Inhalt / Kritik

They Want Me Dead Those Who Wish Me Dead

„They Want Me Dead“ // Deutschland-Start: 3. Juni 2021 (Sky/Video on Demand) // 17. Juni 2021 (Kino) // 19. August 2021 (DVD/Blu-ray)

Seitdem bei einem ihrer Einsätze drei Menschen ums Leben gekommen sind, ist die Survival-Expertin und Feuerwehrfrau Hannah Faber (Angelina Jolie) nicht mehr dieselbe, macht sie sich doch große Vorwürfe, dass sie die drei nicht hat retten können. Währenddessen hat der forensische Buchhalter Owen Casserly (Jake Weber) ein anderes Problem: Bei seiner Arbeit ist er Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen. Nachdem der ermittelnde Staatsanwalt bei einer Gasexplosion ums Leben gekommen ist, ist er überzeugt, selbst in Gefahr zu sein. Und so schnappt er sich seinen Sohn Connor (Finn Little), um gemeinsam mit ihm zu fliehen. Seine Hoffnung ist, dass der Sheriff Ethan (Jon Bernthal) und seine Frau Allison (Medina Senghore) ihm irgendwie helfen zu können, der einzige, dem er vertraut. Tatsächlich sind den beiden aber längst die Killer Patrick (Nicholas Hoult) und Jack (Aidan Gillen) auf den Fersen …

Ein Meister düsterer Ambivalenz

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Taylor Sheridan zu einem der gefragtesten Drehbuchautoren Hollywoods. Mit dem Drogenthriller Sicario und dem Neo-Western Hell or High Water machte er sich auf Anhieb einen Namen. Die Krönung war schließlich der von ihm selbst inszenierte Wind River, der von einem Mord in einem Indianerreservat erzählte. Die Settings waren dabei ziemlich unterschiedlich, auch bei der Stimmung waren die drei Werke anders. Gemeinsam war dem Trio aber,  dass Sheridan mit komplexen Figuren und moralischen Ambivalenzen arbeitete. Es waren schon sehr düstere und abgründige Geschichten, die der US-Amerikaner da zu erzählen hatte.

Entsprechend groß waren die Erwartungen an sein neuestes Werk They Want Me Dead, mit dem er wieder dem Thrillergenre einen Besuch abstattet. Umso mehr, da er dieses Mal ein richtiges Starensemble versammeln konnte. Und doch unterscheidet sich der Film stark von den obigen Titeln. So stark, dass man ohne das Vorwissen wohl kaum auf die Idee kommen würde, es handele sich um einen Film von Sheridan. Das hat jedoch nur zum Teil mit dem Regisseur und Co-Autor zu tun. Vielmehr stellt sich heraus, dass die Vorlage Die mir den Tod wünschen von Michael Koryta vielleicht einfach nicht so recht zu dem Filmemacher passen wollte. Denn so richtig schlau wird man aus dem Ganzen hier nicht.

Bei der Geschichte fehlt doch was?

Richtig explosiv geht die Geschichte los, gleich in mehrfacher Hinsicht. Während der eine Handlungsstrang rund um Hannah von den traumatischen Erinnerungen an einen ehemaligen Brand geprägt sind, beginnt der Strang um den flüchtenden Vater ebenfalls mit einem Feuer. Der Verdacht liegt da eigentlich nahe, dass They Want Me Dead diese Dopplung irgendwie aufnimmt. Passiert aber nicht. Stattdessen wird anderweitig und recht umständlich dafür gesorgt, dass die zwei voneinander unabhängigen Geschichten zu einer einzigen werden. Denn nichts verbindet mehr als ein gemeinsamer Feind. Selbst wenn man gar nicht so genau sagen kann, wer dieser Feind ist. Da treiben zwar die beiden Killer ihr Unwesen. Aber die stehen nur stellvertretend für irgendeine größere Sache mit ganzen vielen Hintermännern, die der Film aber gar nicht erst aufzählen mag.

Dass der Film nie so wirklich sagt, was genau Owen da eigentlich aufgedeckt hat, ist schon irgendwie unbefriedigend. Mit Details hatte man es in They Want Me Dead aber ohnehin nicht so. Inhaltlich sollte man an den Thriller deshalb möglichst wenige Erwartungen haben. Ein bisschen Verschwörungstheorie hier, dort völlig überzogene Killer, die schon etwas Humoristisches an sich haben. Zusammengemischt wird das noch mit tragischen Vorgeschichten, bei denen man sich endgültig fragt: War das jetzt gerade euer Ernst? Sheridan selbst scheint sich da nie ganz sicher zu sein, weshalb sein Film seltsam unschlüssig erscheint zwischen düsterem Thriller und Krachbumm-Unterhaltung.

Überzogen zaghaft

Das ist natürlich schon eine Verschwendung von Talent, sowohl vor wie hinter der Kamera. Inhaltlich ist das hier selbst mit Wohlwollen nur B-Movie-Niveau. Das bedeutet aber nicht, dass man hiermit nicht auch seinen Spaß haben kann. Wenn sich beispielsweise gerade die Frauen hier als deutlich wehrhafter erweisen, als es die beiden Killer auf dem Plan hatten, dann ist das schon ein kleines Guilty Pleasure. Überhaupt sind die Momente unterhaltsamer, wenn Sheridan sich einfach gehen lässt und die unsinnigsten Actionszenen mitmacht. Es wäre nur schöner gewesen, wenn er dabei konsequenter vorgegangen wäre, anstatt irgendwo auf halbem Weg Halt zu machen. So ist They Want Me Dead ein zwar solider Thriller, der die Erwartungen aber nicht ansatzweise erfüllt, die man an ihn haben durfte.

Credits

OT: „Those Who Wish Me Dead“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Taylor Sheridan, Michael Koryta, Charles Leavitt
Vorlage: Michael Koryta
Musik: Brian Tyler
Kamera: Ben Richardson
Besetzung: Angelina Jolie, Finn Little, Jon Bernthal, Nicholas Hoult, Aidan Gillen, Medina Senghore, Jake Weber

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4.5/5 - (12 votes)
They Want Me Dead
„They Want Me Dead“ erzählt von einer traumatisierten Feuerwehrfrau und einem Mann, der auf der Flucht vor Killern ist. Der Thriller tut sich schwer damit, die zwei Stränge sinnvoll miteinander zu verbinden oder überhaupt irgendwie sinnvoll zu sein. Teilweise ist das so überzogen, dass es Spaß macht. Inhaltlich hat die Romanadaption aber nichts zu bieten.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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