Inhalt / Kritik

Cash Truck Wrath of Man

„Cash Truck“ // Deutschland-Start: 29. Juli 2021 (Kino) // 11. November 2021 (DVD/Blu-ray)

Als sich Patrick Hill (Jason Statham) bei der Geldtransportfirma Fortico Security bewirbt, wird ihm gleich zu Beginn klar gemacht, dass der Job nicht ohne ist. Jede Woche ist das Unternehmen für den Transport von Hunderten Millionen Dollar verantwortlich, was naturgemäß regelmäßige Überfälle zur Folge hat. Tatsächlich dauert es auch nicht lange, bis Hill, der von allen nur „H“ genannt wird, in einen dieser Überfälle verwickelt wird. Zur großen Überraschung aller stellt sich der Neue, der bei den Trainings immer nur mäßig abgeschnitten hat, als echtes Kampftalent heraus. Auch später wird er quasi im Alleingang Verbrecher zur Strecke bringen und damit firmenintern zum Helden aufsteigen. Doch diese verborgenen Talente sind nicht das einzige Geheimnis von H, der aus einem ganz bestimmten Grund bei Fortico angeheuert hat …

Zurück am Schauplatz des Verbrechens

Guy Ritchie ist zurück! Eine Zeit lang sah es ja so aus, als wüsste der englische Regisseur nicht so recht, was er mit seiner Karriere noch anfangen soll. Zumindest fand sich keine einheitliche Linie mehr in seinem Schaffen, sieht man einmal vom Drang zum Blockbusterkino an. Das konnte mal sehr erfolgreich sein wie im Fall von Aladdin. Oder auch weniger, besonders die Fantasy-Neuinterpretation King Arthur: Legend of the Sword wurde zu einem großen Verlustgeschäft. Doch dann kehrte der Filmemacher mit The Gentlemen wieder zu seinen Wurzeln zurück und präsentierte eine gute gelaunte, temporeiche und vor allem wendungsreiche Gangstergroteske. Das war durchaus ertragreich, da sich Ritchie – trotz absurd prominenten Ensembles – von den exorbitanten Budgets der vorangegangenen Filme verabschiedete.

Mit Cash Truck setzt er diese Richtung fort, zum Teil zumindest. Dem Themengebiet Verbrechen, mit dem er einst bekannt geworden war, hält er auf jeden Fall die Treue. Zwar sind in dem Remake des französischen Thrillers Cash Truck – Der Tod fährt mit die Helden die Fahrer und sonstigen Angestellten eines Geldtransportunternehmens, die sich gegen brutale Räuber zur Weht setzen. Die Einteilung in Gut und Böse funktioniert dennoch nicht so ganz. Von Anfang an herrscht innerhalb des Unternehmens ein derart rauer Ton, dass man den Eindruck haben könnte, sich in der Tür geirrt und bei den Gangstern gelandet zu sein. Später verwischen die Grenzen ohnehin, wenn gar nicht mehr so richtig klar ist, wer denn da eigentlich gegen wen kämpft – und warum.

Ein Rückblick in vier Kapiteln

Das liegt auch daran, dass Ritchie wie zuletzt in The Gentlemen wieder einen sehr verschachtelten Erzählstil pflegt. Die Geschichte selbst ist dabei zwar sehr geradlinig. Worauf es hinausläuft, deutet der englische Originaltitel Wrath of Man auch schon an – da geht es mal wieder um jemanden, der seiner inneren Wut Ausdruck verleihen will. Doch erst nach und nach enthüllt Cash Truck, was es mit dieser Wut auf sich hat, wer H eigentlich ist und was seine wahren Gründe sind, bei dem Transportunternehmen einzusteigen. Genauer ist der Film in vier größere Kapitel eingeteilt, welche zusammengesetzt die Hauptgeschichte ergeben. Mehrere Handlungsstränge, die im Nachhinein aufgedröselt und in einem großen Finale wieder zusammengesetzt werden.

Dass dieses recht bleihaltig ausfällt, versteht sich von selbst. Ritchie war noch nie zurückhaltend, wenn es darum ging, seine Figuren aufeinander zu hetzen. Aber selbst für seine Verhältnisse ist es recht absurd, was er da abzieht und der Showdown einfach kein Ende nehmen will. Dafür ist Cash Truck in anderer Hinsicht überraschend sparsam: Der Film verzichtet weitestgehend auf den Humor, für den der Brite bekannt ist. Dann und wann gibt es zwar mal knackige Sprüche, die sich die betont knallharten Typen um die Ohren hauen. Dennoch ist auffallend, wie ernst sich der Actionthriller nimmt. Der Witz, der in den früheren Werken des Regisseurs noch sehr ausgeprägt war und als Kontrast zum blutigen Geschehen diente, fehlt hier.

Actionreiche One-Man-Show

Das könnte Fans enttäuschen, zumal sich die knapp zwei Stunden, die der Film dauert, schon etwas ziehen. Dafür gibt es für ein Publikum, das einfach mal wieder knallharte Action sehen will, einiges an Stoff. Es gibt auch einen höheren Bodycount, selbst wenn man sich hierfür ein wenig gedulden muss. Gerade zu Beginn lässt sich Ritchie recht viel Zeit, um die Welt des Geldtransports sowie die darin arbeitenden Figuren vorzustellen. Danach erhöht er aber konstant die Intensität und Brutalität, ohne jedoch das in dem Genre übliche Maß aus den Augen zu verlieren. Insgesamt hinterlässt Cash Truck damit zwar weniger Eindruck als zuvor The Gentlemen, das auch einfach aufgrund der schillernden Charaktere stärker herausstach. Hier gibt es allenfalls den von Scott Eastwood verkörperten Jan, ein Räuber mit offensichtlichen psychologischen Defiziten, der als Gegengewicht funktionieren könnte. Aber auch er muss sich mit einem Nebenplatz zufriedengeben: Die Bühne gehört eindeutig Jason Statham, der den Kampf trotz zahlreicher Figuren zu einer One-Man-Show macht.

Credits

OT: „Wrath of Man“
Land: USA, UK
Jahr: 2021
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie, Ivan Atkinson, Marn Davies
Musik: Chris Benstead
Kamera: Alan Stewart
Besetzung: Jason Statham, Holt McCallany, Josh Hartnett, Jeffrey Donovan, Scott Eastwood, Andy García, DeObia Oparei, Laz Alonso, Raúl Castillo, Chris Reilly, Eddie Marsan

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Cash Truck
In „Cash Truck“ heuert ein Mann bei einem Geldtransportunternehmen an und verfolgt dabei ein ganz eigenes Ziel. Die Geschichte selbst ist zwar recht simpel, aber durch die verschachtelte Erzählstruktur in Kapiteln darf man dennoch eine Weile darauf warten, worum es eigentlich geht. Der Actionthriller ist dabei durchaus unterhaltsam, wenn auch ein bisschen lang, zumal Guy Ritchie dieses Mal völlig auf den für ihn typischen Humor verzichtet
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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