Wish
© Disney
Wish
„Wish“ // Deutschland-Start: 30. November 2023 (Kino)

Inhalt / Kritik

Viele Jahre ist es her, dass der Zauberer Magnifico gemeinsam mit seiner Frau Amaya das Königreich Rosas gegründet hat. Dort sollen die Menschen in Sicherheit sein und ihre Wünsche erfüllen können. Zu diesem Zweck vertrauen alle Bürger und Bürgerinnen an ihrem 18. Geburtstag Magnifico ihren größten Wunsch an. Dieser wiederum wählt einmal im Monat einen besonderen Wunsch und erfüllt diesen mithilfe seiner Zauberkraft. Auch die 17-jährige Asha steht kurz vor ihrer persönlichen Zeremonie und träumt davon, von dem Herrscher als Lehrling akzeptiert zu werden. Tatsächlich läuft das Bewerbungsgespräch sehr gut, sie bauen rasch eine Verbindung auf. Doch dann stellt Asha entsetzt fest, dass Magnifico die Wünsche der Menschen stiehlt und nur diejenigen wahr werden lässt, die ihm nicht gefährlich werden können …

Reizvolle Optik zwischen gestern und heute

Eigentlich ist 2023 ja das große Jubiläum von Disney, 100 Jahre ist das Unternehmen inzwischen. Doch so richtig zum Feiern dürfte momentan dort niemandem zumute sein. War das Filmstudio noch vor wenigen Jahren die unangefochtene Nummer eins, die nach Belieben die Kinocharts dominiert, folgte dieses Jahr eine Enttäuschung nach der anderen. Selbst vermeintliche No-Brainer blieben unter den Erwartungen, siehe etwa das Live-Action-Remake Arielle, die Meerjungfrau oder das lang erwartete Sequel Indiana Jones und das Rad des Schicksals. Das neueste Marvel-Abenteuer The Marvels droht sogar, zu einem absoluten Fiasko zu werden. Umso wichtiger wäre es, dass mit Wish, dem neuesten Streich der Animationssparte, der Weg zurück zur Erfolgsspur gefunden wird – umso mehr, da der Film mit einem Budget von 200 Millionen US-Dollar wieder sehr teuer geworden ist.

Ob das Comeback in kommerzieller Hinsicht gelingen wird, bleibt abzuwarten. Qualitativ ist der Film zumindest ernüchternd. Denn wo die letzten Abenteuer Encanto und Strange World trotz schwacher Einspielergebnisse sehenswert waren, gilt das für den 62. Film der Disney Animation Studios nur eingeschränkt. Der positivste Aspekt wird dabei recht früh klar: Wish ist ein visuell sehr ansprechendes Werk geworden. Genauer orientierte man sich an den lang vergangenen Zeiten, als das Studio noch handgezeichnete Welten erschuf. Anfängliche Pläne, völlig zu dieser Form des Zeichentricks zurückzukehren, wurden leider zu den Akten gelegt. Immerhin gibt es aber einen ansehnlichen Kompromiss, bei dem die Hintergrundbilder wie aus einem Aquarell-Bilderbuch wirken, während die Figuren und sonstigen Objekte recht typische CGI-Gestalten sind. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, entwickelt aber einen eigenen Reiz und hilft dabei, den Film von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben.

Alles nach Formel

Leider zeigte man beim Inhalt praktisch keine künstlerischen Ambitionen. So hielt sich das Team rund um das Regie-Duo Chris Buck (Die Eiskönigin – Völlig unverfroren) und Fawn Veerasunthorn so sehr an die alte Disney-Formel, dass man den Eindruck hat, eine künstliche Intelligenz hätte das Drehbuch geschrieben. Da sind die mutige und selbstlose junge Heldin, die komischen Freunde, ein sprechendes Tier. Ständig wird gesungen, bevor am Ende der Bösewicht durch vereinte Kräfte besiegt werden. Natürlich funktioniert eine solche Formel, sonst hätte sie Disney nicht so oft angewendet. Wenn man aber bei Wish das Gefühl hat, alles schon einmal gesehen zu haben und das in einer besseren Variante, dann wird das schon zu einem Problem. Eng damit zusammen hängt die langweilige Protagonistin, bei der ebenfalls ohne große erzählerische Ambitionen aus dem Fundus kopiert wurde.

Deutlich interessanter ist da schon der Gegenspieler. So ist Magnifico zwar der Böse, handelte aber anfangs aus einer nobleren Motivation heraus. Zumindest im englischen Original ist das auch sehr hörenswert, wo Chris Pine die Rolle übernommen hat. Eine vergleichbare Ambivalenz sucht man bei dem Rest vergeblich. Das heißt nicht, dass der Film schlecht ist. Neben der bemerkenswerten Optik ist das Thema um Herzenswünsche, die uns ausmachen, schon nett. Wish erfüllt seinen Zweck. Das Ganze bleibt nur relativ wenig in Erinnerung. Für ein Werk, welches das reiche Erbe von Disney feiern sollte, ist das Animationsabenteuer aber schon recht beliebig und kaum dazu geeignet, die derzeitige Sinnkrise des Unternehmens zu lösen.

Credits

OT: „Wish“
Land: USA
Jahr: 2023
Regie: Chris Buck, Fawn Veerasunthorn
Drehbuch: Jennifer Lee, Allison Moore
Musik: Dave Metzger, Julia Michaels, Benjamin Rice
Animation: Disney Animation Studios

Bilder

Trailer

Interviews

Ihr wollt mehr über den Film erfahren? Wir konnten zu Wish zwei Interviews führen: mit dem Regieduo Chris Buck und Fawn Veerasunthorn sowie dem Produzenten Peter Del Vecho.

Chris Buck / Fawn Veerasunthorn [Interview]

Peter Del Vecho [Interview]

Special

Schneewittchen und die sieben ZwergeSeit 1937 hat Disney die Geschichte des Animationsfilms maßgeblich mitbestimmt. Wir blicken in unserem Jubiläumsspecial zurück auf das legendäre Studio und stellen Dutzende ihrer Werke vor.

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Wish
fazit
„Wish“ war als große Hommage an die Disney Animationsfilme gedacht. Das Ergebnis ist jedoch eher ernüchternd. So ist die Optik, welche CGI-Figuren mit Bilderbuch-Hintergründen verbindet, zwar reizvoll. Auch der Gegenspieler macht Spaß. Ansonsten ist der Film aber so beliebig und austauschbar, dass er sofort wieder vergessen ist.
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7.4
6
von 10