Kritik

Shell and Joint

„Shell and Joint“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Nitobe (Keisuke Horibe) und Sakamoto (Mariko Tsutsui) kenne sich schon seit ihrer Kindheit und arbeiten nun auch zusammen an der Rezeption eines Wabenhotels in Japan, welches Nitobe gehört. Zu ihren Kunden gehören Menschen, die sich für eine Weile aus der Hektik der Stadt zurückziehen wollen und Mitarbeiter einer Forschungsstation, die sich auf Zellforschung und Fortpflanzung spezialisiert hat. Auch Nitobe interessiert sich für dieses Gebiet und versucht immer wieder die Faszination, welche er für das Leben sowie die Fortpflanzung von Insekten hat, mit ihr zu teilen. Jedoch weist Sakamoto ihn stets ab, interessiert sich vornehmlich für den Tod, da sie bereits mehrfach versucht hat sich umzubringen.

Die großen Fragen des Lebens
Nachdem er mehr als 20 Kurzfilme gedreht hat, setzt sich Regisseur Isamu Hirabayashi in seinem ersten Spielfilm Shell and Joint, der Teil des Programms der diesjährigen Nippon Connection ist, mit den großen Fragen des Lebens auseinander. Auf der Homepage zum Film beschreibt er einige der Hauptaspekte des Films, welcher den Tod als universellen Naturzustand ansieht und das Leben als eine Reise „eines freien Willen“. Damit einher geht die Loslösung von narrativen oder formalen Konventionen, welche einen Film ausmachen, was die sehr eigenwillige Struktur seines Films erklärt. Insgesamt ist Shell and Joint ein Film, an dem Hirabayashi mehrere Jahre lang arbeitete, eine Geschichte, die ihrem Zuschauer einiges an Geduld abverlangt, aber immer wieder überraschende Ideen beinhaltet sowie die Frage erörtert, warum wir so viel über zwischenmenschliche Beziehungen sprechen, aber dennoch so oft getrennt voneinander leben.

Generell ist es schwierig, einen Film wie Shell and Joint in Worte zu fassen, da sich dieser, wie die Aussagen des Regisseurs andeuten, nicht definieren lässt. Selbst die Zuordnung zu einem Genre fällt schwer, da sich jede einzelne Episode nicht nur mit unterschiedlichen Themen befasst, sondern zudem viele verschiedene Elemente, von komödiantischer bis hin zu tragischer Natur aufweist. Insgesamt versuchen die einzelnen Figuren Fragen des Zusammenlebens, der Reproduktion sowie der Evolution zu klären, mal mit einem persönlichen, mal mit einem sehr allgemeinen oder wissenschaftlichen Bezug. Daneben wirken einige der Ausführungen sehr befremdlich, fast schon provozierend, beispielsweise die distanzierte, fast emotionslose Art, wie Sakamoto über ihre Erfahrungen mit dem Tod spricht.

Unterbrochen werden diese Segmente durch verschiedene in ihrer Form sehr bizarre Einwürfe. So diskutieren in einem Segment eine Milbe, eine Kakerlake und eine Fliege nicht nur über bereits erwähnte Themen, sondern auch darüber, wer von ihnen von den Menschen am meisten gehasst wird. Eine weitere, immer wiederkehrende Sequenz zeigt eine Gruppe barbusiger Tänzerinnen, die in den Räumen des Hotels einen bizarren Tanz aufführen. All dies ist bisweilen ganz interessant und auch visuell ansprechend inszeniert, verlangt bei einer Laufzeit von 154 Minuten seinem Zuschauer aber auch einiges an Geduld ab.

Getrenntes Leben
Neben der inhaltlichen Gestaltung der einzelnen Segmente ist vor allem die Inszenierung des Raumes eine der wohl faszinierendsten Aspekte in Hirabayashis Film. Gerade die Natur der einzelnen Segmente sowie die Idee des Kapsel- oder Wabenhotels bildet eine interessante Verbindung, welche auf formaler Ebene die Trennung der einzelnen Personen und deren Leben betont. Hirabayashi verzichtet auf Kamerabewegungen und das Bild bleibt statisch, konzentriert sich auf die Ausführungen der einzelnen Personen, wie sie miteinander interagieren oder sich innerhalb dieser Kommunikation die Grenzen zwischen den Figuren offenbaren. Auch wenn sie alle sich an einem Ort befinden und ihre spirituellen wie auch emotionalen Sehnsüchte sich ähneln, findet keine echte Verbindung zwischen ihnen statt, so als ob ihr Leben sich in den abgesteckten Breitengraden einer Wabe bewegt, die sie nicht verlassen können oder wollen.

Credits

OT: „Shell and Joint“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: Isamu Hirabayashi
Drehbuch: Isamu Hirabayashi
Musik: Takashi Watanabe
Kamera: Isamu Hirabayashi
Besetzung: Mariko Tsutsui, Keisuke Horibe

Bilder

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Shell and Joint
"Shell and Joint" ist ein abstrakter, surrealer Ideenfilm, welcher sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzt. Formal und inhaltlich gelingen Isamu Hirabayashi zwar interessante Ansätze, doch hätte dem Film ein konsequenterer Schnitt gutgetan.
6von 10

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