Kritik

Der Tod steht ihr gut Death becomes Her

„Der Tod steht ihr gut“ // Deutschland-Start: 17. Dezember 1992 (Kino) // 15. Mai 2003 (DVD)

Madeline Ashton (Meryl Streep) und Helen Sharp (Goldie Hawn) sind schon seit Ewigkeiten miteinander befreundet, auch wenn der Wettstreit um die Männer immer wieder für Reibereien sorgt. Mehrfach schon hat Madeline Helen die Kerle ausgespannt, zuletzt den Schönheitschirurgen Ernest Menville (Bruce Willis). Helen verfällt daraufhin in tiefe Depressionen, aber auch bei Madeline sieht es alles andere als rosig aus: Als Schauspielerin ist sie kaum mehr gefragt, ihre jungen Liebhaber wollen nichts mehr von ihr wissen, Ernest ist der Alkoholsucht verfallen. Als sie bei einer Buchpräsentation sieht, wie umwerfend ihre Konkurrentin aussieht, lässt sie sich auf das Angebot der mysteriösen Lisle (Isabella Rossellini) ein, die ihr ewige Jugend verspricht. Die Sache hat nur einen Haken …

Auch wenn ihm das Glück in den letzten Jahren nicht besonders hold gewesen ist, die Einspielergebnisse meist zwischen enttäuschend und katastrophal lagen, Robert Zemeckis genießt aus seiner Zeit als Hit-Regisseur noch so hohes Ansehen, dass er irgendwie praktisch alles filmen darf, worauf er Lust hat. Seinen Namen verbinden wir natürlich vor allem mit Zurück in die Zukunft, Falsches Spiel mit Roger Rabbit oder Forrest Gump, die zu enormen Kassenschlager wurden. Ganz so erfolgreich war sein Der Tod steht ihr gut aus dem Jahr 1992 nicht. Dafür genießt der Film bis heute Kultstatus, vermutlich sogar mehr als seinerzeit.

Man ist nie zu alt für etwas Jugendwahn
Die Geschichte selbst ist dabei zeitlos. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die erbitterte Widersacherinnen sind und ihrer eigenen Jugend hinterherlaufen. Das ist natürlich ein Angriff auf den Jugendwahn, für den Hollywood berüchtigt ist, der aber auch in der allgemeinen Bevölkerung weit verbreitet ist. Heute steht schließlich Selbstoptimierung weit oben auf der To do Liste. Wer nicht das Beste aus sich herausholt oder zumindest so tut als ob, für den gibt es keinen Platz. Dass es in Der Tod steht ihr gut vor allem Frauen sind, die um jeden Preis – wirklich jeden Preis – jung und schön sein wollen, ist dabei nicht zwangsläufig gegen die Figuren selbst gerichtet. Ihr Wahn ist letztendlich auch Ausdruck einer Gesellschaft, die eben das von ihnen erwartet, die Verzweiflung eine Konsequenz auf den Druck von außen.

Daraus hätte man sicher ein Drama machen können. Doch das Drehbuchduo David Koepp (Premium Rush) und Martin Donovan nahm die Sache lieber mit Humor, machte aus dem Jugendwettstreit ein ziemlich abgefahrenes Duell. Zemeckis, nicht unbedingt bekannt für Zurückhaltung oder Subtilität, ist dafür der ideale Regisseur. Er nimmt die Absurdität der Vorlage nicht nur an, sondern lässt ihr völlig freien Lauf. Der Tod steht ihr gut wird so zu einer schrillen und hysterischen Komödie, mit teils surrealen Zügen und sehr viel schwarzem Humor. Tatsächlich ist der Kultfilm erstaunlich böse für einen Mann, der sonst eher Unterhaltung für die gesamte Familie bot. Er ist stellenweise auch brutal, wäre es zumindest, wenn die Ereignisse ernst gemeint wären.

Schöner Mut zur Hässlichkeit
Doch das sind sie nicht, von keinem im Team. Schon gar nicht von den beiden Hauptdarstellerinnen, die genüsslich over the top zu Karikaturen werden. Bemerkenswert ist das vor allem bei Meryl Streep. Während Hawn durchaus auch für Komödien bekannt ist, dürften die meisten die dreifache Oscar-Preisträgerin in erster Linie mit ihren dramatischen Werken in Verbindung bringen. Umso erfrischender ist, mit welcher Selbstironie sie hier in die Rolle einer männerverschlingenden Schauspielerin schlüpft, für die Anerkennung und Ruhm alles in ihrem Leben ist. Bruce Willis bleibt bei diesem Kleinkrieg oft nur die Funktion des stillen Beobachters, der jedoch auf seine Weise eine ebenso tragische Figur ist wie die beiden Frauen, die um ihn kämpfen.

Das hat dann vielleicht nicht den Tiefgang, welches das Thema verdienen würde. Die Überlegungen zum ewigen Leben sind eher Randnotizen, die im Anschluss schnell wieder vergessen sind. Und natürlich muss man eine gewisse Vorliebe für diese Form von Albernheit mitbringen, wenn nach einem eher gemächlichen Einstieg alles zunehmend eskaliert. Ist das gegeben, dann macht Der Tod steht ihr gut noch immer viel Spaß. Der Film sieht auch überraschend gut aus, die damals mit einem Oscar gewürdigten Spezialeffekte sind bald drei Jahrzehnte später nach wie vor gelungen. Die Kameraführung, die viel mit Details arbeitet, gerne im Hintergrund, rundet das Vergnügen ab.

Credits

OT: „Death Becomes Her“
Land: USA
Jahr: 1992
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: David Koepp, Martin Donovan
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Dean Cundey
Besetzung: Meryl Streep, Bruce Willis, Goldie Hawn, Isabella Rossellini

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1993 Beste Spezialeffekte Sieg
BAFTA Awards 1993 Beste Spezialeffekte Sieg
Golden Globe Awards 1993 Beste Hauptdarstellerin – Komödie Meryl Streep Nominierung

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Der Tod steht ihr gut
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Der Tod steht ihr gut
Zwei ewige Rivalinnen wollen das ewige Leben und ewige Schönheit und sind bereit, dafür jeden Preis zu zahlen: „Der Tod steht ihr gut“ ist eine schwarzhumorige, lustvoll übertriebene Satire auf den Jugendwahn Hollywoods. Das hat trotz aktueller Thema zwar nicht so wirklich viel Tiefgang, macht aber sehr viel Spaß – auch wegen der selbstironischen Auftritte der beiden Hauptdarstellerinnen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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