Jolt
© Amazon Studios/Leonine

Inhalt / Kritik

Jolt
„Jolt“ // Deutschland-Start: 23. Juli 2021 (DVD/Blu-ray) // 3. Dezember 2021 (DVD/Blu-ray)

Von klein auf hatte Lindy (Kate Beckinsale) mit einem gewissen Aggressionsproblem zu kämpfen. Schon die banalsten Anlässe versetzen sie in Rage und lassen sie zu einem unbändigen  Berserker werden, der alles kurz und klein schlägt und auch vor Menschen nicht Halt macht. Doch so langsam scheint sich ihr Leben in eine bessere Richtung zu bewegen. Da wäre zum einen ihr Therapeut Dr. Ivan Munchin (Stanley Tucci), der ihr zeigt, wie sie mit Elektroschocks ihre Wut unter Kontrolle bringen kann. Vor allem aber Justin (Jai Courtney) könnte ihr echt gut tun: Er ist freundlich, fürsorglich, scheint sich wirklich für sie zu interessieren. Kurz vor dem dritten Date ereilt sie aber eine Hiobsbotschaft, denn der Buchhalter wurde brutal ermordet. Für Lindy, die große Hoffnung auf eine Beziehung mit Justin setzte, steht fest, dass der Mörder für seine Tat büßen muss – umso mehr, da Vicars (Bobby Cannavale) und Nevins (Laverne Cox) von der Polizei nicht unbedingt hilfreich sind …

Die Rache als Allzweckwaffe

An Rachethrillern mangelt es bekanntlich nicht. Gefühlt kommt jede Woche mindestens ein neuer Titel heraus, bei dem irgendein Mann, der im Kämpfen und Töten erfahren ist, ein begangenes Unrecht nur damit aus der Welt schaffen kann, indem er Hunderte anderer massakriert. Ganz aktuell macht in Cash Truck Jason Statham Jagd auf Räuber. Viele andere, teils durchaus prominente Kollegen, haben es ebenfalls schon getan. Auffallend ist dabei, dass die ursprünglich rein männliche Domäne inzwischen zunehmend von Frauen besetzt wird. Ob nun The Rhythm Section – Zeit der Rache, The Nightingale – Schrei nach Rache oder Peppermint – Angel of Vengeance, sie alle erzählen davon, wie das vermeintlich schwache Geschlecht die Gerechtigkeit in die eigenen Hände nimmt, da ihnen sonst niemand dabei hilft.

Um innerhalb dieses stark umkämpften Segments noch irgendwie punkten zu können, braucht es daher schon irgendein Alleinstellungsmerkmal. Etwas, das dabei hilft, in der Flut ähnlicher Titel nicht ganz unterzugehen. Bei Jolt ist es zum einen der Humor. Wo sich die obigen Kollegen und Kolleginnen alle sehr ernst nahmen, da wird in dem Amazon Prime Video Film stark mit Witzen gearbeitet. Im Gegensatz zu vielen anderen Rachewerken weiß man hier zu jeder Zeit, dass das alles völlig überzogen ist und eher wenig mit der Realität da draußen zu tun hat. Das machen einem allein schon die diversen Gewaltfantasien der Protagonistin deutlich. Wann immer sie über jemanden wütend ist – und das kommt in den anderthalb Stunden sehr oft vor –, stellt sie sich vor, wie sie diesen jemand auf möglichst brutale Weise umbringt.

Viel Tempo, wenig Abwechslung

Wobei die „echten“ Gewaltszenen nicht zurückhaltender sind. Regisseurin Tanya Wexler schien hier schon eine Menge Spaß dabei zu haben, mal so richtig die Sau rauszulassen. Das ist alles so überdreht und überzeichnet, dass man sich fragt, wo denn der dazugehörige Comic geblieben ist. Hinzu kommt, dass selbst die regulären Figuren eher wie Karikaturen wirken. Ob es nun versnobte Gangster sind oder die von Laverne Cox gespielte Polizistin, die besessen Lindy hinterherjagt: Bei Jolt ist Zurückhaltung ein Fremdwort. Ruhe ebenfalls. Hat man die Protagonistin erst einmal auf den (Selbst-)Zerstörungstrip gelassen, wird kaum mal der Fuß vom Gaspedal genommen. Bis zum explosiven Finale geschieht eigentlich dauernd etwas.

Bei der Abwechslung sieht es hingegen eher mau aus. Gerade die Überzeichnung lässt nur wenig Raum für Entfaltung. Die Lieblingsszenen von Wexler werden mit nur minimalen Variationen wiederholt und wiederholt. Das hat dann schon alles einen gewissen Unterhaltungswert, zumal Kate Beckinsale (Contraband) engagiert zur Sache geht. Auf Dauer ist das aber zu wenig. Jolt ist eine zwar im Grundsatz reizvolle Alternative zu den üblichen Rachefilmen. Sollte das aber Teil eines Franchises werden, wie zum Ende des Films angedeutet wird, dann braucht es da schon ein paar Ideen mehr. Die Gimmicks des Szenarios reichen kaum, um die mangelnde Geschichte auszugleichen. Mehr als einmal muss man das auch sicher nicht gesehen haben – wenn überhaupt.

Credits

OT: „Jolt“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Tanya Wexler
Drehbuch: Scott Wascha
Musik: Dominic Lewis
Kamera: Jules O’Loughlin
Besetzung: Kate Beckinsale, Bobby Cannavale, Laverne Cox, Jai Courtney, Stanley Tucci, Ori Pfeffer, David Bradley, Susan Sarandon

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Wenn in „Jolt“ eine Frau mit Aggressionsproblemen die Mörder ihres Fast-Freundes jagt, dann ist das aufgrund des Humors und der Überzeichnung prinzipiell eine reizvolle Alternative zu den üblichen Rachethrillern. Auf Dauer fehlen dann aber doch die Ideen, weswegen trotz einer engagiert auftretenden Kate Beckinsale und eines hohen Tempos der Film auf der Stelle tritt.
5
von 10