(„Zombex“ directed by Jesse Dayton, 2013)

Zombex – Walking of the DeadSo ein Zombie hat es nicht leicht. Erst machen sich jahrzehntelang Möchtegernhelden einen Spaß draus, dir bei jeder Gelegenheit den Kopf wegzupusten. Dann mutierst du seit dem äußerst respektlosen Shaun of the Dead zur Witzfigur Nummer eins des Horrorgenres. Und zu guter Letzt darfst du dich seit Warm Bodies auch noch von kleinen Mädels anschmachten lassen – eine Schmach für das ehemals so angesehene Mitglied der Untotenfamilie.

Ein paar Lichtblicke gab es dieses Filmjahr aber dennoch im modernden Sumpf der Zombieindustrie. World War Z zeigte – neben Warm Bodies – dass die Hirntoten sogar für Kassenschlager gut sind. Und auch Zombex – Walking of the Dead versucht wieder einen etwas ernsteren Zugang zum Thema und kann dabei sogar einige semi-prominente Namen vorweisen: Malcom McDowell, Sid Haig und Corey Feldman. Wer auf größere Rollen der Horrorveteranen hofft, wird jedoch enttäuscht, die Auftritte sind kurz und wenig spektakulär. Beides trifft dann auch auf den Film an sich zu.

Dabei ist die Geschichte dahinter gar nicht mal schlecht. Wir befinden uns im New Orleans der Post-Katrina-Ära. Die gewaltigen Kräfte des Hurrikans haben nicht nur viele Gebäude und Habseligkeiten sprichwörtlich davongefegt, auch die Bevölkerung ist seither schwer traumatisiert. Hilfe verspricht hier – wie sollte es in den USA auch anders sein? – ein neuartiges Antidepressiva, das großzügig unter der Bevölkerung verteilt wird. Anfang sieht es auch so aus, als würde das Medikament die Leute wieder zurück ins Leben holen. Später stellt sich heraus, dass das mit dem Leben aber nicht ganz so stimmt, vielmehr verwandelt es die Leute allmählich in Zombies.Zombex – Walking of the Dead Szene 1

Und so versinkt New Orleans, wie auch bald das ganze Land, wieder einmal im Chaos. Und die einzigen, die das Desaster noch abwenden können, sind die Entwickler des Medikaments. Also machen sich der engagierte Radiomoderator Aldous Huxtable (Lew Temple) und der frühere Musiker Charlie Thibideaux (David Christopher) auf den Weg, um dem Pharmaunternehmen einige unbequeme Fragen zu stellen. Und das möglichst schnell, denn Charlie hat selbst eine der Pillen geschluckt. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Symptome auch bei ihm hervortreten.

Zombiehorror trifft Pharmathriller plus Zeitdruck, das hätte durchaus gut werden können. Nur wusste Regisseur und Drehbuchautor Jesse Dayton offensichtlich nicht, wie er diese Rahmenhandlung mit Leben füllen sollte. Dass Dialoge und Handlung eher unsinnig sind, ist man aus dem Genre schon gewohnt. Umso wichtiger wäre es gewesen, sich durch spannende Actionszenen irgendwie hervorzuheben. Aber auch hier sieht es mau aus. Die Auseinandersetzungen mit den Zombies sind eher spärlich, schnell vorbei und einfallslos. Statt furioser Kämpfe besteht Zombex eher aus endlosen Autofahrten, ist mehr Roadmovie denn Horror. Zwischendurch dürfen dann noch zwei Lesben aufgegabelt werden, die erst in Militärkleidung, später in Hot Pants für tatkräftige Unterstützung sorgen. Das wirkt so deplatziert, dass man sich als Zuschauer fragt, ob der Film vielleicht doch als Satire gemeint war. Aber dafür ist er dann wiederum nicht witzig genug.Zombex – Walking of the Dead Szene 2

Eine wirkliche Katastrophe ist Zombex – Walking of the Dead aber nicht, da hat man dieses Jahr mit Zombie Ass und Zombie – Dead/Undead eine noch tiefere Messlatte vorgelegt. Wobei: Vielleicht wäre der Film sogar unterhaltsamer, wenn er sich eindeutig für den Trash entschieden hätte. Während einem bei den anderen Filmen so manche Szene zumindest im Gedächtnis bleibt – ob gut oder schlecht, sei mal dahingestellt – ist Zombex vor allem austauschbar. Und damit auch irgendwie langweilig.



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Zombex – Walking of the Dead
Für eine Satire nicht witzig genug, für wirklichen Horror fehlt die Spannung: Zombex – Walking of the Dead hat zwar eine Rahmenhandlung mit Potenzial, weiß aber nichts damit anzufangen. Das macht den mäßigen Zombiefilm trotz semi-prominenter Namen zu austauschbar und langweilig.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

2 Responses

  1. Schlombie

    Bitte korrigieren: in der Einleitung erwähnt Ihr die Teilnahme von Corey Haim. Der ist jedoch schon einige Jahre tot. Ihr meint Corey Feldman, wie mandem Foto entnehmen kann. 🙂

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