(„Captain America: The Winter Soldier“ directed by Anthony Russo and Joe Russo, 2014)

The Return of the First AvengerIron Man 3 gehörte zu den Großereignissen 2013, die Fortsetzung zu The Avengers taucht immer wieder unter den zehn meisterwarteten Filmen auf und auch Thor – The Dark Kingdom schlug sich letztes Jahr beachtlich an den Kinokassen – ganz klar, die Marvel-Helden sind derzeit dick im Geschäft, auch hierzulande. Im Vergleich dazu hielt sich die Vorfreude auf den neuen Auftritt von Captain America dann doch eher in Grenzen. Mag sein, dass das an der außerhalb der USA grundsätzlich wenig beliebten, stark patriotischen Hauptfigur lag oder auch daran, dass sein erster Auftritt Captain America: The First Avenger schlicht kein besonders guter Film war. So oder so, Teil zwei bemüht sich deutlich neue Wege zu gehen – und das in mehrfacher Hinsicht.

Bezeichnend etwa, dass der problematische Name der Figur bei uns gar nicht mehr im Titel genannt wird. Und auch sonst halten sich Verweise auf sein Mutterland auffallend zurück. Auftraggeber in The Return of the First Avenger sind nicht mehr die USA, sondern die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. Auch das etwas alberne Stars’n’Stripes-Kostüm wurde eingemottet und hängt jetzt in einem Museum. Stattdessen trägt Captain America zu Beginn einen schicken, marineblauen Kampfanzug, später prügelt er sich größtenteils in Zivilkleidung. Wäre da nicht der häufige Einsatz seines ikonischen Schildes, man wüsste gar nicht, dass wir es hier überhaupt mit dem amerikanischen Superhelden zu tun haben. Und das liegt auch an der recht beliebigen Geschichte.The Return of the First Avenger Szene 1

70 Jahre war Steve Rogers (Chris Evans) im Eis eingeschlossen, kaum verwunderlich also, dass der Kriegsheld seine Probleme hat, wieder ins normale Leben zurückzufinden. Glücklicherweise hat er dazu aber ohnehin kaum Gelegenheit. Ein Schiff von S.H.I.E.L.D. wurde von Terroristen besetzt und Rogers soll zusammen mit Black Widow (Scarlett Johansson) und weiteren Einsatzkräften die Besatzung befreien. So der Auftrag. Genauer, so sein Auftrag. Seine Partnerin soll zusätzlich Informationen vom Bordcomputer besorgen, denn deren Boss Nick Fury (Samuel L. Jackson) vermutet, dass sich in ihren Reihen ein Verräter befindet.

Doch der wird daraufhin vom Jäger zum Gejagten, als der Vorsitzende von S.H.I.E.L.D. Alexander Pierce (Robert Redford) Fury zum Verräter erklärt. Und auch Captain America und Black Widow sind bald auf der Flucht und müssen zusammen mit ihrem neuen Freund Sam Wilson alias Falcon (Anthony Mackie) im Geheimen versuchen, dem Komplott auf den Grund zu gehen. Und als wäre das nicht schlimm genug, taucht auch noch der mysteriöse Auftragskiller Winter Soldier (Sebastian Stan) auf, der Legenden zufolge seit über 50 Jahren sein Unwesen treibt.

Originell sind Verschwörungen und einzelne aufrechte Widerstandskämpfer natürlich nicht, ihren Zweck erfüllt die Geschichte aber allemal und ist vor allem gut umgesetzt. Die Kämpfe sind zahlreicher und flotter als noch in Teil, das Drumherum erstaunlich düster: Gefühlt müssen in den ersten fünf Minuten mehr Menschen ihr Leben lassen als im gesamten Verlauf von Captain America: The First Avenger, Captain America zeigt bei seinem Einsatz kaum mehr Skrupel. Deutlich reduziert wurden hingegen die humorvollen Einlagen.The Return of the First Avenger Szene 2

Auf der einen Seite hat das dem Film gut getan, The Return of the First Avenger ist ungleich spannender, und auch wenn das meiste natürlich vorhersagbar ist, die krachenden Actionszenen, die vielen Explosionen und die aufwendige Technik lassen einen doch am Ball bleiben. Gleichzeitig ist es irgendwie schade, dass die Comicfigur durch die Überarbeitung so viel an Persönlichkeit eingebüßt hat. The Return of the First Avenger ist ein unterhaltsamer und packender Spionage- und Politthriller, kein Zweifel. Aber einer, bei dem es keinen Unterschied macht, wer der Protagonist ist. Das hätte genauso gut ein anderer Superheld sein können, ein James Bond, Ethan Hunt oder sonst ein beliebiger Agent, Captain America mag jetzt kompatibler mit dem Geschmack des hiesigen Kinopublikums sein, ist gleichzeitig dadurch aber auch austauschbar geworden.

Fans der bisherigen Marvel-Abenteuer wird das wohl weniger stören, denn gutes Blockbusterkino wird allemal geboten. Zudem wartet auf die Anhänger auch wieder eine Menge Fanservice, sei es durch Verweise auf den ersten Teil, Auftritte bereits etablierter (Nick Fury, Black Widow) sowie weiterer Marvel-Figuren (Falco, Winter Soldier) und natürlich auch wieder durch einen kleinen Ausblick auf zukünftige Filme. Dieses Mal gibt es sogar zwei Gründe, The Return of the First Avenger bis ganz zum Ende anzuschauen, denn beim Abspann gibt es nicht nur eine finale Szene mit dem Winter Soldier, sondern auch einen kleinen Vorgeschmack auf Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron.

The Return of the First Avenger läuft ab 27. März im Kino

The Return of the First Avenger
4 (80%) 5 Artikel bewerten

The Return of the First Avenger
Düsterer, brutaler und spannender: Im Vergleich zu Teil eins zieht The Return of the First Avenger deutlich an und bietet gutes Blockbusterkino für Fans der Marvel Superhelden. Schade nur, dass Captain America durch die Überarbeitung doch auch beliebig und austauschbar wurde.
7von 10

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