Kritik

Contraband

„Contraband“ // Deutschland-Start: 15. März 2012 (Kino) // 19. Juli 2012 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich hatte sich Chris Farraday (Mark Wahlberg) ja von seiner kriminellen Vergangenheit als Schmuggler losgesagt, um mit seiner Frau Kate (Kate Beckinsale) ein solides, ruhiges Leben zu führen. Doch dieser Plan findet ein vorzeitiges Ende, als Kates Bruder Andy (Caleb Landry Jones) einen Drogencoup vermasselt und der Gangsterboss Tim Briggs (Giovanni Ribisi) daraufhin droht, die komplette Familie kaltzumachen. Und so bleibt Chris nichts anderes übrig, als doch noch mal zu seiner früheren Tätigkeit zurückzukehren. Gemeinsam mit seinem Partner und besten Freund Sebastian Abney (Ben Foster) arbeitet er deswegen daran, mit dem Schmuggel von Falschgeld die Schulden abzuzahlen, während sich daheim gleichzeitig die Situation immer mehr zuspitzt …

Leute, die ihre kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen wollen, sind praktisch immer zum Scheitern verurteilt. Zumindest wenn es um Filme geht. Logisch, welche Geschichte wollte man auch erzählen, wenn das alles funktionieren würde? Und auch die Sache mit dem einen allerletzten Coup, nach dem ganz bestimmt und heilig versprochen nie wieder auch nur ein Gesetz gebrochen wird, ist dazu verdammt richtig schiefzugehen, um Spannung zu erzeugen. Tatsächlich spannend ist das dann oft nicht, eben weil Chaos, das nach bestimmten Regeln verläuft, kein wirkliches Chaos mehr ist.

Was geschieht hier gerade?
Wobei, eines muss man Contraband lassen: Der Film schafft es, trotz der im Groben sehr vorhersehbaren Handlung einen immer wieder zu überraschen. Das ist aber nicht zwangsläufig etwas Positives, es gibt ja auch böse Überraschungen. Das betrifft einerseits die Figuren, bei denen wirklich alles schief geht, was auch nur schief gehen kann – und darüber hinaus noch ein ganzes Stück mehr. Aber auch als Zuschauer muss man nicht über alles glücklich sein, was hier im Laufe der rund 110 Minuten so passiert. Dafür passiert auch schlicht zu viel, der Actionthriller ist dermaßen vollgestopft mit Wendungen und plötzlich auftauchenden Elementen, dass einem schon ein wenig der Kopf schwirren kann.

Dass das Ganze nicht sonderlich plausibel ist, dürfte Baltasar Kormákur nicht übermäßig stören. Er kennt das ja schon. Tatsächlich spielte er 2008 in dem isländischen Film Reykjavik-Rotterdam die Hauptrolle, der bei ihm daheim ein großes Ereignis war. Im Hollywood-Remake verzichtete er dann zwar darauf, als Schmuggler wider Willen durch die Welt zu turnen, übernahm dafür aber die Regie. Das hat er zuvor schon bei mehreren anderen Filmen getan, später inszenierte er in seiner neuen Wahlheimat unter anderem 2 Guns und Everest, die jeweils respektable Einspielergebnisse vorweisen konnten. Und auch Contraband war erfolgreich, spielte knapp das Vierfache seines Budgets wieder ein.

Viel Action, wenig Zusammenhang
Zumindest ein actionliebendes Publikum kann hier auch durchaus auf seine Kosten kommen, der Film gönnt sich und seinen Zuschauern und Zuschauerinnen nur wenig Ruhe. Ständig rennen Chris und seine Bande durch die Gegend, müssen spontan neue Pläne schmieden, nachdem mal wieder was den Bach runtergegangen ist. Und zwischendurch gibt es auch Gewalt oder zumindest die Androhung derselben. Dieser Wechsel aus Heist- und Actionszenen wird jedoch schnell irritierend, nicht zuletzt weil das Ergebnis alles andere als aus einem Guss ist. Während die Versuche, Falschgeld, Drogen oder andere Wertgegenstände wahlweise zu besorgen oder zu entsorgen derart absurd sind, dass man meint, versehentlich eine Komödie angeschaltet zu haben, soll es in den anderen Szenen besonders hart und brutal zugehen.

Nun müssen Brutalität und Humor sich nicht gegenseitig widersprechen. Takashi Miike bewies das kürzlich in First Love, auch in Skandinavien kennt man diese Kombination – siehe Einer nach dem anderen. Doch dort fand man ein Konzept, um beides zusammenzuführen. Im Vergleich dazu bleibt Contraband reines Stückwerk, das einfach nur wahllos Szenen aneinanderreiht, so sehr mit dem Moment beschäftigt ist, dass das große Ganze fehlt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Figuren nicht wirklich etwas hergeben. Wahlberg mimt mal wieder den kumpelhaften Schläger, der Rest ergibt sich Klischees, Kate Beckinsale wird dazu verdammt, die Damsel in Distress zu spielen und damit brav die Männerfantasien daheim zu erfüllen. Mehr Fundament wird ihr nicht zugestanden. Darüber kann man sich ärgern oder es auch langweilig finden, gleiches gilt für die umständliche Geschichte. Wem das alles egal ist und sich einfach nur den Kopf freipusten lassen will, bekommt zu dem Zweck jedoch jede Menge geboten.

Credits

OT: „Contraband“
Land: UK, USA
Jahr: 2012
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Aaron Guzikowski
Musik: Clinton Shorter
Kamera: Barry Ackroyd
Besetzung: Mark Wahlberg, Kate Beckinsale, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Caleb Landry Jones, Lukas Haas, J. K. Simmons, Diego Luna

Bilder

Trailer

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Contraband
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Contraband
In „Contraband“ spielt Mark Wahlberg einen Ex-Schmuggler, der seinem Schwager zuliebe doch noch mal einen Coup angeht – mit katastrophalen Folgen. Der Actionthriller setzt dabei hauptsächlich auf hohes Tempo, reiht eine übertriebene bis unsinnige Szene aneinander, ohne sich für die Figuren oder die Geschichte zu interessieren. Den Kopf sollte man deswegen besser völlig ausschalten können, um hier seinen Spaß zu haben.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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