Breaking In

„Breaking In“ Release // Kino: 16. August 2018

Besonders gut war das Verhältnis von Shaun (Gabrielle Union) zu ihrem Vater ja nie gewesen. Es sind daher auch äußerst gemischte Gefühle, mit denen sie anreist, als sie und die beiden Kinder Jasmine (Ajiona Alexus) und Glover (Seth Carr) nach dessen Tod ins alte Familienhaus zurückkehren, um es zu verkaufen. Viel hat sich verändert, ihr Vater hat es in einen High-Tech-Bunker umgebaut. Und das nicht ohne Grund: Der alte Herr war in zahlreiche kriminellen Machenschaften verwickelt und hat jede Menge Geld bei sich versteckt. Das weiß auch die Bande um Eddie (Billy Burke), die dort einbricht, auf der Suche nach einem Safe – dummerweise just an dem Wochenende, an dem auch Shaun und ihre Familie dort sind.

Eines muss man Ryan Engle ja lassen: Der Drehbuchautor, der unter anderem an Rampage – Big Meets Bigger und The Commuter beteiligt war, hat eine im Grundsatz interessante Variation des Home-Invasion-Thrillers entworfen. Sicher, die Begegnung unbescholtener Bürger mit brutalen Einbrechern, die kommt in den besten Familien vor. Vor allem in den reichsten Familien. Und dass der zu Beginn von Breaking In gestorbene Vater reich war, dafür reicht ein schon sehr oberflächlicher Blick auf das ausufernde Anwesen, das bis in die letzte Ecke mit irgendwelchem Technikkram vollgestopft ist.

Ich muss da rein!
Spannend wird dieses aus Filmen altbekannte Szenario durch einen etwas unvorhergesehenen Verlauf: Während die Einbrecher in dem Haus sind, muss Shaun – der Titel Breaking In verrät es bereits – versuchen, wieder hineinzukommen. Und wenn schon professionelle Verbrecher mit einem solchen Bollwerk ihre Probleme haben, wie soll es dann erst einer ganz normalen Bürgerin ergehen? Sich unbemerkt in ein Haus zu schleichen, das im Grunde ein überdimensionierter Panic Room ist, doch das verspricht herbeigesehnte Abwechslung im Genrealltag.

Der von James McTeigue (V wie Vendetta, The Raven – Prophet des Teufels) inszenierte Thriller hält dieses Versprechen aber nur bedingt. Anfangs wird zumindest noch versucht, diese Situation auch wirklich auszunutzen. Doch mit der Zeit werden die Ambitionen geringer, Breaking In wird zu einem x-beliebigen Genrevertreter, der sich um nichts mehr schert. Nicht um die eigenen Protagonisten, die selbst für ein Klischee zu wenig Persönlichkeit mitbringen. Nicht um den Fortlauf der Geschichte, deren einzig konsequenter Zug der ist, nicht sonderlich viel Sinn zu ergeben.

Ist doch eh alles sinnlos
Türen, die stärker gesichert sind als die von Fort Knox, werden nach Belieben geöffnet und geschlossen. Figuren auf beiden Seiten sind in der Lage, in Sekundenschnelle an jeden beliebigen Ort zu gelangen. Thematische Elemente werden mittendrin vergessen. Gepanzerte Türen sind offensichtlich reine Durchgänge. Zudem ist jeder in der Lage, die komplizierte Technik des Hauses auf Anhieb zu verstehen und zu nutzen – und tut es dann nicht.

Ohnehin, das menschliche Verhalten hier lässt mal wieder an den grundsätzlichen Überlebenschancen dieser Spezies zweifeln, wenn ein inoffizieller Wettbewerb stattfindet, wer denn nun der dümmste im Haus ist. Das ist auch deshalb ärgerlich, weil zu Beginn des Films die Gegenwehr erstaunlich ist, man endlich mal das Gefühl hat, dass hier Protagonisten zugange sind, die mit einem gesunden Überlebensinstinkt ausgestattet sind. Aber offensichtlich schärft die Gefährlichkeit der Situation nicht die Sinne, sondern führt zu einer kontinuierlichen Verblödung. Wäre das mit Humor verbunden, sagen wir mal der Erwachsenenversion von Kevin allein zu Haus, das hätte durchaus spaßig sein können. Breaking In ist das nicht. Da kann sich Gabrielle Union (Top Five) noch so sehr als knallhart kämpfende Löwenmama präsentieren, das Ergebnis ist weder spannend noch trashig-komisch, sondern eher ein Grund, selbst zu Hause zu bleiben.

Breaking In
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Breaking In
Eine Familie, ein Hochsicherheitshaus und eine Horde skrupelloser Einbrecher: Der Einstieg von „Breakin In“ ist vielversprechend, da er das Szenario eines Home-Invasion-Thrillers quasi umkehrt. Nur spielt das keine wirkliche Rolle, so wie hier fast nichts durchdacht ist. Sinn ergibt der Film höchstens zufällig, auch die Figuren können sich nicht entscheiden, ob sie clever oder richtig doof sein wollen.
4von 10

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