(„Burn After Reading“ directed by Joel & Ethan Coen, 2008)

Burn After ReadingUm den Nichtkennern gleich einen Dämpfer zu verpassen: mit „Burn After Reading“ enttäuschten mich die Coen-Brüder zum allerersten mal. Die Ausgangssituation wäre eigentlich interessant und auch die eingesetzte Crew wirkte durchaus vielversprechend, doch beispielsweise ein Brad Pitt der als vertrottelter Fitnesstrainer versucht komisch zu wirken scheitert kläglich und sein Schauspiel ist nicht nur schlecht sondern meistens lächerlich. Da hilft es auch nichts, wenn er mich an zwei maximal drei Stellen tatsächlich zum Lachen bringen konnte, das war wohl nichts Mr. Pitt. Die einzige Konstante des 95 Minuten langen Streifen war lediglich John Malkovich der als entlassener CIA-Mitarbeiter Osbourne Cox der die Story eigentlich ins Rollen bringt. Nachdem er gefeuert wurde beschließt er an seinen Memoiren zu schreiben, schließlich hat er nie was anderes gelernt und hat in seinem Alter auch nicht Lust von Vorne zu beginnen. Um die Finanzen soll sich ruhig mal seine Frau Katie (Tilda Swinton) mit ihrer Kinderarztpraxis sorgen, doch diese ist meistens damit beschäftigt ihren Mann mit den Frauenheld und paranoiden Regierungsmitarbeiter Harry Pfarrer (George Clooney) zu betrügen.
Ganz wie gewohnt verstricken die Erzähler nun die einzelnen Charaktere geschickt miteinander und die einzelnen Szenen schaukeln sich bis zum chaotischen Ende gegenseitig hoch. So gelangen Chad Feldheimer (Brad Pitt) und Linda Litzke (Frances McDormand) per Zufall an die Memoiren von Cox und wittern den großen Gewinn. Als dieser allerdings nicht freiwillig Geld locker machen will beschließen sie ihn zu erpressen. Breits zu diesem Zeitpunkt weiß der Zuschauer dass diese zwei unterbelichteten Gestalten eh nur alles vermasseln können und man erwartet sich eigentlich ein köstliches Durcheinander a la „The Big Lebowski„, das aber ausbleibt. Zu sehr konzentrieren sich die Autoren auf eine aufgesetzte Agentensatire, die nicht so richtig zünden will. Nur in ganz bestimmten Momenten blitzten tolle Ideen wie die russische Botschaft im Sowjetstil oder die internen CIA-Gespräche zwischen J.K. Simmons und David Rasche auf. Der eigentliche Plot bleibt aber meist langweilig und wenig packend. Größte Schwachpunkte sind dabei wie schon erwähnt Brad Pitt – der besser daran täte wieder ernstere Rollen zu spielen – und ein langweiliger George Clooney, wobei man fairerweise sagen muss dass der Charakter den er spielt schon nicht sonderlich gut gelungen ist.
Der Humor selbst blieb mir bis auf einzelne Szenen sehr fremd. Anspielungen wie beispielsweise auf das marode amerikanische Gesundheitssystem sind zwar nett, geben den Film aber keinen wesentlichen Mehrwert. Fans von John Malkovich sollten dann allerdings doch einen Blick wagen. Seine Rolle als Ex-CIAler den die Welt nicht versteht und umgekehrt brilliert in jeder Szene. Es wirkt schon fast ein bisschen „dudehaft“ wenn er im Morgenmantel versucht seine langjährige Arbeitserfahrung auf einen Tonband aufzunehmen, dabei erkennt dass es wenig interessantes und kaum nennenswertes gibt und schließlich zum Hochprozentigen greift um den Tag irgendwie verstreichen zu lassen. Malkovichs Part als zielloser Mann mittleren Alters, Chad der hirnlose Sportjunkie, Linda die besessen davon ist ihren Körper zu verändern um als partnertauglich zu gelten, Harry der nichtstuende Staatsdiener dessen erfundene Agentengeschichten ihn in den paranoiden Wahnsinn treiben oder auch der wenig auffallende Richard Jenkins als Fitnessstudioboss der nicht in der Lage ist seine geheime Liebe für Linda auszusprechen. Dies alles wären interessante Persönlichkeiten mit viel Potential, doch leider gelingt es den Regisseuren nicht die Story ansprechend und in sich verschlungen genug rüberzubringen. Was in bisher all ihren Streifen so gut klappte war hier wohl oder übel ihre Achillessehne und brachte sie schlussendlich auch zum Fall.
Nachdem ich aber erst neulich den Trailer von „A Serious Man gesichtet habe, bin ich zuversichtlich dass uns die Brüder wieder etwas tolles auf die Leinwand zaubern werden.

Burn After Reading
4 (80%) 5 Artikel bewerten

7 Responses

  1. tumulder

    Vollste Zustimmung, Burn after Reading ist wirklich einfach nur lahm, wirkt sogar streckenweise erstaunlich bemüht. Ich sehe die Coens ja eh seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast.

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  2. Breakout

    Einspruch Euer Ehren.
    Muss micht bullion anschließen, der Film hat mich im Kino von Anfang bis Ende durchweg amüsiert und ich konnte mich an kaum irgendetwas stören. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich da mit einer Gruppe von netten Leuten im Kino war, mit denen ich keinen tiefgründig und künstlerisch wertvollen Anspruch an den Film gestellt habe. Aber unterhalten hat er trotzdem.

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  3. Candide

    Ich sehe die Coens ja eh seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast.
    @tumulder: So weit würde ich nicht gehen, aber ja „Burn After Reading“ war lahm, basta.

    @bullion: Ein bestimmt wichtiges Detail hatte ich ganz vergessen, nämlich dass ich den Film mit deutscher Synchronisation gesehen habe, aber ich bezweifle dass der O-Ton den Film bedeutend besser macht.

    @breakout: Naja, einen Film nur an seinen künstlerischen und intellektuellen Anspruch zu messen ist ja auch nicht immer angebracht. Wenn ein Werk es schafft mich „grandios“ zu unterhalten, dann nehme ich dafür auch gerne Oberflächlichkeit in Kauf. Leider war dies hier einfach nicht der Fall, wie auch geschrieben war mit der Humor meistens fremd.

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  4. parker

    Einen intellektuellen Anspruch kann man bei fast keinem der Coen-Filme feststellen. Die Filme leben doch einfach nur von ihren absurden Charakteren und Situationscomik, bzw. knallharten Stimmungswechseln ins Düstere.

    Obwohl „Burn After Reading“ ein durch und durch postmoderner Streifen ist bei dem der einzige Rote Faden das selbstauferlegte Dogma: „Hauptsache Unrund“ zu sein scheint, würde ich ihm trotzdem keine so schlechte Note ausstellen. Man konnte den Hang zum No-Point-At-All-Plot ja auch schon bei „No Country For Old Men“ sehen.

    Ich war durchaus unterhalten, und auch Pitt fand ich nicht so schlecht, vor allem war seine Rolle als Ganzes irgendwie gekünstelt und wirkte wie eine Satire auf Fitness-Freaks.

    Das die Coens auf dem absteigenden Ast sind würde ich auch nicht sagen. Ich hoffe aber nicht, dass sie die Geschwindigkeit im noch mehr Produzieren steigern und dann wirklicher Schrott dabei raus kommt.

    Mein Lieblingsstück von den Brüdern ist und bleibt aber „Fargo“.

    P.S: Ist euer Log-In Button auch verschwunden?

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  5. Ijon Tichy

    Endlich auch gesehen.

    Fand ihn durchaus unterhaltsam, hab‘ sogar ein einigen Stellen gelacht.
    Ist sicherlich aber kein Meisterwerk und auch nicht das Opus Magnum der Coen Bros.

    Lahm finde ich aber überhaupt nicht treffend.
    Vertrackt, überzogener Humor und vielleicht ein wenig zu viel des Guten – aber lahm kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

    Meiner Meinung nach für Fans trotz kleiner Mängel ein Muss.
    Ist nicht „Ein unmöglicher Härtefall“ der bisher schwächste Coen-Streifen?
    Hab‘ ihn zwar nie gesehen, aber immer nur schlechtes gelesen.

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