Kritik

Harry Potter

„Harry Potter und der Feuerkelch“ // Deutschland-Start: 17. November 2005 (Kino) // 6. September 2018 (DVD/Blu-ray)

Das vierte Jahr hat für den mittlerweile 14-jährigen Harry Potter (Daniel Radcliffe) und seine Freunde Ron Weasley (Rupert Grint) und Hermine Granger (Emma Watson) an der Hogwarts Zauberschule begonnen. Und auch dieses Jahr startet schwierig, wird Harry doch von seltsamen Albträumen verfolgt, die sich um den bösen Lord Voldemort drehen. Während er noch darüber nachgrübelt, was diese bedeuten könnten, muss er sich bereits der nächsten schwierigen Aufgabe stellen. Denn dieses Jahr ist Hogwarts an der Reihe, ein spezielles Turnier zwischen mehreren Zauberschulen zu veranstalten. Eigentlich hatten an diesem Fleur Delacour (Clémence Poésy), Viktor Krum (Stanislav Ianevski) und Cedric Diggory (Robert Pattinson) teilnehmen sollen, als Vertretung der drei Schulen. Doch dann erscheint auch Harrys Name auf mysteriöse Weise auf der Teilnehmerliste – und das obwohl er gar teilnehmen dürfte, da das Turnier aufgrund seiner Gefährlichkeit nur für Schüler und Schülerinnen ab 17 freigegeben ist …

Viele bekannte Gesichter, noch mehr unbekannte

Nach dem dritten Teil Harry Potter und der Gefangene von Askaban hieß es erneut anderthalb Jahre warten, bis mit Harry Potter und der Feuerkelch der Nachfolger erschien. Dafür durften sich die Fans nicht nur auf ein Wiedersehen mit einem Großteil der liebgewonnenen Figuren freuen. Es gab auch noch massig neue. Neben den üblichen Wechseln bei dem Personal der Schule – wovon besonders der von Brendan Gleeson verkörperte Alastor „Mad-Eye“ Moody hervorsticht, der neue Verteidiger gegen die bösen Künste – sind zahlreiche Gäste zu begrüßen. Manche gehören zur Gegenseite, unterstützen den mal wieder bestimmenden Voldemort, andere sind Teil von Ministerien. Es gibt neue Schüler und Schülerinnen in Hogwarts. Vor allem aber die beiden Schulen, welche angereist sind, um am Wettbewerb teilzunehmen, brachten jede Menge unbekannter Gesichter mit sich.

Schon die ersten drei Teile hatten immer mal wieder damit zu kämpfen, die umfangreichen Vorlagen von Autorin J. K. Rowling in Filmform zu pressen. Beim Auftakt Harry Potter und der Stein der Weisen beispielsweise war das Finale so gehetzt, dass kaum Zeit für Spannung blieb. Vor allem aber die vielen Figuren, die an der Schule so herumwuseln, erhielten nicht den Raum, sich auch mal entfalten zu können. In Harry Potter und der Feuerkelch ist dies noch einmal durch die Gäste verstärkt. Über Mitbewerberin Fleur Delacour erfährt man nichts, Krum wird darauf reduziert, der beste Quidditch-Spieler und etwas dämlich zu sein. Selbst Cedric, immerhin Schüler in Hogwarts, ist einfach nur da. Vom Umfeld ganz zu schweigen. Figuren wie Rubeus Hagrid (Robbie Coltrane) oder Draco Malfoy (Tom Felton), die von Anfang an dabei waren, dürfen nur noch zuschauen.

Aber auch bei der Geschichte musste es des Öfteren wirklich sehr schnell gehen. Der eigentliche Wettbewerb etwa, immerhin das zentrale Handlungselement, wird kaum gezeigt. „Schuld“ daran ist die Schreibwut von Rowling. Während Harry Potter und der Feuerkelch nicht kürzer ist als die Vorgänger, wurden die literarischen Vorlagen immer länger – und damit die Probleme größer, den Stoff zu verfilmen. Hinzu kommt, dass die Gefühlswelt des Haupttrios noch einmal erweitert wurde. Aus den Kindern sind inzwischen Jugendliche geworden, die sich mit Hormonen und romantischen Gefühlen herumzuplagen haben. Diese Szenen sind für sich genommen gelungen, verleihen dem Film noch eine andere Form von Tragik. Sie tragen aber mit dazu bei, dass das vierte Abenteuer trotz diverser Vereinfachungen bei der Adaption überfrachtet ist.

Trotz Schwächen sehenswert

Sehenswert ist es natürlich trotzdem. Regisseur Mike Newell, sonst eigentlich eher für romantische Filme wie Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder Deine Juliet bekannt, gelingt es trotz der Laufzeit von zweieinhalb Stunden Längen zu vermeiden und den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten. Auch die Mischung aus dramatischen, humorvollen und düsteren Momenten ist geglückt. Bei Letzteren gibt es dieses Mal zwar nichts, was wirklich dem Auftritt der Dementoren beim letzten Mal gleichkommen würde. Aber auch hier gibt es Wesen und Szenen, die nicht unbedingt für ein junges Publikum geeignet sind. Vor allem die diversen Aufgaben, welche das junge Quartett zu erfüllen hat, dürften für manche Albträume verantwortlich gewesen sein. Visuell ist das wieder auf hohem Niveau, wenngleich der Vorgänger doch noch schönere Bilder zu bieten hatte.

Am Ensemble gibt es nichts zu meckern. Das Trio verbessert sich weiter von Film zu Film, was wichtig ist für die komplexer werdenden Gefühle. Bei den älteren Kollegen und Kolleginnen setzte man ohnehin von Anfang an auf die britische Crème de la Crème der Schauspielkunst. Das gilt auch für die Neuzugänge. Brendan Gleeson (The Village – Das Dorf) gefällt beispielsweise als polternd-unheimlicher Lehrer, Miranda Richardson (Sleepy Hollow) in der Rolle der Klatschreporterin Rita Skeeter. Trotz der gelegentlichen inhaltlichen Schwächen, welche mal Rowling, mal der Adaption geschuldet sind, bleibt so jede Menge übrig, für die es sich auch ein viertes Mal einzuschalten lohnt, wenn Harry gegen mächtige Feinde antritt.

Credits

OT: „Harry Potter and the Goblet of Fire“
Land: UK, USA
Jahr: 2005
Regie: Mike Newell
Drehbuch: Steve Kloves
Vorlage: J. K. Rowling
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Roger Pratt
Besetzung: Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Robbie Coltrane, Michael Gambon, Alan Rickman, Maggie Smith, Brendan Gleeson, Robert Pattinson, Clémence Poésy, Stanislav Ianevski, Miranda Richardson, Igor Karkaroff, Frances de la Tour

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2006 Bestes Szenenbild Stuart Craig, Stephenie McMillan Nominierung
BAFTA Awards 2006 Bestes Szenenbild Stuart Craig Sieg
Beste Spezialeffekte Jim Mitchell, John Richardson, Tim Webber, Tim Alexander Nominierung
Bestes Make-up/Haare Nick Dudman, Amanda Knight, Eithne Fennel Nominierung

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Harry Potter und der Feuerkelch
„Harry Potter und der Feuerkelch“ ist eine insgesamt gelungene Adaption des Romans, hält eine Balance aus Spannung, Gefühl und Humor, wenn der Nachwuchszauberer dieses Mal an einem gefährlichen Turnier teilnehmen muss. Allerdings sind die Probleme offensichtlich, die umfangreiche Vorlage in Filmform zu pressen. Da wird wieder von Szene zu Szene gehetzt, die inzwischen unzähligen Figuren bekommen größtenteils nicht genügend Zeit.
7von 10

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