Crimes of the Future 1970

Crimes of the Future (1970)

Crimes of the Future 1970
„Crimes of the Future“ // Deutschland-Start: 1. Juni 2006 (DVD)

Inhalt / Kritik

Im Jahre 1997 betreibt Adrian Tripod (Ronald Mlodzik) eine Klinik, die sich auf Hautkrankheiten spezialisiert hat und einst in der High Society sehr beliebt war. Seit der Gründer des „House of Skin“, wie die Klinik genannt wird, verschwunden ist, hat der Ruf des Hauses jedoch stark gelitten und es gibt kaum noch Patienten, die sich dorthin verirren. Zudem hat eine Seuche, ausgelöst von Kosmetikprodukten, so gut wie die ganze weibliche Bevölkerung ausgelöscht. Antoine Rogue, wie der Begründer heißt, ist nicht nur Namensgeber der mysteriösen Krankheit, sondern soll auch deren erstes Opfer gewesen sein, doch sicher weiß das niemand. Daher setzt Tripod die Suche nach Rogue, seinem einstigen Mentor, fort und wird dabei durch verschiedene andere Institutionen, Psychiatrien und letztlich sogar eine Organisation Pädophiler geschleust, von denen er sich Antworten erhofft. Jedes Mal begegnet er dabei nicht nur Opfern der Krankheit, sondern auch Männern, die teils sehr bizarre Experimente wagen, um in einer Welt ohne Frauen zurechtzukommen.

Notizen eines Poeten

Zu Beginn seiner Karriere drehte Regisseur David Cronenberg die Kurzfilme Transfer (1966), From the Drain (1967), Stereo (1969) und Crimes of the Future (1970), in denen er nur mit der Sprache des Kinos experimentierte und seine Themen finden wollte, welche dann sein übriges Werk bis heute definieren. Für sein letztes Projekt, bevor er 1975 mit Parasiten-Mörder seinen ersten Langfilm vorlegte, diente ihm der Ausschnitt einer Verfilmung von Knut Hamsuns Hunger als Inspiration, in welcher der umherwandernde Dichter mit „Verbrechen der Zukunft“ den Titel eines neuen Werkes anschreibt, aber nicht darüber hinaus Kommt. Auf Cronenberg übte der Titel eine ungemeine Faszination aus, die ihn auch in späten Jahre nicht mehr loslassen sollte, denn immerhin hat er zwei Filme mit demselben Titel gemacht.

Um ein tieferes Verständnis für das Werk des Kanadiers zu erlangen, ist eine Sichtung von Filmen wie Stereo und Crimes of the Future unerlässlich. Cronenbergs Interesse für Wissenschaft sowie seine Inspirationen aus Film und Literatur sind mehr als offensichtlich in den Geschichten wie auch der Ästhetik, die sich nicht mit technologisch abgehobenen Visionen der Zukunft aufhält, sondern sich vielmehr auf den Menschen der Zukunft konzentriert (was sicherlich auch aus finanziellen Gründen Sinn ergab). Tripod ist ein Suchender in einer Welt, in der er seine einzige Vaterfigur verloren hat und in der wenig Sinn ergibt, nicht nur für ihn, auch für die anderen Figuren, auf die er während seiner Suche trifft. Anders als bei dem Dichter in Hunger geht es Tripod nicht um weltliche Nöte, wie ein Dach über dem Kopf, denn sein Antrieb ist das Wiederfinden von etwas, das ihm schon lange verloren gegangen ist: der Bezug zu sich selbst. Wie in Hamsuns Roman ist dabei die Erzählerstimme der Rahmen der immer bizarrer werdenden Sequenzen, die meist vor einer nüchternen, an den Bauhaus-Stil erinnernden Fassade spielen.

Neue Welt und neue Körper

Journalist und Filmkritiker Kim Newman drückte es eigentlich am besten aus, als er schrieb, dass Crimes of the Future sich auf dem Papier besser anhöre und die Umsetzung wenig attraktiv für den Zuschauer ist. Bedenkt man, dass es sich hier um die ersten Gehversuche eines Regisseurs handelt, sollte man als Zuschauer nicht allzu viel erwarten, und man wird enttäuscht sein, wenn man eine Produktion vom Kaliber eines Videodrome oder Naked Lunch erwartet. Die Suche des Protagonisten in dieser befremdlichen Welt nach einer neuen Körper-Identität ist sperrig und ästhetisch spröde, und manche Szenen, beispielsweise das Treffen mit den Pädophilen, wird so mancher Zuschauer als sehr unangenehm empfinden. Von anderen Momenten geht dann wiederum eine unfreiwillige Komik aus, zum Beispiel, wenn sich Tripod als Fußfetischist versucht und dabei bisweilen auf Männer stößt, die seine neue Vorliebe nicht nur nicht teilen, sondern ihm auch feindlich gesinnt sind. Es sind verschiedene Farbtöne innerhalb der filmischen Palette, mit denen Cronenberg in Crimes of the Future arbeitet und manche Mischungen passen nun mal eben nicht zusammen.

Credits

OT: „Crimes of the Future“
Land: Kanada
Jahr: 1970
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: David Cronenberg
Besetzung: Ronald Mlodzik, John Lidolt, Tania Zolty, Jack Messinger, Paul Mulholland, William Haslam, William Poolman

Trailer

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Crimes of the Future (1970)
fazit
"Crimes of the Future" ist ein früher Science-fiction-Kurzfilm David Cronenbergs. Zum tieferen Verständnis des Werks des Kanadiers ist der Film sehr interessant, doch darüber hinaus wird die experimentelle und teils sehr befremdliche Optik wie auch einige Szenen so manchen Zuschauer eher abschrecken.
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