„Rampage“, USA, 2018
Regie: Brad Peyton; Drehbuch: Ryan Engle, Carlton Cuse, Ryan J. Condal, Adam Sztykiel; Musik: Andrew Lockington
Darsteller: Dwayne Johnson, Naomie Harris, Malin Åkerman, Jeffrey Dean Morgan, Jake Lacy

Rampage

„Rampage“ läuft ab 10. Mai 2018 im Kino

Menschen sind ja eher weniger sein Ding. Dafür kennt sich Davis Okoye (Dwayne Johnson) mit Affen umso besser aus. Vor allem einer ist ihm ans Herz gewachsen, der Albino-Gorilla George, den er als Junges vor Wilderern gerettet hat und der nun in einem Reservat mit Artgenossen lebt. Doch auch Okyoe kann seinen Augen kaum glauben, als sein alter Freund in Folge eines wissenschaftlichen Experiments auf einmal große Aggressionen zeigt – und auch sonst deutlich größer ist. Und er ist nicht der einzige, zwei weitere Riesenviecher hinterlassen eine Schneise der Zerstörung. Nun liegt es an Okoye, zusammen mit der Gentechnikerin Dr. Kate Caldwell (Naomie Harris) eine Lösung zu finden, bevor alles zu spät ist. Oder alles kaputt.

Dwayne Johnson im Dschungel, dazu der Bezug zu einem Videospiel – fast könnte man glauben, dass hier der Überraschungserfolg von Jumanji: Willkommen im Dschungel kopiert werden sollte. Tatsächlich wurde Rampage aber bereits 2011 angekündigt, vor rund drei Jahren stieß auch der ehemalige Wrestler offiziell zum Projekt dazu. Und natürlich sind die Wurzeln noch deutlich älter, lassen sich in den Automatenhallen dieser Welt finden, wo die Zerstörungswut 1986 debütierte. In dem Klassiker schlüpfte man wahlweise in die Rolle eines Gorillas, einer Riesenechse oder eines Werwolfes und musste anschließend Städte zerstören, während es für das Verspeisen von Menschen Extrapunkte gab.

Für böse ist heute kein Platz mehr
Das Konzept war seinerzeit ungewöhnlich und würde heutzutage wohl kaum mehr auf den Markt kommen. Ein Spiel, in dem man der Böse ist? In dem es darum geht, Wolkenkratzer zu zerstören und Menschen zu fressen? In einer Welt nach 9/11 kaum vorstellbar. Entsprechend wenig hat Rampage – Big Meets Bigger dann auch mit der Vorlage gemeinsam. Während sich die drei Monster grob an den historischen Spielfiguren orientieren, wurde drumherum eine völlig neue Geschichte gebastelt, inklusive menschlichen Helden, bösen Unternehmen und natürlich jeder Menge Witze – die üblichen Blockbusterzutaten also.

Tatsächlich enttäuscht der Film dann auch dadurch, dass er so brav und mutlos ist. Das anarchisch-gemeine Element des Spieles wurde völlig zugunsten von Reißbrettgefälligkeiten aufgegeben. Zudem überrascht es, wie ernst sich Rampage über weite Strecken nimmt. Mutierte Riesentiere, die alles kaputthauen, das ist eigentlich typisches Trashmaterial, das üblicherweise dazu verdammt ist, in Videotheken auf Kunden zu warten. Anstatt dieses Geist-aus-hau-drauf-Spektakel aber als solches anzunehmen, wurden umständlich noch tragische Vorgeschichten und emotionale Hindernisläufe eingebaut. Geholfen hat es dem Film nicht, es bremst ihn vielmehr aus und sorgt dafür, dass es ausgerechnet an dem fehlt, was man hier erwarten durfte: Spaß.

Die Stars der zweiten Reihe
Der lässt sich bei Rampage schon haben. Überraschenderweise ist das aber zunächst nicht auf die CGI-Viecher, sondern auf die Zweibeiner zurückzuführen. Jeffrey Dean Morgan mimt einen Cowboy-Anzugträger-Regierungsbeamten, der ebenso sehr Karikatur ist wie die beiden echten Gegenspieler: die böse Konzernchefin Claire Wyden (Malin Åkerman) und ihr dümmlicher Bruder Brett (Jake Lacy). Zumindest an den Stellen ließ sich das vier Mann starke Drehbuchteam rund um Ryan Engle (The Commuter) dazu überreden, den eigenen Blödsinn auch anzunehmen und gewinnbringend zu mehren. Dwayne Johnson wiederum ist Dwayne Johnson, kombiniert wie in so vielen Filmen enorme Körpermasse mit kumpelhaftem Charme und lockeren Sprüchen.

Der Höhepunkt ist jedoch, wenn die Monster dann endlich mal von der Leine gelassen werden und die Art Zerstörung anrichten, für die sie geschaffen wurden. Teilweise sieht das sehr gut aus, gerade das Echsenpendant in Rampage ist eine beeindruckend furchteinflößende Scheußlichkeit, die auch in einem wirklichen Horrorfilm ihren Platz hätte. Die Interaktion von realen und am Computer erstellten Elementen lässt aber mal wieder zu wünschen übrig, Letztere entwickeln oft nicht die notwendige Körperlichkeit, um wirklich zu überzeugen. Aber um Realismus geht es hier ja ohnehin nicht, dass viele Szenen und Pläne so gar keinen Sinn ergeben, stört niemanden. Schön wäre es gewesen, wenn die Autoren diesen Defiziten mit mehr Selbstironie begegnet wären. Wem das egal ist und einfach nur CGI-Monster und große Zerstörungsorgien sehen will, der bekommt zumindest zum Ende hin einiges geboten.

Rampage – Big Meets Bigger
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Rampage – Big Meets Bigger
„Rampage – Big Meets Bigger“ mag auf dem Automatenklassiker aus den 80ern basieren, orientiert sich aber nur lose daran. Die anarchisch-gemeine Grundidee des Originals wurde zugunsten aktueller Blockbusterstandards aufgegeben, für einen Film über mutierte Riesentiere ist das hier erstaunlich brav, risikoscheu und übertrieben ernst. Spaß macht das zuweilen aber schon, auch wegen der comichaften Nebenfiguren.
5von 10

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