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Eine Wahnsinnsfamilie

„Eine Wahnsinnsfamilie“ // Deutschland-Start: 7. Juni 1990 (Kino) // 6. August 2026 (UHD-BluRay)

Inhalt / Kritik

In der Familie von Gil (Steve Martin) und Karen Buckman (Mary Steenburgen) ist immer was los. Ihr ältester Sohn Kevin (Jasen Fisher) zeigt Verhaltensauffälligkeiten und soll in Psychotherapie. Kevins jüngster Bruder will immer mit dem Kopf durch die Wand und ist so gänzlich anders wie die ungefähr gleichaltrige Tochter von Gils Schwager Nathan (Rick Moranis), der dieser noch vor der Einschulung Karate und Spanisch beibringt und sie Franz Kafka lesen lässt. Gils Schwester Helen (Dianne Wiest) hat schon etwas ältere Kinder, muss Garry (Joaquin Phoenix) und Julie (Martha Plimpton) aber alleine erziehen, seit sie ihr Mann verlassen hat. Die Teenager sind da nicht weniger kompliziert, zumal sie gerade ihr Sexleben entdecken. Und Julies Freund Tod (Keanu Reeves) ist nicht gerade ein Schwiegermutterliebling. Patriarch Frank Buckman (Jason Robards) wird von der Heimkehr seines Lieblingssohns Larry (Tom Hulce) überrascht, der sich als gescheiterter Glücksritter erweist und ebenfalls einen kleinen Sohn mit nach Hause bringt, um den sich nun die Großeltern kümmern sollen.

Väter und Söhne

Der ehemalige Schauspieler Ron Howard (Happy Days), der schon als Teenager Ambitionen als Filmemacher hatte, wandte sich Ende der 1970er Jahre mit seinem Langfilmdebüt Highway 101 – Vollgas bis die Fetzen fliegen endgültig dem Inszenieren zu und konnte in den folgenden Jahren einige beachtliche Erfolge verbuchen. In den 1980er Jahren führte Howard bei Kassenschlagern wie Splash – Jungfrau am Haken, Cocoon oder Willow Regie. All diese Filme waren exzellente Familienunterhaltung und hatten durchweg auch fantastische Elemente zu bieten. Das sollte sich dann bei Eine Wahnsinnsfamilie wieder ändern, einem Film, der bis in die liebenswertesten Details dem wahren Leben abgeschaut ist. Gemeinsam mit seinen Drehbuchautoren Babaloo Mandel und Lowell Ganz, mit denen er schon wiederholt zusammengearbeitet hatte, schrieb Howard die dem Film zugrundeliegende Story. Die drei Männer und ihr Produzent Brian Grazer (Apollo 13) brachten es zum Zeitpunkt der Dreharbeiten zu Eine Wahnsinnsfamilie zusammen auf 15 Kinder, weswegen sie etliche eigene Erfahrungen, Missgeschicke und Erfolgserlebnisse in den Film einfließen ließen.

Vordergründig wirkt der Film zunächst einmal wie eine gut aufgelegte Familienkomödie, was er ohne Zweifel auch ist. Aber trotz slapstickhafter Szenen, einem teilweise stark aufdrehenden Steve Martin und dem Charme der kleinen Knirpse, die hier die Leinwand bevölkern, hat Parenthood (also „Elternschaft“, so der Originaltitel des Films) deutlich mehr zu bieten als das. Der Film widmet sich auf mehreren verschiedenen Ebenen den vielfältigen Vater-Sohn-Beziehungen innerhalb der beschriebenen Großfamilie. Das beginnt schon mit dem eher unglücklichen Verhältnis zwischen Gil Buckman und seinem Vater Frank, das u.a. in einer Traumsequenz-Rückblende beschrieben wird. Die ständige Abwesenheit und Sorglosigkeit seines Erzeugers wollte Gil auf keinen Fall auf seine Sprösslinge übertragen und ist deswegen nach Leibeskräften bemüht, seine drei Kinder glücklich zu machen. Dass ausgerechnet sein Ältester unglücklich ist und sich überfordert fühlt, unterstreicht dabei nur, wie viel trotz hehrer Absichten in Erziehungsfragen schieflaufen kann. Einmal heißt es dazu im Film deswegen auch ganz treffend: „Das Leben ist nun mal chaotisch.“ Die von Rick Moranis gespielte Vaterfigur ist gänzlich anders angelegt, er fördert und überfordert seine kleine Tochter und denkt dabei nur ans eigene Renommee. Der Vater von Garry und Julie bleibt im Film komplett abwesend, was auch eine Aussage ist.

Das Leben ist eine Achterbahn

Die sicherlich spannendste Vaterfigur in Eine Wahnsinnsfamilie ist der Senior Frank, den Jason Robards (Der Tag danach – The Day After) mit sehr viel Feingefühl und innerer Zerrissenheit darzustellen vermag. Aus den Rückblenden wissen wir, dass er kein sonderlich fürsorglicher Vater war, erleben ihn nun aber in seinen Interaktionen mit dem Tunichtgut der Familie, der unter Spielsucht leidet, ständig Schulden hat und dem deswegen nun skrupellose Geldeintreiber auf den Fersen sind. Die Drehbuchautoren haben in die gemeinsamen Szenen der beiden, die laut des Bonusmaterials der Veröffentlichung erst während der Dreharbeiten in dieser Form entstanden sind, jede Menge kluger Weisheiten einfließen lassen und zeichnen dabei schließlich doch noch ein anderes Bild des griesgrämigen Patriarchen, der Herz beweist und zu seinen Fehlern von früher steht.

Die Filmemacher kamen hier darüber hinaus auf die geniale Idee, den Komiker Steve Martin (Ein Ticket für zwei) als mehrfachen Familienvater zu besetzen, obwohl der damals 44-Jährige selbst noch keine Kinder hatte und erst sehr spät, 2012 im Alter von 67 Jahren, mit seiner Partnerin Anne Stringfield seine erste Tochter bekam. Martin konnte sich dermaßen gut in die Rolle des Familienvaters einfügen, dass er in den kommenden Jahren noch mehrfach in vergleichbaren Parts besetzt wurde, nicht zuletzt in den beiden Vater der Braut-Filmen oder in Im Dutzend billiger und dessen Sequel. Obwohl man dem Film Eine Wahnsinnsfamilie anmerkt, dass er von drei Männern ersonnen wurde, kommen in ihm auch die weiblichen Figuren nicht zu kurz. Neben der wieder einmal famos aufspielenden Dianne Wiest, die hierfür sogar eine Oscar-Nominierung erhielt, ist natürlich auch Mary Steenburgen zu nennen – oder die von Helen Shaw gespielte Großmutter, die das Leben süffisant mit einer Achterbahnfahrt vergleicht.

Die mannigfaltigen Probleme zwischen Eltern und ihren Kindern und die zwischen den Partnern andererseits haben Ron Howard hier jedenfalls den Nährboden für eine vergnügliche Realsatire geliefert. Zwar schreckt der Regisseur nicht vor einigen übertriebenen Rührseligkeiten zurück, aber dank seiner grandiosen Besetzungsriege und einigen herrlich skurrilen Gags im Detail ist hier am Ende ein gelungener Film entstanden, der weit mehr bietet, als man zunächst erwartet hätte. Die 4KUHD-Erstveröffentlichung bietet ein sehr gutes Bild (im Widescreen-Format 1,85:1). Der Ton liegt, wie bei Universal leider üblich, nur in der englischen Originalfassung in Dolby Atmos vor. Deutsch, Französisch und Spanisch (für Spanien und für Lateinamerika) sind im DTS Digital Surround 5.1 aufgespielt, optional mit Untertiteln in diesen vier Sprachen. Die Extras umfassen den englischen Kinotrailer, die drei Specials aus dem Jahr 2007, „Kunst, die das Leben imitiert“ (28 Minuten), „Familientreffen“ (19 Minuten) und „Text und Musik“ (6 Minuten, über Randy Newman) sowie die beiden im Jahr 2011 entstandenen Clips „100 Jahre Universal – Die Ära Lew Wasserman“ (9 Minuten) und „100 Jahre Universal – Unvergessliche Figuren“ (8 Minuten). Eine BluRay liegt der Veröffentlichung ebenfalls bei.

Credits

OT: „Parenthood“
Land: USA
Jahr: 1989
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Lowell Ganz, Babaloo Mandel
Musik: Randy Newman
Kamera: Donald McAlpine
Besetzung: Steve Martin, Mary Steenburgen, Dianne Wiest, Jason Robards, Martha Plimpton, Keanu Reeves, Joaquin Phoenix, Rick Moranis

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Eine Wahnsinnsfamilie
fazit
Vordergründig wirkt der Film wie eine gut aufgelegte Familienkomödie, was er ohne Zweifel auch ist. Aber trotz slapstickhafter Szenen hat er deutlich mehr zu bieten als das. Der Film widmet sich auf mehreren verschiedenen Ebenen den vielfältigen Vater-Sohn-Beziehungen innerhalb der beschriebenen Großfamilie und überzeugt dabei mit seiner grandiosen Besetzungsriege.
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