Die Abenteuer des jungen Sindbad
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Die Abenteuer des jungen Sinbad

Die Abenteuer des jungen Sindbad
„Die Abenteuer des jungen Sinbad“ // Deutschland-Start: 30. April 2019 (Kino)

Schon seit seiner Kindheit sehnt sich Sinbad danach, zur See zu stechen und die große weite Welt kennenzulernen. Das liegt ihm auch im Blut, schon sein Vater war ein Seefahrer und Abenteurer. Dass er von seiner letzten Fahrt nie zurückgekehrt ist, hält den Jungen nicht ab. Im Gegenteil: Er will unbedingt selbst sehen, was da draußen auf ihn wartet. Da bietet sich ihm tatsächlich die Gelegenheit. Er überzeugt die Besatzung eines Schiffes, ihn in die Crew aufzunehmen. Außerdem macht der die Bekanntschaft mit der jungen Fremden Sana, die auf einem hölzernen Pferd durch die Lüfte reitet und dabei von finsteren Männern verfolgt wird. Für Sinbad ist klar, dass er der schönen Unbekannten helfen muss, trotz der großen Gefahren.

Wiedersehen macht Freude: Nicht nur, dass Die Abenteuer des jungen Sinbad ein seltenes Lebenszeichen von Nippon Animation ist, einem der wichtigsten Animationsstudios der 1970er. Zum 40-jährigen Bestehen gönnten sich die Japaner zudem neue Geschichten mit einem alten Bekannten. Schon 1975 zeichnete sich das Studio für eine Anime-Adaption des jungen Seefahrers Sindbads verantwortlich, der als Märchen aus Tausendundeiner Nacht schon vor Jahrhunderten mit seinen fantastischen Abenteuern für leuchtende Augen sorgte. Ausgerechnet ihn zum Protagonisten einer Jubiläumsproduktion zu machen, da dürfen sich Nostalgiker auf einiges gefasst machen.

Alte Bekannte, neue Wege
Wobei, so ganz zu vergleichen sind die beiden Interpretationen nicht. Dass die neue Anime-Fassung hierzulande die weniger gebräuchliche Schreibweise „Sinbad“ verwendet statt des gewohnten „Sindbad“ ist dabei noch die kleinste Änderung. Auch sonst gibt es nur wenige Gemeinsamkeiten. Einzelne Elemente wie die fliegenden Teppiche und die Riesenvögel tauchen erneut auf. Und natürlich geht es auch bei der 2015-Variante um lange Seefahrten und Abenteuer, um fiese Gegner und große Schätze. Doch die neuerliche Interpretation geht dabei auch eigene Wege.

Auffällig ist beispielsweise, dass bei den Figuren vieles anders ist. Die einstigen Wegbegleiter sind komplett von der Bildfläche verschwunden. Weder die resolute Vogeldame Sheila, die in Wahrheit eine Prinzessin war, noch der gläubige alte Ara oder der aufbrausende Dieb Ali Baba lassen sich irgendwo blicken. Dafür gibt es jetzt besagte Sana, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Dass eine neue Geschichte erzählt wird, ist dabei weniger tragisch, wohl aber dass die Neuzugänge so langweilig geworden ist. War der Orient in den 1970ern von lauter Dickköpfen mit stark ausgeprägten Persönlichkeiten bevölkert, sowohl bei den Helden wie auch den Schurken, da wurden die Nachkommen zu lange in Weichspüler gelegt. Vor allem Sana ist als bloße Damsel in Distress eine unglaubliche Enttäuschung: Lebte Sindbad noch von den Interaktionen der Figuren, da gibt es hier nur ein stilles Nebeneinander.

Keine Zeit für nix
Aber auch bei der Geschichte selbst zieht Die Abenteuer des jungen Sinbad den Kürzeren. Das ist teilweise schon dem Konzept bzw. den Umständen geschuldet. Standen Nippon Animation 1975 noch 52 Folgen zur Verfügung, um die Geschichten zu erzählen, mussten beim Jubiläumsprojekt drei Filme à 50 Minuten reichen – die hier zu einem Film zusammengeschnitten wurden. Das reicht natürlich nicht, um das Gefühl eines wirklich epischen Abenteuers zu vermitteln, das Monate oder gar Jahre in Anspruch nimmt. In Windeseile wird hier von einem Ort zum nächsten gereist, Auftritte wie die der besagten Riesenvögel sind schon wieder rum, noch bevor sie etwas zum Film beitragen konnten. Allgemein ist vieles hier zu gehetzt und sprunghaft, was auf Dauer nicht befriedigt. Und auch die Entscheidung, Fantasy mit leichten Science-Fiction-Elementen anzureichern, hat dem Ganzen nicht unbedingt gut getan. Die orientalische Stimmung der Serie weicht so einem Mischmasch, der nie einen vergleichbaren Zauber entwickelt.

Dafür aber ist die Optik gelungen. Zumindest hier hat man gegenüber dem Oldie die Nase vorn, gerade auch in Hinblick auf Animation und Dynamik. Der Computer kommt dezent zum Einsatz, damit beispielsweise bei Verfolgungsjagden mehr Tempo entsteht. Gleichzeitig orientiert sich Die Abenteuer des jungen Sinbad an den Anfängen. Das Design von Sinbad ist zwar ganz anders. Viele der umherlaufenden Figuren hätten aber tatsächlich schon in den 1970ern dabei sein können. An der Stelle gelingt es dem Film tatsächlich, den Zauber von einst heraufzubeschwören und das Gefühl zu vermitteln, in eine vergangene Welt einzutauchen, in der wie selbstverständlich Magie und Fabelwesen Seite an Seite existieren, während wir zum Horizont schauen, auf der Suche nach neuen Abenteuern.



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„Die Abenteuer des jungen Sinbad“ nimmt sich wie die Serie aus den 1970ern der Märchen aus Tausendundeiner Nacht an. Inhaltlich fällt die Neuauflage dabei deutlich schwächer aus: Die Figuren sind nichtssagend, die Geschichte wird zu hektisch erzählt, es entsteht nie das Gefühl, Teil eines großen Abenteuers zu sein. Dafür erinnert die schöne Optik tatsächlich an vergangene Zeiten, auf eine positive Weise.
6
von 10