Kritik

Acid Rain

„Acid Rain“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Auch wenn der Titel bei vielen die Assoziation an das gleichnamige Naturphänomen des durch Umweltverschmutzung ausgelösten sauren Regens wecken dürfte, Acid Rain hat damit nur wenig zu tun. An einer Stelle regnet es zwar, tatsächlich gesund sieht das auch nicht aus, was vom Himmel fällt. Tomek Popakul wird bei seinem animierten Kurzfilm jedoch eher an LSD gedacht, die halluzinogene Droge, welche umgangssprachlich auch als Acid bezeichnet wird. Denn das, was der polnische Filmemacher hier abgeliefert hat, gleicht selbst einem einzigen Trip.

Ein monochromer Farbentrip
Schon die ersten Szenen wirken wie auf Drogen, wenn eine junge Frau einen Mann trifft und ebenso wie er auf einem Geländer balanciert – zu dessen Missfallen. Dennoch überzeugt sie ihn, sie doch mit in seinen kleinen Transporter zu nehmen. Der Weg führt die beiden erst zu seiner Großmutter, später zu einer großen Party, bevor die Geschichte noch einmal eine etwas andere Wendung nimmt. Allzu große Erwartungen sollte man an den Inhalt dennoch nicht mitbringen. Selbst wenn zum Schluss die Intensität zunimmt, Acid Rain für einen kurzen Moment zu einem Thriller zu werden verspricht, so richtig viel geschieht nicht.

Stattdessen ist der auf Festivals sehr begehrte Kurzfilm – in Deutschland lief er auf dem Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart 2020 – vor allem in visueller Hinsicht bestechend. Popakul nimmt eine sehr begrenzte Farbpalette, die mehr oder weniger aus grün, braun und violett besteht, auch die Designs sind schlicht. Das Ergebnis ist nichts für Leute, die „schöne“ Animationsfilme sehen wollen, ist aber ausgesprochen stimmungsvoll. Und eben auch irgendwie berauschend: Untermalt von konstanten elektronischen Klängen wird Acid Rain selbst zu einem Trip, angelehnt an die früheren Raver Partys, schafft mit einfachsten Mitteln eine surreale Atmosphäre, faszinierend bis bedrohlich, die auch einem Horrorfilm gut stehen würde. Als narratives Werk ist das zwar wenig, aber es ist eine interessante Seherfahrung, die auf weitere Werke von dem Filmemacher hoffen lässt.

Credits

OT: „Acid Rain“
Land: Polen
Jahr: 2019
Regie: Tomek Popakul
Drehbuch: Tomek Popakul

Bilder

Trailer

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Acid Rain
„Acid Rain“ erzählt von zwei Menschen, die durch die Gegend fahren und später auf eine Party gehen. Inhaltlich ist der animierte Kurzfilm dünn, doch der von elektronischer Musik begleitete Trip ist visuell so eigenartig, dass er zu einer interessanten, stimmungsvollen Erfahrung wird.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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