Kritik

Dancing Mary Sabu

„Dancing Mary“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Von seinen Vorgesetzten in der Stadtverwaltung wird der Beamte Kenji (Naoto) mit der Aufgabe betreut, den Abriss einer alten Tanzhalle zu beaufsichtigen. Zwar freut er sich anfangs über die Verantwortung und die Chance, die man ihm gegeben hat, doch schon bald muss er erfahren, warum keiner seiner Kollegen den augenscheinlich einfachen Job machen wollte. In der Tanzhalle spukt es nämlich, sodass man schon diverse Geisterbeschwörer und ein Medium um Hilfe gebeten hat, die aber alle vom Geist vertrieben wurden. Auch Kenjis Versuch, es auf spirituellem Wege zu versuchen, scheitert zunächst, bis er an eine junge Frau verwiesen wird, die mit den Geistern kommunizieren kann. Zwar gelingt es auch ihr nicht, den Geist zu vertreiben, doch erfährt sie zumindest, warum der Geist noch immer auf Erden weilt: Der Geist der jungen Frau namens Mary wartet auf ihren Geliebten, der ihr versprochen hat, zu ihr zurückzukommen. Während sich Kenji und das Medium auf die Suche nach der großen Liebe des Geistes machen und dafür andere verfluchte und verwunschene Orte aufsuchen, beschließen derweil Kenjis Vorgesetzte, sie hätten nun lange genug gewartet. Da man in der Vergangenheit schon gute Erfahrung mit ihnen gemacht hat, sucht man Hilfe bei den örtlichen Yakuza, die nicht nur mehr als gewillt sind zu helfen, sondern dafür sich auch in dem geplanten Einkaufszentrum, dem die Tanzhalle weichen muss, einzunisten. Kenji bleibt also nicht viel Zeit für seine Suche.

Auf Sinnsuche
Auch in Dancing Mary verbindet der sehr arbeitsfreudige japanische Regisseur SABU verschiedene Versatzstücke von Genres, dieses Mal des Horrorfilms, der Komödie und des Dramas. Der Film, der im Programm der diesjährigen Nippon Connection läuft, ist aber ähnlich wie andere Arbeiten des Regisseurs, beispielsweise Jam, Monday oder Dangan Runner – Wie eine Kugel im Lauf, vor allem an der Rolle von Themen wie Spiritualität in unserem Leben interessiert, wobei er auch Konzepte wie Determinismus und Schicksal anschneidet.

Daher dauert es nicht lange, bis man als Zuschauer in den thematischen Kern des Films vordringt. In einer Szene trifft Kenji auf zwei an Krebs erkrankte ältere Damen, die sich über die Ernsthaftigkeit ihres Gegenübers lustig machen, zu dem, wie sie selbst behaupten, die Rolle des Beamten sehr gut passe, scheint er doch einer von denen zu sein, die alles im Leben tun, um nicht aufzufallen. Wie bei so vielen Protagonisten in SABUs Filmen fehlt es auch Kenji an Mut, an dem Willen seinen eigentlichen Platz im Leben zu finden, vor allem, da das Einhalten der Regel und das Nicht-Auffallen so viel einfacher sind. Dabei ist er so erfolgreich, dass selbst sein Boss kurz überlegen muss, wenn er Kenji sieht und ihm der Name nicht sofort einfällt.

Die Welt der Toten
Durch einen nicht nur narrativ, sondern auch visuell interessant inszenierten Kniff wird Kenji auf den Kern seines Problems aufmerksam gemacht. Das ihn begleitende Medium sieht nämlich nicht nur Geister, sondern kann, indem sie seine Hand ergreift, Kenji auch in diese Welt hin mitnehmen, die sich dann in eine kalte, graue Reflektion der Wirklichkeit verwandelt. Weniger gruselig und blutrünstig, stellen SABU und Kameramann Hiroo Yanagida diese Geister als arme Seelen dar, die gezwungen sind in einer Art absurden Spirale ihre Handlungen, die zu ihrem Tod geführt haben, zu wiederholen.

Die Begegnungen, die SABU dabei beschreibt, sind teils banal, teils wirklich packend und gut gespielt, wie beispielsweise, wenn Kenji und seine Begleitung auf einen legendären Yakuza namens „Thousand Cuts“ treffen. Gerade an diesen Stellen zeigt sich der Film von seiner besten Seite, betont er auf einfache, aber überzeugende Weise die Wichtigkeit von Spiritualität im Leben.

Credits

OT: „Dancing Mary“
Land: Japan
Jahr: 2019
Regie: SABU
Drehbuch: SABU
Kamera: Hiroo Yanagida
Besetzung: Naoto, Aina Yamada, Ryo Ishibashi, Nozomi Bando

Trailer



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Dancing Mary
3.91 (78.18%) 11 Artikel bewerten

Dancing Mary
„Dancing Mary“ ist eins manchmal sehr unterhaltsame, dann wieder sehr berührende Mischung aus verschiedenen Genres. Innerhalb des Gesamtwerks von SABU mag „Dancing Mary“ vielleicht nicht gerade sein originellster Film sein, beweist aber dennoch die Kreativität und erzählerische Spielfreudigkeit dieses Regisseurs.
7von 10

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