Kritik

Out of Play The Way Back Der Weg zurück

„Out of Play – Der Weg zurück“ // Deutschland-Start: 23. Juli 2020 (Kino)

Als junger Mann war Jack Cunningham (Ben Affleck) eine große Hoffnung, auf dem Basketball-Feld konnte ihm so leicht niemand etwas vormachen. Doch das ist lang her. Inzwischen arbeitet er auf dem Bau und verdrängt seine Sorgen mit Alkohol. Seine Ehe ist bereits gescheitert, auch vom Rest seiner Familie entfremdet er sich zunehmend. Da erhält er das Angebot, an seiner alten High School selbst das Basketball-Team zu trainieren. Zunächst ist er skeptisch, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist, lässt sich dann aber doch darauf ein. Tatsächlich ist er überraschend erfolgreich, schafft es, aus dem Haufen ein echtes Team zu machen und seine inneren Dämonen zurückzudrängen …

Schon beim letzten Film The Accountant haben Regisseur Gavin O’Connor und Ben Affleck zusammengearbeitet, damals verkörperte der Hollywood-Start ein autistisches Mathegenie mit Kampferfahrung, das für die Unterwelt arbeitet. Bei ihrem neuen Werk Out of Play – Der Weg zurück geht es da schon etwas bodenständiger und alltäglicher zu. Aus dem einstigen Supermann ist ein Wrack geworden, das nur dank eines enormen Alkoholkonsums noch in die Gänge kommt. Gerade zu Beginn zeigt der Film, wie Bier und Co. zu einem ständigen Begleiter geworden sind, wenn andauernd zum Glas oder der Flasche gegriffen wird – aus einem reinen Automatismus heraus.

Der Kampf um Normalität
Zunächst meint man dann auch, Out of Play – Der Weg zurück sei einer dieser Filme, in denen Menschen, die ganz am Boden sind, sich wieder aufrappeln und durch die eine oder andere Weise wieder zu sich finden. Auslöser können andere Leute sein, eine neue Liebe steht da weit oben auf der Liste. Eventuell ist es auch ein einschneidendes Erlebnis, welches dazu führt, sich doch mal wieder in den Griff bekommen zu wollen. Hier ist es stattdessen der Sport, verbunden mit der Möglichkeit, jungen Spielern die Chance auf ein Leben zu geben, welches er selbst hätte haben können, wenn nicht alles komplett anders gelaufen wäre. Was ihn damals veranlasst hat, alles hinzuwerfen, das ist zu dem Zeitpunkt nicht klar, wird wie andere Hintergründe auch erst nach und nach verraten.

Ungewöhnlich ist, wie Out of Play – Der Weg zurück dabei im Grunde zwei Geschichten miteinander verknüpft. Die eine betrifft Jack und dessen Versuch, wieder ein normales Leben führen zu können, ein Charakterdrama also. Das andere ist der im Sportumfeld immer wieder beliebte Kampf der Underdogs, die aller Wahrscheinlichkeit trotzen und über die Favoriten triumphieren. Beides tut gut, ist wie gemacht für ein bisschen aufbauendes Wohlfühlkino, das suggeriert: Du kannst alles schaffen, wenn du dich nur richtig reinhaust! Der schöne alte Amerikanische Traum, der in wirtschaftlicher Hinsicht inzwischen völlig überholt ist, auf der persönlichen Ebene aber noch genug Anziehungskraft ausübt.

Die üblichen Probleme
Tatsächlich neue Erkenntnisse sollte man sich hiervon nicht erhoffen. Drehbuchautor Brad Ingelsby (Auge um Auge) versucht nicht einmal, sich von den üblichen Konventionen zu lösen. Sieht man einmal von der Vorgeschichte Jacks ab, die anfangs noch viele Fragezeichen hervorruft, weiß man hier ziemlich genau, was einen im Laufe des Films so erwartet. Es fehlt auch der Mut zu einer wirklichen Hässlichkeit, welche eine solche Sucht mit sich bringen kann. Out of Play – Der Weg zurück zeigt zwar, wie schwer es Jack fällt, die Kontrolle und innere Ruhe zu finden. O’Connor scheut sich jedoch davor zurück, dem Publikum zu viel zumuten zu wollen. Er schaut in die Abgründe, ohne sich dabei wirklich tief vorzuwagen, ein neues Leaving Las Vegas ist das in der Hinsicht eher brave Drama nicht.

Sehenswert ist es dennoch, vor allem dank der starken Leistung von Affleck. Der Schauspieler, der selbst eine ganze Zeit lang mit einem übermäßigen Alkoholkonsum zu kämpfen hatte und dadurch regelmäßig in der Klatschpresse landete, nutzte den Film, um auch eigene Erfahrungen zu verarbeiten. Das hat dann manchmal etwas leicht Voyeuristisches an sich, wenn man nicht mehr genau weiß, wo die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem verlaufen. Aber es ist eben auch authentisch, trägt maßgeblich dazu bei, dass man der gescheiterten Existenz da oben auf der Leinwand die Daumen drückt, dass man sich über jeden Hoffnungsschimmer freut und an den Rückschlägen verzweifelt, die ein solches Thema quasi per Definition mit sich bringen.

Credits

OT: „The Way Back“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Gavin O’Connor
Drehbuch: Brad Ingelsby
Musik: Rob Simonsen
Kamera: Eduard Grau
Besetzung: Ben Affleck, Al Madrigal, Michaela Watkins, Janina Gavankar

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Out of Play – Der Weg zurück
In „Out of Play – Der Weg zurück“ versucht ein dem Alkohol verfallener Ex-Sportler einer jungen Mannschaft den Weg an die Spitze zu ebnen. Der Film ist dabei teils Charakterdrama, teils Underdog-Story, zeigt sich dabei in mehrfacher Hinsicht mutlos, ist aber so stark von Ben Affleck gespielt, dass man darüber hinwegsehen kann.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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