Kritik

Koenig der Krieger

„König der Krieger“ // Deutschland-Start: 2. April 2020 (DVD/Blu-ray)

Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters sinnt Prinz Danylo (Sehij Iarmoshenko) auf Rache. Dabei sind die Herausforderungen des jungen Thronfolgers gewaltig, er muss nun das von seinem Vater hinterlassene Reich gegen Feinde verteidigen. Und von denen gibt es mehr als genug: Die Goldene Horde von Batu Kahn (Rinat Khairullin) ist im Anmarsch, die wilden Tartaren hinterlassen eine Schneise der Zerstörung. Aber auch innerhalb der eigenen Reihen drohen gefährliche Konflikte. Und so sammelt Danylo seine Kreuzritter um sich, um die Gegner zu besiegen und dem Land Frieden zu schenken …

Kriege gibt es immer wieder
Wenn wir in irgendeiner Form von der Ukraine hören, dann geschieht das fast ausschließlich im Kontext des Krieges mit Russland oder des Transports von Erdgas. Filmisch ist das Land bei uns ebenso einseitig vertreten. Wenn überhaupt mal ukrainische Werke bei uns gezeigt werden, sei es regulär im Kino oder im Rahmen von Filmfesten, dann behandeln sie meist ebenfalls das aktuelle Kriegsgebiet – siehe die Geheimtipps Donbass oder Atlantis. Insofern darf man ja fast schon dankbar sein, wenn mit König der Krieger tatsächlich eine ukrainische Alternative veröffentlicht wird, auch wenn diese – der Titel verrät es bereits – sich genauso auf kriegerische Auseinandersetzungen stürzt.

Genauer wollte sich Regisseur und Co-Autor Taras Khymych offensichtlich des nicht zuletzt dank Game of Thrones beliebten Mittelaltersettings zunutze machen, um darbende Fans historischer Actionfilme zu bedienen. Action gibt es in König der Krieger dann auch immer wieder mal, wenn Danylo und seine Männer gegen feindliche Horden antreten. Zu große Erwartungen sollte man an diese Szenen jedoch besser nicht haben. Khymych, der auch für die Kameraarbeit zuständig war, hält augenscheinlich nichts von Echtzeitkämpfen und wechselt deshalb ständig zwischen Zeitraffer und Zeitlupe hin und her, zwecks größerer Dramatisierung. Überzeugend ist das Ergebnis nicht, es fehlt den Hieben die Wucht, die Schlachten sehen zu künstlich aus.

Der graue Alltag
Das ist auch deshalb etwas verwunderlich, weil Khymych ursprünglich aus dem Dokumentarfilm-Bereich kommt und dort auch Erfahrungen mit historischen Stoffen gemacht hat. Offensichtlich lag ihm jedoch weniger an naturalistischen Darstellungen. Irritierend ist zudem, dass hier sehr drauf geachtet wurde, bloß keine Farben zu zeigen. Alles scheint unter demselben Grauschleier begraben zu werden. Das ist bei derartigen Werken zwar nicht unüblich, trägt aber ebenfalls dazu bei, dass König der Krieger zu sehr nach Film aussieht, zu wenig nach wahrem Leben. Die Ausstattung ist da schon besser gelungen, Kostüme, Waffen und andere Elemente reichen den Ansprüchen. Außerdem achtete man darauf, dass die Hauptfiguren etwas fürs Auge bieten, selbst unter den widrigsten Bedingungen.

Wirklich spannend ist der Film aber so oder so nicht. Es gibt die übliche Mischung aus kleineren Intrigen, Bösewichtern nach Vorschrift und Heldentaten. Auf tatsächliche historische Kontexte muss man hingegen verzichten, der Film hat erstaunlich wenig zu sagen. Obwohl es hier um viel geht, die Gefahren groß sind, König der Krieger dämmert die meiste Zeit vor sich hin, ist nicht mehr als ein Hintergrundrauschen. Wer unbedingt mal wieder etwas Mittelalteraction braucht und seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzt, kann hiermit sicherlich irgendwie die Zeit totschlagen. Der Rest kann sich das pseudodüstere Abenteuer jedoch sparen.

Credits

OT: „King Danylo“
Land: Ukraine
Jahr: 2018
Regie: Taras Khymych
Drehbuch: Taras Khymych, Olesia Halkanova-Lan
Musik: Oleksii Shmaniov
Kamera: Taras Khymych
Besetzung: Sehij Iarmoshenko, Rinat Khairullin, Olesia Halkanova-Lan, Volodymyr Babynych, Petro Benjuk, Anna Dzhumak

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König der Krieger
„König der Krieger“ nimmt uns mit ins Mittelalter, wo ein Prinz nach dem gewaltsamen Tod des Vaters Rache schwört und sich gleichzeitig gegen viele Gegner wehren muss. Das hört sich spannend an, ist es aber nicht wirklich. Inhaltlich wird zu wenig geboten, auch die Actionszenen enttäuschen.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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