(„K-Pax“ directed by Iain Softley, 2001)

K-PaxEin Unbekannter taucht aus dem Nichts auf. Niemand scheint ihn zu kennen und er besitzt keinerlei Papiere, die ihn identifizieren. Er stammt, eigenen Angaben zufolge, vom Lichtjahre entfernten Planeten K-Pax. Doch Prot (Kevin Spacey), wie er sich nennt, sieht genauso aus wie alle anderen Menschen. Auf den ersten Blick also ein Fall für die Psychatrie, wo er dann auch ohne große Umwege und Gegenwehr landet. Dort nimmt sich Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) seiner an. Wie alle anderen hält der Psychiater Prot zunächst für verrückt. Doch der mysteriöse Patient bringt nicht nur frischen Wind in die Psychiatrie und avanciert dort zum heimlichen Wortführer der Patienten. Vielmehr liefert er auch für unwiderlegbare Beweise über seinen Herkunftsplaneten, wodurch auch die Wissenschaftler ratlos werden. Außerdem zeigt er keine Symptome psychischer Krankheiten. Im Gegenteil, er versteht es, sich eloquent auszudrücken, und erweist sich in den Sitzungen als ein intellektuell äußerst bewanderter Gesprächspartner. Prot ist ansonsten ein hilfsbereiter, friedfertiger Patient. Dr. Powell steht vor einem Rätsel, dass er nicht lösen kann. Einerseits bezweifelt Powell die Herkunft Prots. Andererseits klingen die detailierten Angaben über seinen Planeten nachvollziehbar und wahrscheinlich. Zudem kann es sich Dr. Powell nicht erklären, wie Prot einzelne Patienten mit Erfolg therapiert. Der Psychiater gerät aber in tiefe Besorgnis über seinen Patienten, als Prot seinen Rückreisetermin – per Lichtereise – zu K-Pax ankündigt. Zudem verspricht er den Patienten, die ihm seine Herkunft glauben, dass er einen von ihnen mitnehmen würde. Deswegen und wegen eines Zusammenbruchs Prots bei einem Besuch der Familie Powell, versucht der Psychiater mit Hilfe der Hypnose auf den Grund des Mysteriums zu stoßen. Tatsächlich offenbart die Hypnose, dass Prot in engem Kontakt zu einem Robert Porter stand.

Der Regisseur Iain Softley (Tintenherz) liefert mit K-Pax einen Science-Fiction-Film, der von seinem antagonistischen Prinzip lebt: Ein Mann, der vorgibt ein Außerirdischer zu sein steht einem Psychiater gegenüber. Beide Rollen werden von den Schauspielern – Spacey (American Beauty, Das Leben des David Gale) und Bridges (Iron Man, The Big Lebowski) – überzeugend gespielt. Höchstleistung erreichen die Beiden bei ihren Rededuellen. Softley nutzt den Schauplatz – die Psychiatrie – um gesellschaftliche Kritik auszuüben und philosophisch-ethische Diskurse zu halten. So steht im Zentrum des Films die Kritik Prots an der Menschheit. In den Gesprächen mit seinem Psychiater passiert es dadurch, dass die Stühle symbolisch vertauscht werden: Nun sitzt Dr. Powell als Angeklagter vor seinem Richter Prot, der nicht nachvollziehen, warum sich die Menschen sinnlos bekriegen und soziale Ungerechtigkeit zulassen. Umgekehrt hält der Außerirdische dem Erdling Lehrstunden auf verschiedenen Gebieten. Wie bereits erwähnt heilt Prot seine Mitinsassen. Auf die Anordnung von Dr. Powell, die Therapien zu unterlassen, reagiert er lediglich mit der scharfzüngigen Frage warum dieser die Kranken nicht selbst heile, wo es doch sein Job sei. Außerdem zeigt er dem Psychiater durch die Unterweisung im k-paxianerischen Erziehungs- (Familien gibt es nicht: Alle erziehen alle) und Rechtssystem (Es gibt keine Gesetze und keine Strafen: Jeder weiß, was recht und unrecht ist, und verhält sich dementsprechend), die Schwächen des irdischen Status Quos auf.

Ein weiterer Antagonismus besteht darin, dass die psychisch Kranken – von der Gesellschaft sozial ausgeschlossen – die einzigen sind, die Prot Glauben schenken, während die Wissenschaftler – Astrophysiker und Psychiater – trotz plausibler Beweise im Zweifel verharren. Die Psychiatrie wird in „K-Pax“ zum einzig normalen, hermetisch abgeriegelten Ort stilisiert: Die Patienten haben zwar ihre Ticks und Ängste, aber im Herzen sind sie noch Kinder geblieben und deshalb unschuldig – demnach ethisch gesehen oberhalb der Gesellschaft angesiedelt sind, also diametral zu ihrer sozialen Stellung stehen. Schließlich bietet der Regisseur keine eindeutige Lösung zum Rätsel um Prot. Der Zuschauer muss endlich selbst entscheiden, ob er in der Figur Spaceys einen Verrückten, ein Genie oder einen Außerirdischen sieht – alles bleibt nach 120 Minuten möglich. Viel wichtiger ist dem Regisseur ein verantwortungsethischer Ratschlag, den er Spacey am Schluss aufsagen lässt:

Das Universum dehnt sich aus und schrumpft dann wieder in sich zusammen. (…) Ein Vorgang, der sich ewig wiederholt. (…) Jeden eurer Fehler durchlebt ihr aufs Neue. (…) Darum lautet mein Rat, es diesmal richtig zu machen

Softley ist ein Film aus Science-Fiction-Elementen à la Donnie Darko (Richard Kelley) und dem Psychiatrie-Drama Einer flog über das Kuckucksnest (Milos Forman) gelungen. Science-Fiction ist in K-Pax jedoch nur das Gewand (ähnlich wie bei Kelleys Film) um Gedankenspiele und Theorien freien Lauf zu lassen. Vom polnischen SF-Autor und Kybernetiker Stanislaw Lem stammt der treffende Satz: „Wir brauchen keine anderen Welten, wir brauchen Spiegel“ (aus Solaris, 1972 gleichnamig verfilmt von Andrej Tarkowskij und 2003 von Steven Soderbergh). Nichts anderes ist K-Pax: Science-Fiction als erwachsene Form der reflexiven Unterhaltung – und nicht ausschließlich als eskapistische Kulisse.

K-Pax
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2 Responses

  1. Candide

    Hab ihn heute angeschaut. Fand den Streifen recht interessant wenn jetzt auch nicht überragend. Deinem Review hab ich nichts weiter hinzuzufügen, außer dass mich Poet und Musiker Saul Williams als Schauspieler nicht unbedingt überzeugen konnte 😉

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