Puppet Master The Littlest Reich

„Puppet Master The Littlest Reich“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Edgar (Thomas Lennon) ist nicht gerade das, was man einen Gewinner nennen würde. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen, er muss mit 40 Jahren wieder bei seinen Eltern einziehen, die Arbeit in einem Comicladen verspricht auch keine wirkliche Perspektive für die Zukunft. Aber jetzt heißt es erst einmal, die Gegenwart wieder in Ordnung zu bringen. Und so plant er, mit seiner neuen Freundin Ashley (Jenny Pellicer) und seinem Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) zu einer Convention zu fahren, um eine alte Puppe zu verkaufen. Denn die gehörte einem brutalen Puppenmeister, der vor 30 Jahren eine Reihe von Morden verübt hat. Was die drei dabei nicht ahnen: Die Puppen selbst sind die Werkzeuge des Bösen. Und sie sind bereit, wieder zuzuschlagen.

Man mag ja von der Fortsetzungswut in Hollywood halten, was man will. Im Vergleich zu dem, was im Horrorbereich vor sich geht, sind die nummerierten Hochglanzblockbuster harmlos. Fünf, sechs Teile bekommt ein erfolgreiches Franchise des Grauens schnell zusammen, schließlich erfordern die Filme normalerweise nicht viel Aufwand, müssen auch nur Formeln auswendig lernen. Es dürfen aber auch mehr Teile werden. Fans von Puppet Master beispielsweise dürfen sich auf den nunmehr 13. Film freuen. Das ist ordentlich bei einer Reihe, die 1989 ihren Anfang machte und schnell Kultstatus genoss.

Nichts Neues im Puppenreich
Viel getan hat sich seither nicht. Noch immer spielt André Toulon eine Rolle, hier verkörpert von einem lustvoll widerwärtigen Udo Kier. Noch immer dreht sich alles um Puppen, die sich über ihre ahnungslosen Opfer hermachen und mit viel Blutvergießen abmurksen, was ihnen vor die Miniklinge kommt. Und auch dass diesmal – der Titel deutet es bereits an –, das Dritte Reich seine Mörderspielzeuge losschickt, ist keine wirkliche Neuentwicklung. Die Reihe hat schon immer gern mit der Nazi-Thematik gespielt.

Anders als etwas Annabelle ist der Angriff der Killerpuppen jedoch nicht ernst gemeint. Spannung steht hier so gar nicht auf dem Programm, allenfalls Neugierde, welche bescheuerten und blutigen Amokläufe die vermeintlichen Spielzeuge als nächstes starten werden. Hin und wieder zeigt S. Craig Zahler (Bone Tomahawk, Brawl in Cell Block 99), der das Drehbuch schrieb, noch seine Vorliebe für finstere Abgründe. Insgesamt ist Puppet Master The Littlest Reich aber doch deutlich mehr auf Humor aus, ignoriert die gelegentlich bösen Ausreißer – etwa das Thema Hate Crime – zugunsten von derben und fatalen Späßen.

Ein Humor zum Todlachen
Wie viel Spaß man an dem Beitrag vom Fantasy Filmfest 2018 hat, hängt dann auch in erster Linie damit zusammen, wie sehr man diesen Humor teilt. Ist es lustig, wenn sich eine Puppe durch Gedärme bohrt? Eine fliegende Variante ihren Propeller zweckentfremdet? Selbst der Ausflug auf die Toilette das letzte Stündlein bedeuten kann? Wer all das mit ja beantworten kann, der ist hier gut aufgehoben. Das bewusst absurde Puppet Master The Littlest Reich ist dazu gedacht, mit Freunden und Bier in geselliger Runde angeschaut zu werden, egal ob nun in Form eines Videoabends oder auf einem der Filmfestivals.

Im Anschluss ist der Film aber auch relativ schnell wieder vergessen, da er gar nicht vorhat, mehr als Wegwerfware zu sein. Immerhin geben sich ein paar Genregrößen die Ehre. So haben neben Kier auch die unverwüstliche Scream Queen Barbara Crampton (You’re Next) und Michael Paré Auftritte als Polizisten. Viel Charakter wird ihnen aber nicht zugestanden, ebenso wenig den Hauptfiguren, die nach einem stimmigen Einstieg zu Onelinern verdammt werden. Wer seine Erwartungen weiter unten ansiedelt, gar nicht mehr braucht als gut gelaunten, wenn auch abwechslungsarmen Trash für Fans, der darf in dem Killerhotel einchecken, das trotz eines hohen Body Counts noch Platz für eine Fortsetzung lässt.

Puppet Master The Littlest Reich
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Puppet Master The Littlest Reich
Hilfe, die Killerpuppen sind zurück! Fans kommen auf die Kosten, wenn die Nazispielzeuge Jagd auf alles machen, was zwei Beine hat. Mehr als derb-blutige Gags sollte man bei „Puppet Master The Littlest Reich“ jedoch nicht erwarten. Die Figuren sind standesgemäß nichtssagend, die Abwechslung gering, die Ansätze tatsächlich bösen Humors werden schnell unter Gedärmen begraben.
5von 10

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