Museum

„Museum“, Japan, 2016
Regie: Keishi Ōtomo; Drehbuch: Keishi Ōtomo, Izumi Takahashi, Kiyomi Fujii; Vorlage: Ryosuke Tomoe; Musik: Taro Iwashiro
Darsteller: Shun Oguri, Satoshi Tsumabuki, Machiko Ono, Shūhei Nomura

MuseumEs ist ein Anblick, so grausam, so brutal, da versagt schon mal der stärkste Polizeimagen. Eine Frau ist tot, am lebendigen Leib von Hunden gefressen. Für den ermittelnden Hisashi Sawamura (Shun Oguri) ist klar, dass dies kein gewöhnlicher Mord sein kann. Als kurze Zeit drauf eine weitere verstümmelte Leiche auftaucht, sieht er sich in seinem Verdacht bestätigt, dass ein kranker Serienkiller hinter der Sache steckt. Aber wer? Und was bezweckt der Unbekannte? Eine erste Spur führt zu einem spektakulären Gerichtsfall, der mit dem Selbstmord eines verurteilten Mörders endete. Für Sawamura ist diese Spur jedoch alles andere als ein Grund zur Freude, war doch auch seine Frau Haruka (Machiko Ono) in diesen Fall verwickelt. Und von der fehlt nun ihrerseits jede Spur …

Vorfreude ist manchmal dann doch die größte Freude. Das zumindest wird einem schmerzlich bei Museum bewusst. Die Vorzeichen standen schließlich auf gute Unterhaltung: Auch wenn die Japaner im Thrillerbereich nicht ganz mit den Südkoreanern mithalten können, so hat uns doch auch das Land der aufgehenden Sonne oft genug das Fürchten gelehrt – auf eine positive Weise, wohlgemerkt. Wenn es sich dann auch noch um eine Mangaverfilmung von Keishi Ōtomo handelt, steigen die Erwartungen gleich noch ein bisschen mehr. Schließlich hat der Regisseur zuvor bei der Rurouni Kenshin-Trilogie gezeigt, dass er gezeichnete Vorlagen durchaus fürs Kino adaptieren kann.

Es gibt Morde, die gibt es nicht
Bei Museum ist das dann aber anders, wie sich herausstellt. Leider. Atmosphärisch beginnt sie ja, die Umsetzung eines Werks von Ryosuke Tomoe. Trübe Farben, der durchgängige Regen, eine zerrissene Frau, dazu noch die Andeutung, dass hier jemand Menschen für deren Missetaten bestrafen will – da lacht doch das Genreherz. Auch Mord Nummer zwei, der schon bald darauf folgt, macht Lust auf mehr. Der ist nicht nur ebenso perfide wie der erste, er macht sich sogar noch über das Opfer lustig. Gekrönt wird der schwarze Humor durch die groteske Frosch-Maske, mit der unser Täter an die Arbeit geht.

Auch später wird es immer wieder Grund zum Lachen geben. Nur ist es eben der falsche Grund. Was als stimmungsvoller Thriller mit bizarren Morden beginnt, der auf den Spuren von Sieben wandelt, will später so viel mehr sein, ist am Ende aber gar nichts. Die erste große Enttäuschung sind die Ermittlungen. Dass sich Krimis ganz gern mal auf plötzliche Eingebungen verlassen anstatt auf echte Detektivarbeit, damit muss man ein Stück weit leben können. Die Ausmaße, welche die Gedankensprünge hier annehmen, die sind dann aber schon gewagt. Museum ist in der Hinsicht so willkürlich, so widersprüchlich teilweise, dass die Herren Polizisten doch auch gleich zu einer Wahrsagerin hätten gehen können. Das wäre dem Zuschauer gegenüber ehrlicher gewesen und hätte zudem auch Zeit gespart.

Lachend in den Abgrund
Denn auch das belastet den Beitrag vom Japan-Filmfest Hamburg 2017 sehr: Er ist zu lang. 132 Minuten, die sollte man schon füllen können. Museum versucht das natürlich auch, macht es dabei aber nur noch schlimmer. Vor allem die späteren Ambitionen, den Figuren mehr Tiefgang zu verleihen, entpuppen sich als größere Zumutung, als es die brutalen Morde sind. Letztere bleiben dann auch – so traurig das klingen mag – die Höhepunkte des Thrillers. Sie erreichen zwar nicht die Eleganz der Kollegen von Hannibal, sind aber doch so ungewöhnlich, dass der Film sich zumindest phasenweise mal lohnt. Insgesamt ist er jedoch so überzogen, dass er trotz schöner Bilder seinen Zweck nicht erfüllt, einen mal ärgert, dann wieder schrecklich langweilt. Dass kein deutscher Release angekündigt lässt sich daher verschmerzen, da gibt es mit Traces of Sin oder Confessions of Murder deutlich bessere und würdigere Kandidaten.



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Ein mysteriöser Serienmörder in Froschmaske treibt sein Unwesen, das ist nicht die schlechteste Voraussetzung für einen Krimi. Doch je mehr sich die Mangaverfilmung „Museum“ in einen Thriller verwandelt, umso schlechter wird sie. Die Ermittlungen sind willkürlich, die Versuche, den Figuren mehr Tiefgang zu geben, sogar lächerlich. Schade um die schönen Bilder und die bizarren Morde, die einen besseren Film verdient hätten.
3
von 10