Alexander Fehling ist ein deutscher Schauspieler, bekannt sowohl durch seine zahlreichen Auftritte am Theater sowie in Film und Fernsehen. Nach seinem Abschluss der Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, spielte er beispielsweise in Peter Steins Inszenierung von Friedrich Schillers Wallenstein die Rolle des Max Piccolomini oder unlängst in Eines langen Tages Reise in die Nacht unter der Regie von Andrea Breth am Wiener Burgtheater.

Gleich für seine erste Kinorolle in Robert Thalheims Am Ende kommen Touristen erhielt er 2007 den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie Schauspiel. Für seine Darstellungen als der junge Johann Wolfgang von Goethe in Philipp Stölzls Goethe! sowie für seine Rolle als Andreas Baader in Andres Veiels Wer wenn nicht wir, erhielt er den Deutschen Regiepreis Metropolis. Während seiner Karriere hat er unter anderem in Filmen von Robert Schwentke (Der Hauptmann, 2017), Hans-Christian Schmid (Sturm, 2009), Giulio Ricciarelli (Im Labyrinth des Schweigens, 2014) und Quentin Tarantino (Inglourious Basterds, 2009) mitgespielt.

In Philipp Leinemanns Das Ende der Wahrheit spielt er die Rolle des Patrick Lemke, eines Mitarbeiters des BND, der sich vor allem mit dem Thema Terrorismusbekämpfung befasst. Für seine Rolle wurde er mit dem Deutschen Filmpreis in der Kategorie Beste männliche Nebenrolle ausgezeichnet. Anlässlich der TV-Ausstrahlung des Politthrillers am 16. August 2021 um 20.15 Uhr im ZDF unterhalten wir uns mit Alexander Fehling über die Rolle, den Unterschied zwischen Theater- und Filmschauspiel sowie die Zusammenarbeit mit Regisseur Philipp Leinemann.

Was hat dich an der Figur des Patrick Lemke interessiert?

Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich schon so eine Phantasie zu dieser Rolle. Und der bin ich dann einfach gefolgt. Dabei habe ich diese Figur erstmal gar nicht verstanden, also warum er bestimmte Dinge sagt und macht. Er schien mir ein sehr einsamer Mensch zu sein, der zwar klare Ansichten verkündet, aber feststellen muss, dass er sich gar nicht so sicher sein kann und darf. Ich hatte auch das Gefühl, dass mir Philipp Leinemann viel Freiraum geben würde, meinen eigenen Fragen zu folgen.

Mich hat neben dem Spiel besonders das Kostüm beeindruckt, weil es so ein starker Kontrast ist zu der Figur, die Ronald Zehrfeld im Film spielt. Wie war es in dieses Kostüm zu schlüpfen? Inwiefern hast du dies mitgestaltet?

Ich glaube, Philipp hatte sich die Figur am Anfang ganz anders vorgestellt, (lacht) auch Anna Wübber, die Kostümbildnerin. Sie hat auf meine Impulse aber wunderbar offen reagiert und dann meine Vorstellungen überhaupt erst möglich gemacht. Man darf nicht denken, dass es eine fertige Vorstellung von der Figur gegeben hätte, die ich praktisch nur noch zu erfüllen hatte. Das wäre auch furchtbar langweilig.

Patrick Lemke erscheint einem selbst sehr fremd, doch diesen Typen kennen wir ja, beispielsweise von Presskonferenzen in der Politik oder der Wirtschaft. Welche Einsichten bekommt man als Darsteller, wenn man so jemanden spielt?

Wenn ich eine Rolle spielt, folgt das nicht nur irgendeiner Logik. Es geht dabei nicht um meine Einsichten, sondern wenn dann um meine Fragen an die Figur oder den Stoff. Das Spiel ist auch eine irrationale Angelegenheit, bei der im besten Fall ein so lebendiges Element hinzukommt, dass Kategorien irrelevant werden. Während meiner Vorbereitung geht es eher um eine Rückkehr zum Ursprung.  Der Ort an dem das jeweilige Handeln entsteht. Und der besteht eben meist zu großem Teil auch aus seelischen, psychologischen Beweggründen.

Wie aktuell ist ein Film wie Das Ende der Wahrheit?

Das kann ich nicht sagen. Ich bin kein Experte. Bei der Premiere des Films auf dem Max-Ophüls-Festival war Außenminister Heiko Maas anwesend. Er hat Philipp attestiert, in seiner Darstellung dieser Welt ziemlich akkurat zu sein.

Wie war die Zusammenarbeit mit Philipp Leinemann als Regisseur?

Ich stieß relativ spät zu dem Projekt dazu. Aber Philipp kannte sich in dem Stoff hervorragend aus und hat mir einen guten Einblick geben können, mir vieles erklärt, was für mich wichtig war, zu wissen. Und dazu kam eben dieses Vertrauen, was mir diesen großen Freiraum gegeben hat, viele Entscheidungen für die Figur, selbst zu treffen. Wie zum Beispiel das Äußere, worüber wir grad sprachen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Darstellern wie Antje Traue, Ronald Zehrfeld und Axel Prahl?

Mit Antje stand ich ja schon für Der Fall Barschel vor der Kamera und mit Ronald für Wir wollten aufs Meer. Deshalb haben wir da miteinander nicht ganz vorn vorn angefangen. Es hat mir auf jeden Fall sehr viel Freude bereitet, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Worin besteht für dich der Unterschied zwischen einer Rolle, die du am Theater spielst und einer für einen Film? Deine Kollegin Lilith Stangenberg beschrieb einmal, dass vor der Kamera zu stehen so sei, als sei man nackt.

Na ja, irgendwie nackt sollte man ja schon sein, egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera. Aber vielleicht ist die Art der Nacktheit eine andere.

Ich finde das schwer zu vergleichen, da der Raum, in dem man spielt, ein ganz anderer ist. Idealerweise betrete ich als Schauspieler über die Rolle deren Welt, doch die Regeln dieser Welt unterscheiden sich zwischen Theater und Kamera. Auf der Bühne ist das, was du spielst, auch das, was der Zuschauer sieht. Im Film verändert sich der Spielraum immer wieder. Erst ist es das Set, dann ist es die Leinwand oder der eckige Kasten und schließlich irgendwann das Auge der ZuschauerInnen. Das ist insofern interessant, weil eben alle diese Räume gefüllt sein müssen.

Gibt es aktuelle Projekte, zu denen du uns was sagen kannst und darfst?

Im Frühjahr habe ich mit Hanna Doose gearbeitet, für ihren zweiten Film Wann kommst Du meine Wunden küssen? Derzeit spiele ich in einer freien Theaterproduktion in der „Wabe“ in Berlin. Und im Herbst werde ich unter der Regie von Robert Schwentke in seinem Film über Seneca spielen. John Malkovich spielt Seneca.

Vielen Dank für das tolle Gespräch.



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