The NunSelbstmord, das ist für die Kirche ohnehin eine Todsünde. Wenn der dann auch noch von einer Nonne begangen wird, direkt vor ihrem Kloster obendrein, kann selbst der Vatikan nicht wegschauen. Also entsendet er 1952 den Priester Burke (Demián Bichir) und die Novizin Irene (Taissa Farmiga) in die abgeschiedene Gegend in Rumänien. Begleitet von einem lokalen Bauer (Jonas Bloquet), der die Leiche entdeckt hatte, sollen sie der Sache auf den Grund gehen. Doch das ist nicht so einfach, wie sie es sich vorgestellt hatten. Viele Gerüchte sind über das Kloster im Umlauf und etwas Böses, das darin hausen soll. Und schon bald muss das Trio feststellen, dass an den Gerüchten sehr viel mehr ist, als sie es sich vorher ausgemalt hatten.

Ehre, wem Ehre gebührt: Die 2013 mit Conjuring – Die Heimsuchung gestartete Reihe um dämonische Besessenheit ist nicht nur inzwischen die erfolgreichste Horrorreihe aller Zeiten und setzt sich mit jedem neuen Film noch weiter von der Konkurrenz ab. Es ist auch neben der Marvel-Reihe das einzige überzeugende Beispiel eines ausgewachsenen Cinematic Universe – also das, was auch die DC Comics Filme und die Totgeburt des Dark Universe woll(t)en. Anders als die letzten beiden Beispiele legte man es hier ursprünglich aber auch gar nicht darauf an. Man kam nur irgendwann auf die geniale Idee, einfach den in den Hauptfilmen eingeführten Dämonen eigene Spin-offs zu geben. So geschehen bei Annabelle und Annabelle 2. So auch hier.

Rückkehr einer schrecklichen Bekannten
Zuschauer von Conjuring 2 werden mit der Antagonistin aus The Nun dann auch bereits bestens vertraut sein, gehörte der Auftritt der unheimlichen Schwester doch zu den besten in dem soliden Gruselschocker. Dass wir nun in einem eigenen Film mehr über die Hintergründe erfahren dürfen, das klang im Vorfeld daher ziemlich vielversprechend. Auch der beteiligten Personen wegen. Der englische Regisseur Corin Hardy hatte zuvor schon in The Hallow gezeigt, dass er atmosphärischen Hinterwaldhorror inszenieren kann. Witzig ist zudem, dass Taissa Farmiga die Hauptrolle übernimmt, die jüngere Schwester von Vera – der Hauptdarstellerin von Conjuring.

Auf den Inhalt hat diese ungewöhnliche Besetzung jedoch keinen Einfluss. Zwar gibt es Querverweise zu den Hauptfilmen inklusive mehrerer Szenen, in denen die Original-Dämonenjäger auftreten. Aber dabei handelt es sich mehr um kleine Geschenke an die Fans, The Nun ist so unabhängig von den Vorgängern, dass er auch komplett ohne Vorkenntnisse funktioniert. Schade dabei ist jedoch, dass dies auch schon das größte Kompliment ist, das man dem Streifen machen kann: Er funktioniert.

Und welches Klischee nehmen wir als nächstes?
Größtes Problem bei der Geschichte ist die Geschichte an sich. Drehbuchautor Gary Dauberman, der unter anderem die beiden Annabelle-Spin-offs geschrieben hat, aber auch an Es beteiligt war, begnügt sich größtenteils mit den üblichen Klischees. Da wird brav das abgearbeitet, was Horroranhänger so kennen, damit auch ja keiner verschreckt wird. Das gilt gleichermaßen für die Schreckszenen an sich: Schemenhafte Figuren an Fenster oder im Augenwinkel, die beim zweiten Mal nicht mehr da sind, flüsternde Stimmen in den Gängen, erlöschende Kerzen oder sich wie von Geisterhand einschaltende Geräte – The Nun ist mehr eine Checkliste als ein narratives Werk.

Am überzeugendsten ist hierbei noch die Kameraarbeit. Maxime Alexandre hatte seinerzeit im First-Person-Slasher Alexandre Ajas Maniac gezeigt, dass er offen ist für Perspektivenspielereien. Wenn in der Hand des Belgiers die Kamera herumwirbelt und das Geschehen auf den Kopf stellt, werden beste Erinnerungen an Conjuring seinerzeit wach. Das Ambiente ist ohnehin stimmungsvoll, heruntergekommene Klöster und Friedhöfe sind ja immer ein dankbares Setting. Und auch die Schauspieler liefern eine solide Arbeit ab, im Rahmen der ihnen gebotenen Möglichkeiten. Für das Massenpublikum wird das reichen, das sich über die ewig gleichen Horrorszenen immer noch erschrecken kann, das auch gar nicht den Anspruch hat, dass die Figuren irgendwie interessant sind oder Geschichte und Architektur Sinn ergeben. Nach dem tatsächlich furchterregenden Miniauftritt der dämonischen Nonne in Conjuring 2 ist das hier aber schon eher enttäuschend.

The Nun
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The Nun
Hilfe, die Horrornonne ist los! Das Spin-off der beliebten „Conjuring“-Reihe hält sich an das, was wir aus dem Genre gewohnt sind, bietet darüber hinaus aber nur sehr wenig. Solide Darsteller und der eine oder andere auch visuell gelungene Moment täuschen nicht darüber hinweg, dass „The Nun“ letztendlich nur das Abhaken von Klischees ist.
5von 10

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