Brawl in Cell Block 99
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Brawl in Cell Block 99

Brawl in Cell Block 99
„Brawl in Cell Block 99“ // Deutschland-Start: 26. Oktober 2018 (DVD/Blu-ray) // 26. April 2019 (Mediabook)

Von Anfang an hatte Drogenkurier Bradley (Vince Vaughn) bei diesem Job kein gutes Gefühl. Und es wäre auch besser gewesen, er hätte auf dieses Gefühl gehört: Nach dem verpatzten Coup kommt er in den Knast, wo er sieben Jahre bleiben soll. Doch das ist erst der Anfang. Kaum dort angekommen, erhält er die Info, dass seine hochschwangere Frau Lauren (Jennifer Carpenter) entführt wurde. Um sie zu retten, muss er einen anderen Mann töten, der sich jedoch gar nicht in seinem Gefängnis befindet, sondern in einer Hochsicherheitseinrichtung, die von dem grausamen Tuggs (Don Johnson) geführt wird. Also heißt es, sich erst einmal Zugang zu erkämpfen.

So richtig hoch scheint die Meinung von S. Craig Zahler in Bezug auf die Menschheit ja nicht zu sein. Waren es in seinem Regiedebüt, dem düstereren Horror-Western Bone Tomahawk, noch Kannibalen, die Angst und Schrecken verbreiteten, von dem Blut mal ganz zu schweigen, da spart er sich die fantastische Note. Ihm reicht ein Gefängnis, genauer zwei, das er mit lauter Leuten bevölkert, die nichts Besseres zu tun haben, als sich gegenseitig in Stücke zu reißen, zu foltern oder anderweitig maximale Schmerzen zuzubereiten.

Geringes Tempo, maximale Gewalt
Wobei sich Zahler dabei sehr viel Zeit lässt. Keiner seiner drei bisherigen Spielfilme war kürzer als 130 Minuten, sein neuestes Werk Dragged Across Concrete legte noch einmal eine knappe halbe Stunde drauf. Dabei geschieht in seinen Werken zunächst gar nicht so viel, statt gnadenloser Action ist erst einmal Charakterzeichnung angesagt. So auch bei Brawl in Cell Block 99: Bis das Gefängnis ein Thema wird, ist schon eine gute Dreiviertelstunde vergangen. Wo bei anderen zu dieser Marke die Hälfte des Films bereits rum ist, da geht es hier erst los. Schließlich wollen wir ja wissen, wer dieser Mann ist, der im Knast die Hölle durchlebt.

Brawl in Cell Block 99 hätte genauso gut auch ein Charakterdrama werden können, das Fundament dafür legt Zahler. Stattdessen wandelt sich die Geschichte eines unbeherrschten Drogenkuriers aber zu einem der härtesten Genrebeiträge der letzten Jahre aus dem Noch-Mainstream-Bereich. So hart, dass er hierzulande erst einmal in gekürzter Fassung in den Handel kam, bevor der Film als Mediabook neu aufgelegt wurde. Man sollte auch besser einen etwas robusteren Magen haben, um das hier in irgendeiner Form genießen zu können, Zahler mutet Protagonisten wie auch Publikum jede Menge zu.

Hemmungen waren gestern
Brawl in Cell Block 99, das 2017 bei den Filmfestspielen von Venedig Weltpremiere feierte und einige Monate später im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights erstmals nach Deutschland kam, macht keine Gefangenen – trotz des Gefängnissettings. Während einige Auseinandersetzungen im Rahmen dessen sind, was wir von einem solchen Film erwarten können, zeigen die Beteiligten mit der Zeit eine Grausamkeit und Kreativität, die überrascht. So wie der Thriller allgemein des Öfteren eine unerwartete Wendung nimmt, auch wegen des Hangs zur Absurdität. Eine Absurdität, die jedoch die wenigsten als lustig empfinden werden.

Der Film nimmt dabei eine eigenwillige Zwischenposition ein: Auf der einen Seite gibt er sich realistisch, ist äußerst geerdet, nur um dann völlig bizarre Gewaltausbrüche zu feiern. Wo John Wick noch durch seine Stilisierung und Sinn für Humor derartige Exzesse erträglich macht, da versteht bei Brawl in Cell Block 99 niemand Spaß. Da die Geschichte selbst überaus dünn ist, irgendwann nur noch aus einer Abfolge von Grausamkeiten besteht, der Film über seinen Nihilismus hinaus keine nennenswerte Aussage trifft, richtet sich die Knasthölle – trotz der intensiven Darstellung von Vince Vaughn (Fighting with My Family) – an ein eher kleineres, genreaffines Publikum. Und selbst das wird hier die eine oder andere Wunde davontragen, vom bloßen Zusehen.



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„Brawl in Cell Block 99“ lässt es recht gemächlich angehen, bis dann der Hammer ausgepackt wird – oder andere Folterinstrumente. Die Geschichte um einen Drogenkurier, der in einem Hochsicherheitsgefängnis landet, ist trotz intensiven Hauptdarstellers und ausführlicher Charakterzeichnung, recht dünn. Dafür gibt es Gewaltexzesse und eine Mischung aus Realismus und Absurdität, die einen im Anschluss noch länger verfolgt.
7
von 10