Kritik

Splash Jungfrau am Haken

„Splash – Jungfrau am Haken“ // Deutschland-Start: 21. September 1984 (Kino)

Allen Bauer (Tom Hanks) hat einfach kein Glück mit den Frauen. Schon wieder ist ein Beziehung in die Brüche gegangen, und das ausgerechnet kurz vor einer Hochzeitsfeier! Und als wäre das nicht schon schlimm genug, ist er jetzt auch noch auf einer Insel gestrandet. Zwar findet er jemanden, der ihn mit einem Boot zurückfährt, doch dabei geht er über Bord – ungünstig, wenn man nicht schwimmen kann. Als er wieder zu sich kommt, entdeckt er eine schöne junge Frau (Daryl Hannah), die bald wieder verschwindet. Er wird sie noch oft sehen und sogar Gefühle für sie entwickeln. Dabei ahnt er nicht, dass sie ihm das Leben gerettet hat und eigentlich eine Meerjungfrau ist …

Disney und Meerjungfrauen, da fällt einem natürlich als erstes Arielle, die Meerjungfrau ein, mit der die Zeichentrickstudios 1989 den Startschuss für ein gewaltiges Comeback lieferten. Dabei hatte das Unternehmen einige Jahre zuvor schon einen anderen Hit gelandet, wenn auch unter einem anderen Namen: Splash – Jungfrau am Haken war 1984 der erste Titel, der unter dem neuen Label Touchstone Films erschien, unter dem künftig Filme für Erwachsene veröffentlicht werden sollten. Schon der Einstand war ein großer Erfolg, dem bald noch viele andere folgen sollten, unter anderem Pretty Woman, The Nightmare Before Christmas und Armageddon.

Charmant und unterhaltsam
Im Vergleich zu den vielen Inhouse-Kollegen ist Splash – Jungfrau am Haken inzwischen eher in Vergessenheit geraten. Zwar veröffentlichte man einige Jahre später einen Nachfolger, der aber – sicher auch wegen des komplett ausgetauschten Ensembles – ziemlich unterging. Ein Remake mit vertauschten Rollen war lange geplant, ist letztendlich aber nie erschienen. Dabei ist der Film mehr als 35 Jahre noch überraschend sehenswert. Er mag zwar keine lustigen tierischen Sidekicks oder eingängige Melodien haben, wie es bei Arielle, die Meerjungfrau der Fall war. Dafür ist die erwachsene Version der Mensch-Fabelwesen-Liebe charmant und teilweise richtig unterhaltsam.

Das ist bei einem Film mit John Candy natürlich nicht vollkommen überraschend. Obwohl der 1994 gestorbene Vollblutkomiker hier nur eine Nebenrolle abbekommen hat als Allens redefreudiger Bruder Freddie, hindert ihn das nicht daran, den anderen regelmäßig die Show zu stehlen. Eine größere Überraschung, zumindest für das damalige Publikum, war dafür Tom Hanks. Der war zur Zeit des Drehs noch weitgehend unbekannt, seine großen Erfolge wie Big oder Forrest Gump sollten erst einige Jahre später folgen. An ihm liegt es, die Balance aus Komik und Romantik zu halten, wenn er um die schöne Unbekannte buhlt, was aus nachvollziehbaren Gründen oft nicht so funktioniert, wie von ihm gedacht.

Komisch anders
Erstaunlich dabei ist, dass Splash – Jungfrau am Haken auf den zu erwartenden Fish-out-of-Water-Humor verzichtet. Der wäre nicht nur der Bezeichnung wegen naheliegend gewesen. Viele Komödien beziehen ihren Humor daraus, dass eine Figur in einem für sie völlig fremden Umfeld unterwegs ist und deshalb nicht weiß, wie sie sich verhalten soll – siehe etwa Wonder Woman, wenn eine Amazone plötzlich in der Zivilisation unterwegs ist. Dann und wann gibt es dafür zwar Beispiele in diesem Film, wenn Madison eine Vorliebe für technischen Schnickschnack entwickelt oder die Sprache anhand von TV-Sendungen lernt. Doch das Element wird nur zaghaft eingesetzt, auch das satirische Potenzial wird ignoriert. Gleiches gilt für den Umweltgedanken.

Heute würde mit Sicherheit bei einer solchen Geschichte einiges etwas anders gemacht. Aber es hat eben auch einen nostalgischen Charme, wie hier bodenständige Gefühle mit absurderen Szenen kombiniert werden. Schließlich gibt es da ja noch den Wissenschaftler Dr. Walter Kornbluth (Eugene Levy), der unbedingt beweisen will, dass Madison eine Meerjungfrau ist, was jede Menge Chaos nach sich zieht. Doch das Herz des Films ist, wie es sich für eine Liebeskomödie gehört, das Paar, das diverse Schwierigkeiten zu überwinden hat. Ein bisschen naiv, aber ohne Kitsch wird aus Hannah und Hanks ein Duo, das füreinander bestimmt ist, auch wenn es so verschieden ist und ständig Missverständnisse die traute Gemeinsamkeit bedrohen, die zwar sehr eigen sind und doch auch universell genug.

Credits

OT: „Splash“
Land: USA
Jahr: 1984
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Lowell Ganz, Babaloo Mandel, Bruce Jay Friedman
Musik: Lee Holdridge
Kamera: Donald Peterman
Besetzung: Tom Hanks, Daryl Hannah, John Candy, Eugene Levy

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1985 Bestes Original-Drehbuch Bruce Jay Friedman, Lowell Ganz, Brian Grazer, Babaloo Mandel Nominierung
Golden Globe Awards 1985 Bester Film – Musical oder Komödie Nominierung

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Splash – Jungfrau am Haken
Wenn ein Mensch und eine Meerjungfrau Gefühle füreinander entwickeln, dann wird es romantisch – und vor allem lustig. Tom Hanks und Daryl Hannah verzaubern als Paar, das diverse Probleme und Missverständnisse aus dem Weg räumen muss. Zudem gibt es bei „Splash – Jungfrau am Haken“ lustige Nebenfiguren und einige schön absurde Szenen.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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