt, Jared Leto, Rebecca Gayheart, Michael Rosenbaum, Tara Reid, Loretta Devine, Joshua Jackson, Robert Englund

Trailer

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Düstere Legenden
"Düstere Legenden" ist ein solider Slasherfilm. Während die Idee durchaus interessant ist, bleibt die formelhafte Handlung ohne Überraschungen und schleppt sich teilweise über einen Jump Scare in den nächsten.
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