(„Planes, Trains and Automobiles“, directed by John Hughes, 1987)

Dies ist eine jener raren Filme, die nicht nur als Komödie eine hohe Gagdichte aufzuweisen haben, sondern auch das Herz des Zuschauers zu berühren verstehen, einer jener Filme, die stets menschlich bleiben und dramatische Inhalte auf gleichzeitig humorvolle Weise zu vermitteln wissen. Hier durch die tragikomische Figur John Candys, der einen Vertreter von Duschringen spielt. Ein paar Tage vor Thanksgiving trifft er in New York auf Steve Martin, der in der Werbebranche arbeitet und so schnell wie möglich seinen Flug nach Chicago erwischen muss, um das amerikanische Erntedankfest mit seiner Familie verbringen zu können.

Martin ist anfangs wenig begeistert von seiner neuen Reisebekanntschaft, doch noch weniger begeistert ist er von der Tatsache, dass sein/ihr Flugzeug nach Chicago in Kansas notlanden muss. Unglücklicherweise ist dies nur der Beginn einer abenteuerlichen Odyssee durch das verschneite Amerika auf den Weg nach Chicago. Das Schicksal kennt kein Erbarmen und kettet ihn mit dem enervierenden Candy aneinander, der wie eine Klette an dem wenig geduldigen Geschäftsmann klebt. Gemeinsam versuchen sie schließlich, nach Chicago zu kommen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, so müssen sie nacheinander Busse, Züge und Autos in Anspruch nehmen, da ihnen immer etwas bei ihrem Plan in die Quere kommt.

Zugegebenermaßen ist es ein vorhersehbarer Film, indem für die beiden Protagonisten alles schief geht, was schief gehen kann. Trotzdem gehört John Hughes’ (Kevin allein zu Haus) Werk zu den schönsten Komödien seiner Zeit, ist mittlerweile sogar zu einem modernen Klassiker geworden. Einer der Gründe ist die respektvolle Behandlung der Charaktere durch Drehbuchautor und Regisseur Hughes. Wie es in nur wenigen Komödien üblich ist, geht Hughes hier in die Tiefe der Charaktere, behandelt sie zu keinem Zeitpunkt oberflächlich. So ist John Candy der oberflächlich stets gut gelaunte Knuddelbär, der mit allen Leuten gut klarkommt, letztlich aber ein vereinsamter, nach Anerkennung und Liebe durstender Chaot, der unter Minderwertigkeitskomplexen leidet. Mit dem einher geht eine sehr menschliche Botschaft, die von Candys Figur direkt kommt, der nicht bereit ist, sich für jemanden zu verstellen, um Anerkennung zu erfahren, sondern der stets sich selbst treu bleiben will. Steve Martin spielt brillant den grantelnden und oberflächlich hartherzigen Pessimisten, der schließlich ein weiches Herz offenbart.

Davon abgesehen ist der Streifen bis in die kleinsten skurrilsten Nebenrollen perfekt besetzt – dies fängt bei William Windom (Mord ist ihr Hobby) als sprachlosen Werbeboss an, führt zu schmierigen, spuckenden Machos bis zu Angst einflößenden Taxifahrern mit Totenköpfen als Mercedes-Stern Ersatz. Der Film funktioniert auch deshalb so gut, weil er Situationen beschreibt, die ein jeder von uns kennt, gesteigert ins fast Surreale. Da wäre der störende Sitznachbar, die mit sich selbst beschäftigte und uninteressierte Angestellte am Schalter oder der aggressive, wenig hilfreiche Platzwart bei der Autovermietung, der Steve Martin einen gezielten Kinnhaken verpasst. Das Timing – sowohl in der Situationskomik als auch in den treffsicheren Dialogen – ist perfekt, was auf das Konto der großartig aufspielenden Hauptdarsteller geht.

Es ist ein Film über große Sehnsüchte, die sich verabscheuende Menschen zusammenbringen können, der gut Acht gibt auf seine Charaktere, diese nie zu Karikaturen ihrer selbst werden selbst werden lässt, sondern sie behutsam als verletzliche, menschliche Wesen mit tiefen Gefühlen und Wünschen behandelt, was der Sensibilität des Films zu Gute kommt, ohne dass er in Kitsch abzugleiten droht. All dies zusammengefasst mit der hohen Anzahl von diversen Scherzen in Form von abwechslungsreichem Slapstick und Wortwitz macht Ein Ticket für zwei nicht nur zu John Hughes’ vielleicht bestem Film, sondern allgemein zu einer der besten, warmherzigsten Komödien seiner Zeit. Ein berührender, humorvoller sowie herzerwärmender Tipp nicht nur für die Weihnachtszeit.



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Ein Ticket für Zwei
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Ein Ticket für Zwei
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2 Responses

  1. Ijon Tichy

    Lange her, aber seinerzeit hat mich der Film einfach begeistert 😉
    Kann mich nur an eine handvoll Filme erinnern, die mich derart zum Lachen gebracht haben und dieser gehört dazu!

    Und das, obwohl ich weder ein Steve Martin- noch ein John Hughes- oder überhaupt ein Comedy-Fan wäre. Als Klassiker würde ich ihn persönlich zwar jetzt nicht einstufen, aber sehenswert ist er allemal.

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  2. Stephan Eicke

    Den Begriff „Klassiker“ habe ich gewählt, weil ich nachwievor den Eindruck habe, dass er immer wieder erwähnt wird, wenn es um Bestenlisten geht – in diesem Fall eine der besten Komödien der 80er. Das bestätigt auch die Tatsache, dass Roger Ebert diesen Film skurrilerweise sogar in seiner „Great Movies“-Kategorie analysiert hat 😉

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