Nomis

„Nomis – Die Nacht des Jägers“ // Deutschland-Start: 26. September 2019 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich war es ja der ehemalige Richter Cooper (Ben Kingsley), der mithilfe von Lara (Eliana Jones) Männer unschädlich machen wollte, die sich an jungen Menschen vergreifen. Doch dann gerät ausgerechnet Lara in die Hände eines Entführers. Das wiederum kommt den Polizisten Marshall (Henry Cavill) und Rachel (Alexandra Daddario) entgegen, die schon seit Längerem auf der Jagd nach einem Serienmörder sind, ihm bislang aber nicht auf die Spur kommen konnten. Jetzt scheinen sie endlich Erfolg zu haben. Doch ist der geistig zurückgebliebene Simon (Brendan Fletcher) wirklich der Täter? Oder wurde er selbst nur ausgenutzt?

Wenn ein Film gleich mit seiner besten Szene beginnt, ist das immer ein wenig schwierig. Auf der einen Seite steigert das die Vorfreude auf das, was noch kommen mag, die Neugierde auch, was sich die Macher sonst noch alles haben einfallen lassen. Wenn dann aber nichts mehr kommt, ist die Enttäuschung groß, derart hintergangen worden zu sein und Zeit verschwendet zu haben. Dabei ist der besagte Einstieg in Nomis – Die Nacht des Jägers noch nicht einmal gut. Aber er ist auf eine groteske Weise unterhaltsam, wenn Ben Kingsley (Intrigo: Tod eines Autors) als Selbstjustiz-Rächer etwas unorthodoxe Methoden wählt, um Kinderschänder das Handwerk zu legen und dauerhaft für Frieden zu sorgen.

Darfst du das überhaupt?
Nun ist etwas Ambivalenz bei Filmfiguren sicher nicht verkehrt. Nichts ist langweiliger als strahlende Helden oder unmotivierte Schurken, deren einziger Charakterzug die Bösartigkeit ist. Dass Cooper aber nicht direkt nach der Bekanntschaft mit der Polizei hinter Gittern wandert, das ist dann schon ein wenig befremdlich. Um nicht zu sagen erschreckend. Andererseits, immerhin verdanken wir Nomis damit wenigstens eine Figur, über die man ein wenig nachdenken kann. Der Rest ist hierfür nämlich leider herzlich wenig geeignet. Marshall besteht nur aus den üblichen Klischees, wurde wie so viele andere von seiner Frau verlassen, weil er zu wenig Zeit mit ihr, dafür zu viel Zeit auf dem Revier bzw. mit Verbrecherjagen verbracht hat.

Beim Rest sieht es nicht besser aus. Rachel ist beispielsweise die vernünftige und achtsame im Team. Muss sie auch sein, sie ist ja eine Frau. Sehr viel erfolgreicher ist sie dabei aber nicht, gleich welche Vorgehensweise die Polizisten und Polizistinnen wählen, irgendwie scheinen sie nie voran zu kommen. Vielleicht dachte Regisseur und Drehbuchautor David Raymond, dass das auch gar nicht notwendig ist. Schließlich arbeitet er mit Stars zusammen, das ist wichtiger als der Inhalt. Außerdem steht im Mittelpunkt ein geistig zurückgebliebener Mann, der vielleicht, vielleicht auch nicht an einer gespaltenen Persönlichkeit leidet. Das ist fast genauso gut, wie Split bewiesen hat.

Ach, also, irgendwie … weiß nicht …
Nur machte es dort eben auch Spaß zuzusehen, wie James McAvoy sich mit viel Liebe zur Übertreibung in den jeweiligen Rollen verlor. Brendan Fletcher begnügt sich jedoch damit, meist unverständliches Zeug zu brabbeln und mit einem möglichst irren Blick in die Kamera zu schauen. Furchteinflößend ist das jetzt weniger, unterhaltsam aber genauso wenig. Es ist eher ein wenig anstrengend, so wie Nomis allgemein die Geduld strapaziert. Das soll nicht heißen, dass alles an dem Film schlecht wäre. Er ist nur nicht gut genug für das überraschend prominente Ensemble, das etwas teilnahmslos in der Gegend herumsteht und nicht genügend zu tun bekommt.

Ganz große Fans von Serienmörder-Filmen können natürlich trotzdem den Abstieg in den moralischen Morast wagen. Das weibliche Publikum darf zudem ein bisschen beim Anblick von Henry Cavill (Man of Steel) schmachten, der hier ungewohnt mit lockerem Haar und Zottelbart auftritt, die Holzfällervariante eines Polizisten. Zumal man es auch erst einmal schaffen muss, einen Film zu drehen, der irgendwie bizarr und doch sehr gewöhnlich ist – wie eine falsch abgeschriebene und unverstandene Hausaufgabe. Gut ist der Film deswegen aber nicht, sofern man nicht gerade ganz dringend anderthalb Stunden rumkriegen muss.



(Anzeige)

Nomis – Die Nacht des Jägers
3.21 (64.17%) 24 Artikel bewerten

Nomis – Die Nacht des Jägers
„Nomis“ versammelt einige bekannte Schauspieler, um gemeinsam Jagd auf einen Serienmörder zu machen. Der Film kann sich dabei aber nicht ganz entscheiden, was er genau will, ist gleichzeitig übertrieben und gewöhnlich. Das Ergebnis ist bestenfalls zweckmäßig, da sowohl der Unterhaltungsfaktor wie die Spannungskurve überschaubar bleiben.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    ACHTUNG SPOILER!

    Ein eiskalter Winterthriller, bei dem einem nicht abwechselnd heiß und kalt wird, sondern erst nur kalt und dann noch kälter, weil Unklarheiten die Sicht versperren.
    Man kann dem Plot über weite Strecken über alle logischen Löcher hinweg durchaus folgen. Zwei Ermittlerteams verfolgen einen Massenmörder: offiziell die Polizei u.a. Walter Marshall (Henry Cavill) und Kollegin Rachel Chase (Alexandra Daddario) und inoffiziell ein selbst ernannter ehemaliger Richters Cooper (Ben Kingsley). Der durch seine zwielichtigen Aktivitäten als Rächer der Mädels schockiert. Er bewegt sich relativ unbehelligt von der Polizei.
    Als man den Täter im Verhörraum hat, wird es etwas kryptisch, denn die Vorgeschichte mit kaputter Mutter wird nur angedeutet. Wenig später erfahren wir, dass es zwei eineiige Zwillinge (Brendan Fletcher) sind: von denen einer ein ganz böser Finger, sprich Psychopath, ist. Schauspielerisch macht das Brendan ganz toll.
    Der finale Showdown bei Nacht auf einem zugefrorenen See wird nur spannend, weil man manche Aktionen im Halbdunkel nur schwerlich erkennen kann. Es reicht gerade noch für ein Happy End zwischen Marshall und Chase. Manche Handlungsstränge versanden unterwegs (z.B. Vater – Tochter), andere werfen Fragen auf: z.B. Coopers Aktivitäten sind mal geduldet, mal eigenwillig.
    Bleibt nur ein Häufchen Spannung übrig. Das reicht zum Chillen nach getaner Arbeit. Und außerdem wüsste man gern was der Titel bedeutet. Da kann selbst der sonst so allwissende Dr. Goggle nicht helfen.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.