Kritik

The Beach House

„The Beach House – Am Strand hört dich niemand schreien!“ // Deutschland-Start: 22. Oktober 2020 (Kino)

Eigentlich hatte das junge Paar Emily (Liana Liberato) und Randall (Noah Le Gros) gehofft, die kriselnde Beziehung wieder in Ordnung zu bringen. Ein kurzer Urlaub in dem Strandhaus von Randalls Vater sollte den beiden helfen, wieder eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln. Doch es kommt anders. Zu ihrer großen Überraschung stellen sie fest, dass ein anderes Paar zeitgleich dort bleiben will, Jane (Maryann Nagel) und Mitch (Jake Weber), alte Freunde von Randalls Vater. Was tun? Da das Haus groß genug ist, beschließen die vier, es erst einmal zu teilen. Tatsächlich gestaltet sich der erste Abend auch harmonisch, man unterhält sich über vieles, kommt trotz des Altersunterschiedes gut miteinander klar. Aber noch am selben Abend machen sie eigenartige Beobachtungen in ihrer Umgebung …

Abgelegene Häuser, so schön sie auch sein mögen, bedeuten irgendwie immer Gefahr. Zumindest das Horrorgenre nutzt gern die Möglichkeit, bezaubernde Idyllen in Albträume zu verwandeln, aus denen die Protagonisten und Protagonistinnen kaum noch entkommen mögen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich der Haunted House Horror, wie derzeit in Spuk in Bly Manor zu sehen ist. Auch Home Invasion ist bei einem solchen Setting immer naheliegend, wie es beispielsweise Funny Games vorgemacht hat. Je weiter entfernt du von der Zivilisation bist, umso größer ist das Risiko, dass du auf einmal ganz allein einer bösen Macht gegenüberstehst, sei sie nun menschlich oder übernatürlich.

Eine trügerische Idylle
The Beach House geht da durchaus in die Richtung. Auch hier wird es um ein Ausgeliefertsein gehen, wie der deutsche Untertitel Am Strand hört dich niemand schreien! etwas reißerisch ankündigt. Doch das Ergebnis ist nicht ganz so, wie man es erwarten würde. Zunächst lässt sich Regisseur und Drehbuchautor Jeffrey A. Brown bei seinem Spielfilmdebüt recht viel Zeit. Er etabliert die beiden Paare, vor allem das Junge, schafft in der Vorbereitungsphase ein Band der Gemeinschaft, das immer auch brüchig bleibt. Eine Konstellation, von der anzunehmen ist, dass sie ein Jahr später nicht mehr zusammenkommen kann – und das bevor der eigentliche Schrecken geschieht, der mit seltsamen Lichtern und einem dichten Nebel seinen Anfang nimmt.

Letzterer hat natürlich diverse Vorbilder, seien es The Fog – Nebel des Grauens oder Der Nebel. Aber auch andere Querverbindungen zu Genrekollegen lassen sich leicht ziehen. Manche werden sich hier beispielsweise an Die Farbe aus dem All erinnert fühlen. So greift The Beach House ebenfalls auf Elemente à la Lovecraft zurück, eine Mischung aus kosmischem Horror und einem körperlichen. Und er ist bunt. Später verdunkeln sich die Bilder zwar zunehmend. Doch gerade zu Beginn der Tortur ist der Film überraschend farbenfroh und hell, dabei verfremdet. Eine der unheimlichsten Szenen zeigt eben nicht, wie das Paar durch die Nacht stolpert, fürchtend, was auch immer in den Schatten wartet. Stattdessen befinden wir uns am menschenleeren Strand, der zusammen mit dem Blau des Himmels und des Meeres so übertrieben makellos ist, dass man genau weiß, dass da etwas nicht stimmt.

Etwas zu viel gewollt
Der Versuch, diesen Horror mit einer Art ökologischen Aussage zu verbinden, wird sicher nicht jedem gefallen. Es wirkt auch etwas aufgesetzt und inkonsequent, wenn Natur gleichzeitig etwas Gutes und Schlechtes sein soll und Emily etwas ungelenk die Wissenschaftlerin-Erklärbärin gibt. Das hätte alles doch noch ein bisschen harmonischer miteinander verknüpft werden dürfen. Inhaltlich sollte man sich deshalb von The Beach House nicht ganz so viel erwarten. Die eingangs stärker betonte zwischenmenschliche Komponente und die Generationenfrage spielen letztendlich irgendwie keine echte Rolle.

Dafür zeigt der Film in Hinblick auf die Atmosphäre teilweise seine Klasse. Gerade das besagte Spiel mit den Farben und die surreale Anmutung tragen dazu bei, dass Browns Debüt trotz der offensichtlichen Anleihen eigene Akzente setzt. Dafür braucht es nicht einmal große Effekte, hektische Action oder Jump Scares. Außerdem ist es schon eine Leistung, Horror am helllichten Tag zu zeigen und das Publikum inmitten der Ruhe unruhig herumrutschen zu lassen. Trotz der angesprochenen inhaltlichen Schwächen ist The Beach House daher eine durchaus sehenswerte Indie-Produktion mit einem schönen Mysteryfaktor, die auf weitere Werke des Filmemachers hoffen lässt.

Credits

OT: „The Beach House“
Land: USA
Jahr: 2019
Regie: Jeffrey A. Brown
Drehbuch: Jeffrey A. Brown
Musik: Roly Porter
Kamera: Owen Levelle
Besetzung: Liana Liberato, Noah Le Gros, Maryann Nagel, Jake Weber

Bilder

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The Beach House
4 (80%) 24 Artikel bewerten

The Beach House
In „The Beach House“ will ein junges Paar in einem abgelegenen Strandhaus zu sich finden, trifft aber erst auf ein älteres Paar, bevor es seltsame bis erschreckende Beobachtungen in der Umgebung macht. Inhaltlich hat der ökologisch ausgerichtete Horrorfilm zwar so seine Schwächen, zeigt aber, dass auch mit geringen Mitteln und am helllichten Tag eine schön surreale bis albtraumhafte Atmosphäre erzeugt werden kann.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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