Und wenn nichts mehr geht, dann muss halt wieder ein Remake her. Nicht nur in Hollywood greift man bevorzugt auf bewährte Stoffe zurück, um die Kinokasse klingeln zu lassen. Auch in Frankreich schwelgt man gern in Erinnerungen. Nachdem die Grande Nation letztes Jahr schon Angélique zu neuen Ehren verhalf, steht nun eine neue Verfilmung des Romans „Tagebuch einer Kammerzofe“ von Octave Mirbeau aus dem Jahr 1900 auf dem Programm – zum nunmehr dritten Mal.

Roman wie Film handeln von der selbstbewussten Kammerzofe Célestine (Léa Seydoux), die sich in großbürgerlichen Haus der Familie Lanlaire gegen den lüsternen Hausherren und seine herrische Frau durchsetzen muss. Während sie sich an der verlogenen Oberschicht stört, hat es ihr der eigensinnige Kutscher Joseph (Vincent Lindon) angetan. Doch auch der hat etwas sonderbare Vorstellungen, was die Rolle Célestines betrifft.

Ob es derlei Neuverfilmungen von Klassikern braucht, das ist fast schon eine Grundsatzfrage. Immerhin: Das neueste Werk von Regieveteran Benoît Jacquot, dessen 3 Herzen kürzlich in Deutschland startete, landete in der ersten Woche in Frankreich auf einem ordentlichen sechsten Platz. Ob es das Drama auch hierzulande in die Lichtspielhäuser schafft, steht noch in den Sternen. Während Tagebuch einer Kammerzofe auf der Berlinale zu sehen war, ist ein regulärer Kinostart derzeit nicht angekündigt.



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Eine Antwort

  1. Martin Zopick

    VORSICHT SPOILER!!

    Es verwundert nicht, dass Mirbeaus Roman Regisseure immer wieder gelockt hat ihn zu verfilmen. Nur sollte – wenn es bereits solche Meisterwerke wie die von Renoir und Bunuel gibt – diese Neuverfilmung von Benoit Jacquot dem Stoff einen neuen Impuls geben. Und genau das tut er auch im negativ – minimalistischen Sinne: es gibt keinen. Wichtige Teile fallen komplett unter den Tisch, Die Handlung läuft stark vereinfacht distanziert ab. Drehbuch und Regie scheinen fast desinteressiert zu sein.
    Drei kleine Ausrutscher gibt es dann doch: wenn die Titelfigur Célestine (Léa Seydoux) etwas in ihren nicht vorhandenen Bart brabbelt, was im Gegensatz zu ihrer offiziellen Antwort steht. Dann eine blutige Kussszene zwischen Célestine und dem totkranken Monsieur George (Vincent Lacoste), der daraufhin das Zeitliche segnet und last but not least ein Dildo im Handgepäck einer Reisenden.
    Ansonsten läuft der Plot auf ein offenes Ende zwischen Célestine und dem antisemitischen Diener Joseph (Vincent Lindon) hinaus. Selbst der ungalante Rhythmus des Beischlafs hätte nur Rudi dem Rammler zur Ehre gedient.
    Danach schleichen sich beide im Halbdunkel gut getarnt aus ihrem Arbeitsverhältnis, das sie zuvor ausgeraubt hatten. Als Sittenbild zu flach werden bekannte Klischees abgearbeitet. Es gibt kaum Emotionen, etwas Elend der Frauen wie bei der schwangeren Köchin Marianne (Mélodie Valemberg), die immerhin schauspielerisches Talent aufblitzen lässt, aber viel Langeweile! K.V.

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