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Children Untold

„Children Untold“ // Deutschland Start: nicht angekündigt

Inhalt / Kritik

1945 kehrt die zwölfjährige Kotoko Kayano (Ami Koyae) in das vom Krieg zerstörte Tokio zurück. Ihre Lehrerin Fumiko Sone (Fumi Nikaido) sorgt sich um das Mädchen und will es eigentlich nicht allein am Bahnhof zurücklassen. Die hochschwangere Frau muss sich jedoch um ihre eigenen Kinder kümmern, die am Bahnsteig auf sie warten. So macht sich Kotoko allein auf den Weg in das Viertel, in dem das Haus ihrer Eltern stand, doch auch hier ist alles zerstört. Vom Elternhaus sind nur noch ein paar Trümmer sowie die Überreste des Klaviers ihres Vaters, eines Berufsmusikers, übrig. Von ihren Eltern selbst fehlt jedoch jede Spur und das Mädchen ahnt bereits, welches Schicksal ihnen widerfahren ist. Für Trauer hat sie aber wenig Kraft, denn sie ist hungrig und sucht ein Obdach für die Nacht.

Nach einiger Zeit auf den Straßen und auf dem Schwarzmarkt der japanischen Hauptstadt schließt sich Kotoko einer Jungenbande um Shokichi an, die sich mit Diebstählen und kleineren Geschäften über Wasser hält. Um nicht aufzufallen, gibt sie sich als Junge namens Shigeo aus. Die Kinder erhalten unter anderem Arbeit von Toru Kikuzawa (Junichi Okada), dem Anführer einer Yakuza-Gruppe, die den Schwarzmarkt kontrolliert. Kotoko lernt schnell, wie man sich dort durchschlägt, und findet bei den anderen Kriegswaisen ein neues Zuhause. Als dann aber einer ihrer Diebeszüge schiefläuft, gerät die Bande in die Fänge der Polizei.

Unterdessen macht sich Fumiko schwere Vorwürfe, weil sie Kotoko allein am Bahnhof zurückgelassen hat. Schließlich macht sie sich auf die Suche nach ihr, doch inmitten des Schwarzmarktes gleicht dies der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Die Wahrheit hinter Bildern

Die Filmemacherin Miwa Nishikawa kommt gebürtig aus Hiroshima und wurde durch ihr Umfeld und ihre Sozialisation bereits sehr früh an das Thema Krieg herangeführt. Eigentlich habe sie nie einen Film über den Zweiten Weltkrieg machen wollen, doch während ihrer Arbeit an Under the Blue Sky änderte sie schließlich ihre Meinung. Das reale Vorbild der Hauptfigur dieses Films war eine Kriegswaise und Nishikawa begann, sich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Letztendlich entstand dabei die Grundlage für die Geschichte von Children Untold, ihrem neuen Film, der auf dem Toronto International Film Festivals 2026 seine internationale Premiere feiert. Für Nishikawa stand bei der Geschichte jedoch weniger der Krieg im Vordergrund, sondern vielmehr, wie „schön“ Kinder seien, wie sie einen Weg finden zu überleben – auch unter den widrigsten Umständen – und wie sie sich dennoch so etwas wie Unschuld bewahren.

Durch Dokumente, Bilder und Videos kann man sich einer Zeit zwar annähern, doch es bleibt eine gewisse Distanz. Nishikawa wusste durch zahlreiche Fotografien von dem Thema der Kriegswaisen, doch welches Schicksal und welche Geschichte sich hinter den Bildern verbargen, wusste sie nicht, weshalb Figuren wie Kotoko und Toru stellvertretend für viele dieser Biografien stehen. Children Untold erzählt von den verschiedenen Stationen des Lebens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – von dem Gang durch die ruinierte Vergangenheit, dem Überlebenskampf auf den Straßen und natürlich auch den Opfern, die Kinder bringen mussten, wenn sie etwas zu essen und einen trockenen Schlafplatz haben wollten. Folglich changiert der Ton von Children Untold zwischen Hoffnung und Freude sowie Trauer und tiefster Verzweiflung, weshalb der Film zugleich eine Geschichte über die Stunde Null Japans ist.

Besonders detailreich sind dabei Orte wie der Schwarzmarkt oder später das Waisenhaus inszeniert. Nishikawa zeigt Mikrokosmen und Zwangsgemeinschaften, die Gesetze, nach denen sie funktionieren, und wie sie mit jenen umgehen, die diesen nicht Folge leisten. Kotoko will sich zunächst als Schuhputzerin etwas Geld verdienen, sieht jedoch bei einer jungen Frau, was dieses Geschäft noch mit sich bringt. Es ist der harte, unbarmherzige Boden der Realität, der sie einholt. Dennoch hält sich die Kamera beim Zeigen dieser Wirklichkeit zurück und vermittelt sie stattdessen über die Schauspieler oder über Bilder.

Kinder, die ich nicht kenne

Erzählt man die Geschichten von Kindern wie Kotoko und Toru, sind dies auch Erzählungen über Identitäten. Der Überlebenskampf auf den Straßen des Nachkriegstokios lehrt Kotoko, dass sie ein Junge „werden muss“, wenn sie nicht zum Opfer oder ausgenutzt werden möchte. Es ist außerdem ein Zugang zu einer Gemeinschaft, die ihr Schutz bietet und zu so etwas wie einer zweiten Familie wird. Niemand sei der, für den er sich ausgebe, meint Toru und meint damit eigentlich, dass sie nun ein neues Leben leben. Vielleicht ist es auch ein Schutz vor den Erinnerungen daran, dass sie alle normale Kinder gewesen wären, wenn es keinen Krieg gegeben hätte und die Bomben nicht gefallen wären. Dennoch sind dies die Kinder, welche die Zukunft des Landes verkörpern, die etwas Neues wagen oder so weitermachen können wie die vorherige Generation.

Dank seines Ensembles, allen voran Ami Koyae, ist Children Untold ein berührender Film. Koyae spielt überzeugend die verschiedenen Entwicklungsstufen ihrer Figur, die sich durch eine neue Identität einen emotionalen Schutzwall errichtet. Immer wieder scheint dieser Schutz zu bröckeln, vor allem in jenen Momenten, in denen sie zur Musik zurückfindet. Als sie einmal ein Akkordeon in die Hand nimmt und etwas spielt, scheint die Erinnerung zu viel zu werden. Es ist eine kluge, subtile Performance, die Children Untold über so manche Länge des Drehbuchs hinweghilft.

Credits

OT: Watashi no Shiranai Kodomotachi
Land: Japan
Jahr: 2026
Regie: Miwa Nishikawa
Drehbuch: Miwa Nishikawa
Kamera: Norimichi Kasamatsu
Musik: Marihiko Hara
Besetzung: Ami Koyae, Fumi Nikaido, Ryota Bando, Kaito Sakurai, Kotone Hanase, Yukiya Kitamura, Yoh Yoshida, Yutaka Takenouchi, Junichi Okada, Yuko Tanaka, Koji Yakusho

Bilder

Trailer

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Children Untold
fazit
"Children Untold" ist ein berührendes Drama über Kinder, die nach dem Krieg nicht nur ihre Familien und ihr Zuhause verloren haben, sondern gezwungen sind, neue Identitäten anzunehmen, um überhaupt überleben zu können. Miwa Nishikawa erzählt vom Nachkriegsjapan aus ihrer Perspektive und findet dabei eindringliche Bilder für eine Generation, die viel zu früh erwachsen werden musste. Trotz einiger Längen überzeugt der Film vor allem durch seinen Detailreichtum und sein starkes Ensemble, allen voran Ami Koyae.
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