Kritik

Sleepy Hollow

„Sleepy Hollow“ // Deutschland-Start: 24. Februar 2000 (Kino) // 2. Oktober 2008 (DVD)

Im Jahre 1799 befinden sich viele Teile der Welt im Umbruch durch das Zeitalter der Aufklärer, jedoch ist von deren Errungenschaften im Alltag wenig zu spüren. Ichabod Crane (Johnny Depp), Police Constable in New York City, haben seine Überzeugungen sowie seine Ermittlungsmethoden, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Indizien beruhen, schon das ein oder andere Mal mit seinen Vorgesetzten in Konflikt gebracht. Nach einem weiteren solchen Disput wird Crane auf die Probe gestellt und soll eine Reihe von Morden in dem Städtchen Sleepy Hollow klären, wobei die Opfer geköpft wurden. Nach einer langen Reise lässt Crane keine Zeit verstreichen und macht sich sogleich an die Arbeit, den Fall aufzuklären. Die Oberen des Dorfes, allen voran der reiche Landherr Baltus van Tassel (Michael Gambon), erzählen ihm von dem wahren Täter hinter den Bluttaten: dem kopflosen Reiter, einst ein deutscher Söldner im Unabhängigkeitskrieg, der die Bewohner terrorisiert. Was für Crane anfänglich nichts weiter als Humbug ist, wird schon bald zur schrecklichen Wahrheit, als der Ermittler tatsächlich dem fürchterlichen Reiter gegenübersteht und zusehen muss, wie dieser sein blutiges Werk verrichtet. Jedoch zwingt sich Crane den Verstand zu bewahren und macht sich mithilfe eines jungen Dieners sowie Katrina Anne van Tassel (Christina Ricci) auf die Suche nach demjenigen, der den Reiter in das Reich der Lebenden zurückgeholt hat, wobei er einer Verschwörung auf die Schliche kommt, welche die Familien des Dorfes in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Tradition und Moderne
Jeder, der sich zumindest oberflächlich mit den Themen und vor allem der Ästhetik eines Regisseurs wie Tim Burton befasst hat, wird in Sleepy Hollow viele bekannte Muster erkennen. Generell verschreibt sich Burton unabhängig vom Genre gerne dem Abstrakt-Verspielten oder dem Traumhaften, was immer wieder an Werke des europäischen Horrors erinnert. Alleine das Aussehen Sleepy Hollows, meist mit sehr düsteren Farbtönen inszeniert, zeigt gewisse Parallelen zum Film der Weimarer Zeit, beispielsweise Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens oder aber den stilprägenden Werken der Produktionsschmiede Hammer Productions.

Gerade bei der Vielzahl seiner Werke, bei denen Burton immer wieder einen ähnlichen Stil benutzt, ist man oft geneigt dieser Inszenierung einen gewissen Selbstzweck zu unterstellen. Das bisweilen nervig-überdrehte Spiel eines Johnny Depp, der sich ganz dem expressiven Spiel jener Ära verschreibt, welche die Bilder evozieren sollen, also beispielsweise an Darsteller wie Conrad Veidt erinnert, hat nicht wenig dazu beigetragen, dass sich dieser Eindruck verfestigt hat.

Mag dieser Vorwurf für einige der Filme Burtons gelten, so ist er im Falle von Sleepy Hollow allerdings unangebracht, ist die Optik doch nicht nur der europäischen Tradition des Genres verpflichtet, sondern verhandelt auch eben jenen Übergang von Tradition hin zur Moderne. Das Düstere und Fantastische des Szenenbildes deutet auf ein Umfeld hin geprägt von starren Denkmustern, Konservativismus und Aberglaube, welches mit der Zeit seine eigenen Monster und Dämonen produziert hat. Diese kehren wieder in der Form einer Gestalt wie dem Reiter aber auch in den dunklen Abgründen der Menschen, vor allem jener mit Einfluss und Macht, deren Regeln die Gesellschaft in jene aufteilen, die alles haben und die anderen, die um jeden Penny kämpfen müssen.

Sehen und Glauben
Das Fantastische in den Filmen Burtons ist eng verknüpft vor allem mit den Frauengestalten und in keinem seiner Filme wird dies so deutlich wie in Sleepy Hollow. Innerhalb der rigiden Hierarchie der Gesellschaft gehören jene Andersdenkenden wie Crane aber auch Frauen generell zu jenen, die immer am Rande stehen oder gänzlich ausgeschlossen sind. Wissen und Bücher sind verboten und Urheber irreführender Gedanken, erklärt Katrina an einer Stelle Ichabod die Verbotsliste ihres Vaters. So ist nicht nur das Wissen, sondern vor allem die Fantasie, das damit verbundene Grenzenlose und Freie, die eigentlichen Widersacher dieser Welt.

In einer Schlüsselszene erklärt Crane Katrina das Prinzip der Optik mithilfe einer simplen optischen Täuschung, einem Geschenk, welches in ihm schmerzliche Erinnerungen an seine Mutter weckt. „Sehen ist glauben“, sagt der Ermittler zu ihr in etwas schulmeisterlichem Ton, was für ihn zum Credo für sein Bestehen auf Fakten und Indizien gilt. Doch in den Augen der von Ricci mit kindlicher Unschuld gespielten Katrina weist dies auf jenes Reich der Vorstellung hin, welches sie in ihren Büchern und der weißen Magie findet. Neben der thematischen Aspekte unterstreicht auch diese Szene wieder die Schönheit des magisch-geheimnisvollen Soundtracks komponiert von Burtons Leib- und Magenkomponist Danny Elfman.

Credits

OT: „Sleepy Hollow“
Land: USA
Jahr: 1999
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
Musik: Danny Elfman
Kamera: Emmanuel Lubezki
Besetzung: Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Casper Van Dien

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Sleepy Hollow
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Sleepy Hollow
„Sleepy Hollow“ ist ein fantasievoller Film über die Macht der Vorstellungskraft sowie den Kampf zwischen Tradition und Erneuerung. Im Zentrum des toll ausgestatteten Films steht vor allem Danny Elfmans Musik und das vor allem in den Nebenrollen sehr überzeugende Ensemble. Dies ist ein Klassiker innerhalb der Filmografie Burtons, bevor dieser angefangen hat, sich selbst zu imitieren.
7von 10

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