
Eigentlich war Ekki Talkötter (Oliver Korittke) als Trauzeuge bei der Hochzeit seines Freundes Jan Linke (David Jakobs) eingeplant. Doch dann verschwindet der angehende Bräutigam spurlos und lässt seine Verlobte Katrin Kerkenhoff (Susanne Bormann) ratlos zurück. Was ist da nur vorgefallen? Overbeck (Roland Jankowsky) ist davon überzeugt, dass ein Verbrechen verübt wurde, und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Und auch Georg Wilsberg (Leonard Lansink) geht der Sache nach. Tessa Tilker (Patricia Meeden) beschäftigt zur selben Zeit ein ganz anderes Thema: Ihr Nachbar Maurice Kamp (Martin Bruchmann) hat aufgrund eines Finanztipps des Influencers Vince Grossmann (Steve Windolf) eine Menge Geld verloren und fühlt sich von diesem betrogen. Aber liegt da tatsächlich ein Verbrechen vor?
Das Geschäft mit der Gier
Wilsberg und kein Ende. Seit 1995 läuft die ZDF-Krimireihe bereits, viele Dutzend Filme wurden bislang produziert. Und doch kommen jedes Jahr noch immer mehrere neue Teile hinzu. Allein dieses Jahr war der Antiquar und Privatdetektiv bereits dreimal im Einsatz. So musste er in Trügerische Sicherheit das Rätsel um einen toten Jugendlichen auflösen. Anschließend handelte Mogelpackung von einem erbitterten Streit um ein Wohnhaus und unzumutbare Sanierungsarbeiten. Zuletzt drehte sich Todsicherer Tipp um einen gefundenen Lottoschein, der den Protagonisten zu einer altehrwürdigen Brauerei führt. Mit Einfach weg steht jetzt der vierte neue Teil von 2026 an, es ist der 91. insgesamt. Und zumindest fünf weitere sind bereits angekündigt, für Nachschub ist also gesorgt.
Diesmal zeigt man sich recht ambitioniert, was die Geschichte angeht. Üblicherweise beginnt ein solcher Krimi damit, dass eine Leiche entdeckt wird und das Team anschließend herausfinden muss, wer den Mord begangen hat. Bei Wilsberg: Einfach weg fehlt das. Es ist nicht einmal sicher, ob da überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Stattdessen wird der zweite Strang aufgemacht, bei dem es um einen sogenannten Finfluencer geht, also einen Influencer im Finanzbereich. Damit wird wieder versucht, einen aktuellen Aspekt hineinzubringen, der auch in eine gesellschaftliche Richtung geht. Dabei lässt es die Folge ein wenig offen, ob sie sich nun über die Betrüger auslässt oder Menschen, die sich aus Gier auf solche Betrüger einlassen. Dafür bleibt auch nicht die Zeit, weil es dann noch ein drittes Thema gibt: eine Agentur, die Alibis verschafft, vergleichbar zu Alibi.com.
Anders, aber nicht besser
Zu rätseln gibt es also schon einiges, nur eben nicht auf die reguläre Whodunit-Weise. Vielmehr ist die große Frage, wie diese ganzen Einzelteile denn zusammenpassen und welche Geschichte da erzählt wird. Man kann sich aber darüber streiten, ob das nun positiv oder negativ ist. Auf der einen Seite ist es schon gut, wenn sich Wilsberg: Einfach weg von der Formel ein wenig löst und etwas anderes versucht. Es führt aber auch dazu, dass das alles schon arg konstruiert ist. Denn so richtig findet das nicht zusammen, man hat das Gefühl, dass die Reste unterschiedlicher Drehbücher kombiniert wurden. Das Problem hat die Reihe natürlich auch so immer mal wieder, wenn es darum geht, die ganzen Figuren unterzukriegen. Dieses Mal ist das noch stärker als sonst.
Das bedeutet aber nicht, dass der Film deswegen schlecht ist. Teile davon sind schon interessant. Beispielsweise sind die Episodenfiguren ganz gut geworden, getragen auch von den jeweiligen Schauspielern und Schauspielerinnen. Ob es der schmierige Finanzprofi ist, dessen Lächeln so falsch ist wie seine Tipps, oder die Verlobte, die eine ganz eigene Ansicht zu der bevorstehenden Ehe hatte: Da sind schon prägnante Typen dabei. Als reiner Krimi ist Wilsberg: Einfach weg jedoch weniger spannend, da das teilweise zu vorhersehbar ist und gleichzeitig übertrieben. Außerdem nerven manche der alteingesessenen Figuren.
OT: „Wilsberg: Einfach weg“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Britta Keils
Drehbuch: Mariann Kaiser
Musik: Andreas Weidinger
Kamera: Timo Moritz
Besetzung: Leonard Lansink, Oliver Korittke, Patricia Meeden, Rita Russek, Roland Jankowsky, Janina Fautz, Steve Windolf, Minh-Khai Phan-Thi, Susanne Bormann, Franziska Ferrari
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