Inhalt / Kritik

Unbroken 2021

„Unbroken“ // Deutschland-Start: 23. Februar 2021 (ZDFneo)

Lange dauert es nicht mehr, dann steht bei Alexandra Enders (Aylin Tezel) der Nachwuchs an, auch wenn die hochschwangere Kommissarin nach wie vor nicht weiß, ob sie wirklich Mutter sein möchte. Doch dann kommt alles anders. In ihrem eigenen Auto wird sie von einem Unbekannten betäubt und entführt. Erst Tage später kommt sie in einem Wald wieder zu sich. Was in der Zwischenzeit geschehen ist, weiß sie nicht, Alex hat komplett ihr Gedächtnis verloren. Schlimmer noch ist aber, dass auch ihr Kind fort ist. Zwar setzt ihr Chef Paul Nowak (Özgür Karadeniz), ein alter Freund ihres an Alzheimer erkrankten Vaters (André Jung), alles in Bewegung, um den Täter zu finden. Aber es fehlt jede Spur. Und so beginnt Alex, auf eigene Faust zu ermitteln, entfremdet sich dabei immer mehr von ihrem Mann Leif (Sebastian Zimmler) und beginnt, allem und jedem zu misstrauen …

Eine Polizistin wie keine andere

Auch wenn es in den letzten Jahren üblich geworden ist, in Krimis und Thrillern keine einseitigen Heldenverehrungen mehr zu veranstalten, Polizisten und Detektive durchaus Abgründe haben dürfen, Unbroken geht da schon noch ein Stückchen weiter. Sie wollte eigentlich nicht schwanger werden, verrät Alex gleich zu Beginn der Serie. Und so wirklich Lust auf das Kind hat sie noch immer nicht. Damit wird von Anfang an klar: Traditionelle Rollenbilder sollte man hier nicht erwarten. Wir haben es hier mit einer starken Frau zu tun, die einen eigenen Kopf auf den Schultern trägt – und manchmal mit diesem durch die Wand will. Wobei sie auch sonst recht tatkräftig ist, die gelegentlichen Ausflüge in das Kampfsportstudio ihres Ex-Freundes Jakob (David Owe) machen deutlich, es hier mit einer Powerfrau zu tun zu haben.

Tatsächlich ist die Figur der Alex auch eines der besten Argumente, sich Unbroken einmal anzuschauen. Anders als es in dem Genre üblich ist, ist sie nicht allein die Ermittlerin in der Geschichte und muss die Wahrheit anderer aufdecken. Vielmehr ist sie Ermittlerin und Opfer in einem. Dass dies quasi automatisch zu Interessenskonflikten führt und sie gar nicht objektiv an dem Fall arbeiten kann, versteht sich von selbst. Die Drehbuchautoren Marc O. Seng (Freaks – Du bist eine von uns) und Andreas Linke nutzen das auch gezielt aus, um einen höchst subjektiven Krimi vorzubereiten. Was auch immer geschieht, wir sehen es durch die Perspektive der Protagonistin. Es fehlen sowohl ihr wie auch dem Publikum dadurch die notwendige Distanz. Gleichermaßen gibt es keinen Wissensvorsprung von Zuschauer und Zuschauerin, wie es manchmal in so einem Fall üblich ist. Wir bekommen stattdessen dieselben Bruchstücke wie sie und müssen damit fertig werden.

Ein schrecklicher Verdacht

Es ist nicht einmal so, dass mit dem Fund besagter Bruchstücke sonderlich viel Klarheit entstehen würde. Im Gegenteil: Unbroken verwendet Elemente des immer wieder beliebten Paranoia- bzw. Verschwörungsthrillers, wenn eben nicht nur ein paar Auserwählte verdächtig sind, sondern irgendwie grundsätzlich alle in der Sache drinstecken – oder eben nicht. Das ist dann ein Fest für ein Publikum, das selbst gerne rätselt. Hier wird man geradezu dazu aufgefordert, die unglaublichsten Theorien aufzustellen, an wirklich allem zu zweifeln, die Protagonistin eingeschlossen. Denn wenn nichts tatsächlich plausibel ist, dann ist prinzipiell auch alles möglich.

Umgekehrt darf man deshalb keine besonders hohen Erwartungen an die Glaubwürdigkeit haben. Unbroken hat mit regulärer Polizeiarbeit allenfalls noch den Namen gemeinsam. Während die Motivationen noch einigermaßen plausibel sind, ist die Geschichte selbst wahnsinnig konstruiert. Immerhin: Diese Wahnsinn wurde gut vorbereitet. Wer aufmerksam zuschaut, der findet in der Serie zahlreiche Hinweise, was tatsächlich geschehen ist. Anders als so mancher Krimi, der die Lösung urplötzlich aus dem Zylinder zieht, da wird hier durchaus fair gespielt. Umso bemerkenswerter ist, wie spannend die von Andreas Senn (Der Kommissar und die Wut) inszenierte Serie ist. Wie sie immer so viel gerade anbietet, dass man dran bleiben und auch den Rest herausfinden will.

Gut gespielt und spannend

Hinzu kommt, dass die Figuren gut geschrieben sind. Eindeutige Sympathieträger sind zwar rar. Doch das ist nicht zwangsläufig ein Nachteil. Vielmehr darf hier praktisch jeder irgendwelche Macken und Traumata mit sich herumtragen, dürfen Mängel in der Kommunikationsfähigkeit beweisen, sich zurückgewiesen fühlen oder anderweitig von der jeweiligen Situation überfordert sein. Da diese Wracks und Schurken überzeugend gespielt sind – vor allem Aylin Tezel (7500) tritt stark auf –, ist Unbroken ein Tipp für diejenigen, die mal wieder einen wendungsreichen Thriller mit Dramaelementen sehen wollen. Denn auch wenn da schon einiges überzogen ist, der Kern ist menschlich genug, dass sich das hier verkraften lässt.

Credits

OT: „Unbroken“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Andreas Senn
Drehbuch: Marc O. Seng, Andreas Linke
Musik: Florian Tessloff
Kamera: Leah Striker
Besetzung: Aylin Tezel, Sebastian Zimmler, Özgür Karadeniz, Sascha Nathan, Karl Schaper, André Jung, David Owe, Leslie Malton, Aleksandar Tesla

Bilder

Interview

Aylin Tezel Interview UnbrokenWas waren die größten Herausforderungen bei ihre Rolle? Und was macht den Reiz von Paranoiathrillern aus? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarstellerin Aylin Tezel in unserem Interview zu Unbroken gestellt.

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Unbroken (2021)
In „Unbroken“ wird eine hochschwangere Kommissarin entführt und später ohne Erinnerungen und ohne Kind wiedergefunden. Glaubwürdig ist die Geschichte sicher nicht, da ist schon einiges überzogen. Dafür ist der Thriller mit Dramaelementen spannend und gut gespielt. Wer gerne rätselt, der hat bei den vielen Wendungen und einer geschickt subjektiven Sichtweise, die einem an allem zweifeln lässt, mehr als genug zu tun.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

2 Responses

  1. Gabi Jung

    Ich stimme Herrn Armknecht weitestgehend zu, muss aber weitere kritische Anmerkungen machen:
    1. Auch wenn Aylin Tezel schauspielerisches Talent beweist – sprachliches hat sie keineswegs. Was für ein Genuschel mit fast immer zugekniffenem Mund! Teilweise habe ich rein gar nichts verstanden.
    2. Die Auslösung des Falls ist für mich an den Haaren herbeigezogen, speziell die Rolle des dementen Vaters.
    3. Warum besetzt man eine im Film 53-jährige Frau mit einer 63-jährigen Schauspielerin, die wie fast 70 aussieht?
    4. Der Titel „Ungebrochen“ wäre zumindest ebenso passend wie das englische Pendant. Muss man krampfhaft „modisch“ sein?

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  2. René Hillen

    Es fällt mir schwer, für diese Serie nicht Worte wie: völliger Schwachsinn und überzogener Quatsch zu gebrauchen. Alle haben gearbeitet und waren sehr bemüht aber, aufgrund dieser Serie werde ich den Rest meines Lebens um deutsche Serien einen sehr weiten Bogen machen. Denn ich fand das einfach nur schlecht. Schauspielern könne alle irgendwie, aber die überdramatisierte Darstellung der Charaktere ist einfach kaum auszuhalten. Zumindest für mich, meine Meinung.

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