ParaNorman
© Universal Pictures

(„ParaNorman“ directed by Sam Fell and Chris Butler, 2012)

ParaNormanÜbernatürliche Elemente gab es letzte Woche in Baccano! nicht zu knapp. Im 107. Teil unseres fortlaufenden Animationsspecials verabschieden wir uns dann noch mehr von der guten alten Realität, nur um am Ende doch einiges über sie zu lernen. Und dabei auch eine Menge zu lachen.

Der elfjährige Norman ist sicher kein Junge wie jeder andere. Da wäre zum einen sein inniges Verhältnis zu seiner Großmutter, mit der er sich oft über Gott und die Welt unterhält oder auch alte Horrorfilme anschaut. Sicher, das machen andere vielleicht auch. Deren Großmütter sind aber nicht tot. Und Oma Babcock ist nicht die einzige Verstorbene, mit der Norman in einem regen Austausch steht: Auf Schritt und Tritt begegnet er Geistern von Menschen und Tieren. Dumm nur, dass kein anderer sie sehen kann, weshalb der Junge auch ganz gern von seinen Mitschülern gehänselt wird. Richtig kompliziert wird es jedoch erst, als Normans von allen für verrückt erklärter Onkel ihm sagt, dass eine im 18. Jahrhundert verbrannte und von allen gefürchtete Hexe ihre Rache plant und nur Norman dies verhindern kann.

Mehr als drei Jahre dauerte es, bis das amerikanische Animationsstudio Laika nach dem gefeierten Debüt Coraline ein zweites Mal das Publikum verzauberte. Und erneut setzte es dabei auf die vermeintlich altmodische Stop-Motion-Technik, wo Einzelaufnahmen in einer so hohen Geschwindigkeit aneinandergereiht werden, dass der Eindruck von Bewegung entsteht, erweitert um modernste Technik. Wo früher noch jede Pose einer Figur von Hand modelliert werden musste, übernahm das bei ParaNorman ein 3D-Drucker. Das Ergebnis ist beeindruckend, kombiniert das im auf CGI-Filme fokussierten Animationssektor etwas verlorengegangene Flair von einst mit ausdrucksstarken Figuren, vielen liebevollen Details, die man kaum alle erfassen kann, und einer bemerkenswerten Flüssigkeit.

Ganz so überwältigend wie bei Coraline ist der zweite Einsatz der modernisierten Animationstechnik jedoch nicht. Das hängt jedoch weniger mit der eigentlichen technischen Klasse zusammen als vielmehr mit den Designs: Das von Neil Gaiman verfasste Abenteuer eines kleinen Mädchens erlaubte durch seine skurril-traumartige Geschichte einen Ausflug in fantastische Bilderwelten, ohne sich groß mit der Realität aufhalten zu müssen. Im Vergleich dazu ist ParaNorman deutlich geerdeter und – Hexen und Zauberei zum Trotz – auch viel alltäglicher.

Eigentlich ist der Stop-Motion-Film auch gar nicht mal sonderlich originell. Da wären zum einen die Horrorelemente, die fester Bestandteil des Genres sind: Geister, die noch nicht ins Jenseits übergehen können, so lange etwas unerledigt bleibt. Hexen, die sich für vergangene Verbrechen an den Menschen rächen wollen. Zum anderen ist ParaNorman eine Liebeserklärung an Außenseiter, in welcher Form auch immer, sowie ein Plädoyer für einen toleranten Umgang miteinander. Auch das ist nichts Neues, wird nie aus der Mode kommen, so lange es Menschen gibt und die sich für Kleinigkeiten gegenseitig das Leben schwer machen. Aber es ist eben diese Mischung aus Coming-of-Age-Drama und klassischem Horror, gepaart mit viel Humor, der den Film am Ende doch zu etwas Besonderem macht. Und etwas, das tatsächlich für jung wie alt einiges zu bieten hat.

Zu klein sollten die Zuschauer natürlich nicht sein, dafür ist das Gruselambiente dann doch zu düster, abgetrennte Gliedmaßen und überfahrene Tiere inklusive. Etwas ältere Kinder finden jedoch gleichermaßen Trost und Unterhaltung in den wahnwitzigen Abenteuern eines Jungen, der seinen Platz in der oft furchtbar gemeinen und unfairen Welt erst noch finden muss, was vielen in dem Alter aus der Seele sprechen dürfte. Erwachsene wiederum, gerade solche mit einem Faible für Horrorfilme, freuen sich über zahlreiche humorvolle Anspielungen an Genreklassiker, welche mal Hommage sind, dann auch wieder Parodie. Spätestens wenn die Toten auferstehen, diesmal dann auch richtig, wird so schön und vor allem witzig mit den Zombieklischees gespielt, dass man ParaNorman trotz der doch sehr konventionellen Figuren und der vorhersehbaren Geschichte einfach gernhaben muss.



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Das zweite Werk der Laika Studios kombiniert erneut altehrwürdiges Stop Motion mit moderner Technik zu einem visuell beeindruckenden Film. Und auch die Geschichte, eine Mischung aus Horrorkomödie und Coming of Age, macht „ParaNorman“ trotz der vielen Konventionen zu einem runden Spaß für jung und alt.
8
von 10