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Marvels Agents of SHIELD

„Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. – Die komplette erste Staffel“ ist seit 16. April auf DVD und Blu-ray erhältlich

Totgesagte leben länger: Beim Angriff der Chitauri war Agent Phil Coulson (Clark Gregg) ums Leben gekommen – so dachte man. Tatsächlich schafften es die Wissenschaftler, ihn zu retten. Erfahren soll dies jedoch niemand, denn so können er und sein hoch spezialisiertes Team im Geheimen operieren. Und an potenziellen Missionen mangelt es auch nicht, denn immer wieder stoßen sie auf unerklärliche Vorkommnisse und gefährliche Technologien, vor denen die Menschheit beschützt werden muss. Glücklicherweise erhält er dabei Unterstützung von der Computerhackerin Skye (Chloe Bennet), die ganz eigene Gründe hat, bei S.H.I.E.L.D. mitzumachen.

„Bekommen die denn nie den Hals voll?“, dürfte sich so mancher gefragt haben, als Marvel seine Pläne verkündete, in Zukunft auch Fernsehserien drehen zu dürfen. Nicht nur, dass die Comic-Helden lauter Einzelfilme bekommen und in Marvel’s The Avengers gemeinsam böse Schurken vermöbeln dürfen. Jetzt sollen sie auch noch in den eigenen vier Wänden um die kostbare Freizeit buhlen? Und das wöchentlich? Braucht es das wirklich? Die gute Nachricht: nein, tut es nicht. Die Protagonisten von Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. und Agent Carter sind reine Nebenfiguren, die nur wenig Einfluss auf die großen Filme haben. Netflix-Serie Daredevil ist sogar (bislang) komplett unabhängig. Die schlechte Nachricht: Man würde etwas verpassen, denn auch wenn Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. so seine Probleme hat, insgesamt ist die erste Staffel durchaus unterhaltsam geworden.

Die größte Schwierigkeit beim Entwickeln der Serie war sicherlich, dass hier – anders als bei den Filmen – keine Superhelden am Werk sind. Wo dort inhaltliche Mängel und dünne Geschichten durch in die Luft fliegende Autos und kosmische Gewitter ausgeglichen werden können, müssen hier vergleichsweise normale Menschen den Zuschauer bei Laune halten. Was also tun? So ganz einig schien man sich hier nicht zu sein, im Laufe der 22 Episoden wurde mal das eine, dann das andere ausprobiert. Gerade anfangs verlässt man sich sehr auf die Charaktere und ihre Interaktionen, was teilweise sehr gut funktioniert, teilweise weniger.

Phil Coulson, ewiger Nebendarsteller des Marvel Cinematic Universe, stand als typischer Anzugsbeamter immer im Schatten der ungleich schrilleren Comicfiguren. Und auch wenn bei Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. kräftig an seiner Geschichte und Persönlichkeit geschraubt wurde, wirklich viel geändert hat sich dadurch nicht. Brett Dalton als Agent Grant Ward hat ebenfalls nicht unbedingt die dankbarste Rolle: Während er in Kampfszenen seinen muskelgestählten Körper eindrucksvoll zum Einsatz bringen darf, ist er nicht mehr als ein recht stereotyper und gefühlloser Söldner. Das gilt im Prinzip zwar auch für Agent Melina May (Ming-Na Wen), doch ist ihre Figur schon so übertrieben eiskalt, dass es immer wieder zu komischen Momenten führt. Die meisten Lacher, die haben aber Leopold „Leo“ Fitz (Iain De Caestecker) und Jemma Simmons (Elizabeth Henstridge) auf ihrer Seite: Als kindliche Supernerds stehen sie im starken Kontrast zu den harten Jungs und Mädchen, dienen hier eindeutig als Comic Relief. Abgerundet wird das Ensemble durch Skye, die einzige Nicht-Agentin im Team und aufgrund ihrer recht alltäglichen Persönlichkeit Identifikationsfigur der Serie ist. Und so wird dann einige Folgen lang munter gealbert, die humorvollen Oneliner könnten auch aus den Filmen stammen, lassen Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. zeitweise fast zu einer Sitcom werden.

Gleichzeitig gibt es aber Defizite bei den Fällen. Nach dem Prinzip „Mission of the Week“ dürfen die sechs jede Folge ein neues Mysterium klären, gleichzeitig wird an diversen Hintergrundgeschichten gebastelt. Die Folge: Die einzelnen Einsätze sind oft nicht so wahnsinnig spannend, wenn interessante Fähigkeiten oder Technologien auftauchen, werden diese aufgrund der begrenzten Episodenlaufzeit gleich wieder begraben. Deutlich packender wird es, als zum Schluss mehrere Stränge zusammenfinden, eine Geschichte nicht nach rund 40 Minuten abgeschlossen sein muss, Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. parallel zu The Return of the First Avenger bestimmte Ereignisse erzählt und dabei deutlicher in Richtung Spionageaction geht. Der Humor jedoch, der wird zu dem Zeitpunkt wieder fast völlig geopfert, erst wirklich zum Abschluss dürfen Spannung und Witz endlich zueinanderfinden.

Ganz rund ist die Mischung in Staffel eins also noch nicht, hat aber genügend lohnenswerte Momente, diverse sympathische Charaktere und eine Geschichte, die tatsächlich neugierig auf mehr macht und eine Reihe von Überraschungen bereithält. Zumindest in der Hinsicht hat Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. gegenüber den großen, effektbeladenen Kinobrüdern sogar die Nase vorn. Ein weiterer Pluspunkt: Krankten gerade die Superheldencrossovers Marvel’s The Avengers und Avengers: Age of Ultron daran, dass man die vielen Insiderwitze kaum versteht, wenn man zuvor nicht sämtliche Einzelfilme gesehen hat, ist die Serie deutlich selbständiger. Marvel’s The Avengers sollte man schon gesehen haben, eine Folge nimmt zudem auf Thor – The Dark Kingdom Bezug. Ansonsten funktionieren die von von den Brüdern Joss und Jed Whedon sowie Joss’ Frau Maurissa Tancharoen entwickelten Nebengeschichten aber auch prächtig allein. So prächtig, dass man im Anschluss gleich die zweite Staffel sehen möchte, allein um zu sehen, was es mit dem einen großen Geheimnis auf sich hat, das zum Schluss von Episode 22 angeteasert wird.

Agents of S.H.I.E.L.D. – Staffel 1
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Agents of S.H.I.E.L.D. – Staffel 1
Braucht es wirklich eine eigene Serie zu den Marvel-Nebenfiguren? Das vielleicht nicht, unterhaltsam sind die Abenteuer der sechs Agenten aber schon. Man merkt „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ zwar an, dass sie noch nach einem durchgängigen Konzept sucht. Doch in der Zwischenzeit gibt es sympathische, teils skurrile Figuren, viel Humor und zum Schluss auch eine spannende Geschichte.
7von 10

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