Inhalt / Kritik

I Know What You Did Last Summer Ich weiß was du letzten Sommer getan hast

„I Know What You Did Last Summer“ // Deutschland-Start: 19. März 1998 (Kino) // 19. Juni 2015 (DVD/Blu-ray)

In der kleinen Küstenstadt Southport sind die Feierlichkeiten um den Unabhängigkeitstag herum einer der Höhepunkte in dem ansonsten eher verschlafenen Nest. Für die Highschool-Abgängerin Julie (Jennifer Love Hewitt) ist dieser Tag aber noch mehr, denn es ist das letzte Mal, dass sie und ihre Freunde beisammen sind, bevor sich in ein paar Wochen ihre Wege trennen werden und sie ans College geht. Ihre beste Freundin Helen (Sarah Michelle Gellar) will den alljährlichen Wettbewerb zur Croaker Queen gewinnen, wobei sie ihr Freund Barry (Ryan Phillippe) unterstützt. Zudem erhofft sich Ray (Freddie Prinze jr.) an diesem Abend eine Möglichkeit, Julies Herz zu erobern. Doch dann kommt es zu einer Tragödie: Auf dem Weg zum Strand überfährt Ray einen Mann. Anstatt die Polizei zu verständigen, nehmen die vier Freunde die Leiche mit und versenken sie am Hafen. Sie beschließen, über die Tat Stillschweigen zu bewahren, auch wenn Julie nach wie vor der Meinung ist, sie hätten falsch gehandelt.

Ein Jahr später stehen abermals die Feierlichkeiten in Southport an und Julie kehrt nach Hause zurück. Die Tat hat einen Keil zwischen die Freunde getrieben, sodass sie überrascht ist zu hören, dass sie es als Einzige geschafft hat, Southport hinter sich zu lassen, während ihre Freunde alle Jobs in der Stadt gefunden haben. Jedoch erwartet die junge Frau eine beunruhigende Nachricht, denn es gibt wohl einen Zeugen für die Tat vor einem Jahr. Als Julie zunächst Helen und dann ihre anderen Freunde aufsucht, wird schnell klar, dass es keinesfalls ein Erpressungsversuch ist, sondern jemand wohl Rache an ihnen nehmen will, denn schon nach kurzer Zeit werden die ersten Morde im Umfeld der vier begangen. Gemeinsam wollen die herausfinden, wer hinter den Bluttaten steckt, doch die Zeit ist gegen sie und die Liste der Verdächtigen lang.

Der letzte wahre Slasher

Noch bevor er die Arbeit an seinem Drehbuch zu Scream – Schrei! begann, hatte Autor Kevin Williamson bereits das Skript zu Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast abgeschlossen, konnte es aber erst nach dem großen Erfolg von Wes Cravens Verfilmung zu Scream an eine Produktionsfirma verkaufen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Lois Duncan sowie der urbanen Legende „The Hook“, nach der ein Killer mit einem Haken statt einer Hand auf die Pirsch nach Opfern geht, setzte Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast die Erfolgsserie des Slashergenres fort und bezieht sich in seiner Geschichte mehr als einmal auf Vorbilder des Genres, angefangen bei John Carpenters Halloween (1978) und Fred Waltons When a Stranger Calls (1979)

Während Scream – Schrei! die Mechanismen des Slasherfilms offenlegte, erscheint ein Film wie Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast wie eine Bestätigung eben dieser Struktur. Abgesehen von den unzähligen Referenzen, welche teilweise mehr als offensichtlich in die Dialoge mit eingearbeitet sind, befolgen Williamsons Drehbuch und Jim Gillespies Inszenierung den Aufbau und den Regelkatalog des traditionellen Slashers. Das mag für den ein oder anderen Zuschauer sehr kurzweilig sein, ist aber für die Zuschauer, die mindestens einen Vertreter des Genres gesehen haben, berechenbar und teils unnötig in die Länge gezogen. Positiv ist jedoch anzumerken, dass eben jenes Lokalkolorit der kleinen Küstenstadt sich nicht nur in der Figur des Killers widerspiegelt, sondern auch anderweitig, beispielsweise in der klaustrophobischen Enge, die viele Szenen suggerieren und die zur Spannung beitragen. Besonders positiv ist die Verfolgung des Killers eines seiner Opfer in einem Kaufhaus, die inszenatorisch und dramaturgisch durchaus an bestimmte Ableger des europäischen giallo-Filmes erinnert.

Die Rückkehr der Vergangenheit

Wie in Halloween ist es die Vergangenheit oder, besser gesagt, das Vergrabene und Unterdrückte, welches den Protagonisten zum Verhängnis wird. Die Gestalt des Killers und die mit ihm verbundene Tat steht sinnbildlich für jenen Verlust der jugendlichen Unschuld wie auch für den Keil, der zwischen die einstigen Freunde getrieben wurde. So ist es nicht nur die Furcht vor dem Tod, sondern vielmehr die Angst davor, dass dieses dunkle Geheimnis anderen enthüllt wird, was die vier Freunde antreibt, sich dieser einen Grenzübertretung gegenüberzustellen. Auch wenn das Genre nicht gerade dafür bekannt ist, seinen Darstellern Gelegenheiten zu geben, sich durch ihr Schauspiel hervorzuheben, sind besonders Sarah Michelle Gellar, welche eigentlich für die Titelrolle der Julie James vorgesprochen hatte, und Freddie Prinze jr. zu erwähnen, die beide nicht nur zeigen, wie sie das Ereignis vor einem Jahr geprägt hat, sondern auch sinnbildlich für Menschen stehen, die sich zwar von ihrer Vergangenheit trennen wollen, dies aber nicht können.

Eine Verbeugung vor den filmischen Vorbildern mag zwar thematisch und inszenatorisch löblich sein, hat aber auch seine Schattenseiten. Neben der Vorhersehbarkeit des Plots gibt es viele weitere Gründe, warum sich das Genre weiterentwickelt hat, an die Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast seinen Zuschauer auch immer wieder daran erinnert. Die ermüdende Reihenfolge von jump scares ist ein Aspekt von vielen hierbei, wobei zudem noch Jennifer Love Hewitt als Protagonistin blass bleibt, vor allem da sich ihr Repertoire und ihr Spiel sehr beschränkt zu sein scheinen.

Credits

OT: „I Know What You Did Last Summer“
Land: USA
Jahr: 1997
Regie: Jim Gillespie
Drehbuch: Kevin Williamson
Musik: John Debney
Kamera: Denis Crossan
Besetzung: Jennifer Love Hewitt, Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillippe, Freddie Prinze jr., Bridgette Wilson, Anne Heche, Johnny Galecki, Muse Watson, Stuart Greer

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Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast
"Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" ist ein kurzweiliger Horrorfilm, der sich seiner Vorbilder wohl bewusst ist und sich mehrfach auf diese bezieht. Trotz der berechenbaren Struktur sowie einiger darstellerischer Schwächen ist Jim Gillespies Film ein dennoch ganz unterhaltsamer Beitrag zum Genre, der wohl gerade für Horror-Nostalgiker interessant ist.
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