Deine Juliet

„Deine Juliet“ Release // Kino: 9. August 2018

Es ist ein eigenartiger Brief, den die Autorin Juliet Ashton (Lily James) da eines Tages erhält. Dawsey Adams (Michiel Huisman) hat ihn geschrieben, im Auftrag eines Buchclubs, der im Zweiten Weltkrieg auf der Ärmelkanal-Insel Guernsey gegründet wurde, und bittet sie darin um ein bestimmtes Buch. Juliet willigt ein, fasziniert von der Geschichte und den einfühlsamen Briefen. So fasziniert, dass sie selbst auf die Insel reist, um Dawsey und die anderen Mitglieder des Clubs kennenzulernen. Während Isola (Katherine Parkinson) und Eben (Tom Courtenay) sehr erfreut auf diese Begegnung reagieren, ist Amelia (Penelope Wilton) deutlich distanzierter. Und das aus gutem Grund, wie Juliet bald feststellt.

Drei Fragen sind es, die den Hauptteil der Geschichte einleiten. Drei Fragen zu dem wunderlichen Buchclub, die Dawsey beantworten möge als Ausgleich für das von Juliet geschenkte Buch. Aber auch als Unbeteiligter dürfte angesichts des Titels die eine oder andere Frage auf den Gesichtern auftauchen, zumindest in Bezug auf das englische Original. The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, das ist nicht nur ein ziemlicher Zungenbrecher, sondern auch ein wenig erklärungsbedürftig – und damit ideal, um die Neugierde des Publikums zu wecken.

Anfang gut, alles gut?
Im Deutschen wurde daraus ein schlichtes Deine Juliet. Das ist schade, im Vergleich zum englischen Original ist die bewährte Briefschlussformel deutlich profaner. Langweiliger. Andererseits ist genau das ziemlich passend für einen Film, der profan und langweilig ist. Der von großen Gefühlen erzählen will, selbst aber nichts zu erzählen hat. Der sich in Tragik bettet, durch Abgründe schleichen will auf der Suche nach Antworten und einem Happy End, dabei aber nur durch seichte Pfützen trampelt, ohne den Unterschied zu erkennen.

Am spannendsten ist bei Deine Juliet tatsächlich noch der Einstieg, wenn aus einer verlegenen Notlüge eine Gemeinschaft erwächst. Die Weisheit der Literaturklassiker zum verbindenden Element einer kleinen Gruppe wird, die einen Ausgleich sucht zu dem bedrückenden Alltag auf der von den Deutschen besetzten Insel. Das ist charmant, wärmt das Herz, profitiert auch von der atmosphärischen historischen Kulisse, wenngleich diese oft ein bisschen zu idyllisch und zurechtgemacht ist. Quasi die Postkartenvariante von Schlamm und Dreck, bei der die Finger mit Schmutz bemalt werden, anstatt in diesen zu greifen.

Keine Angst, der Weg ist sicher
Das eigentliche Problem ist aber der Inhalt. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows gefällt sich in Andeutungen und Rätselspielen. Wispert über düstere Geheimnisse, die – sollten sie jemals ans Tageslicht gelangen – das Ende der Welt bedeuten können. Mindestens. Dabei ist die Auflösung aber ebenso simpel wie der deutsche Titel, ebenso einfallslos, dazu noch völlig vorhersehbar. Zwei Stunden dauert Deine Juliet, was schon sehr lange ist, nur um dann doch den von Genrekonventionen diktierten Platz wieder herauszukommen. Überraschungen? Das ist ein Luxus auf einer Insel, auf der sie mangels Alternativen Aufläufe aus Kartoffelschalen zubereiten.

Zumal Regisseur Mike Newell (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Große Erwartungen) auch so gar keine Scham dabei kennt, wenn er ein kitschbedürftiges Publikum bis zum Erbrechen überfüttert. Vor allem auf den letzten Metern dürfte sich in das herzhafte Seufzen des Rosamunde-Pilcher-Klientels, das sich mehr für schöne Landschaften und schöne Darsteller interessiert als für Geschichten, das eine oder andere verärgerte Schnaufen mischen. Oder auch Bedauern, dass so talentierte Schauspieler wie Lily James (Die dunkelste Stunde) oder Matthew Goode (Stoker – Die Unschuld endet) für eine glattgebügelte Romanze verschwendet werden, die sich im Glanz großer Werke von Virginia Woolf und der Brontë-Schwestern sonnt, ohne etwas dafür tun zu wollen. Dass die obligatorische Annäherung von Juliet und Dawsey ziemlich zurückhaltend erfolgt, ist nur auf den ersten Blick eine Tugend, macht sie das überhastete Ende umso schwieriger zu schlucken. Schwieriger noch als Eben berüchtigter Auflauf, der noch das interessanteste Element in einem völlig uninteressanten Film darstellt,

Deine Juliet
3.96 (79.26%) 27 Artikel bewerten

Deine Juliet
Der englische Originaltitel ist skurril, der Anfang vielversprechend, die Besetzung talentiert. Umso tragischer ist es, was bei „Deine Juliet“ daraus wird. Die Geschichte um einen von Geheimnissen umwitterten Buchclub und eine sich anbahnende Romanze ist zu lang, zu einfallslos, am Ende auch zu kitschig, wirft mit großen literarischen Namen um sich, hat dabei selbst aber kaum etwas zu erzählen.
4von 10

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